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Emma Goldman
geboren am 27. Juni 1869 in Kaunas/Litauen
gestorben am 14. Mai 1940 in Toronto
amerikanische Anarchistin, Publizistin und Feministin
70. Todestag am 14. Mai 2010
Anarchistin war Emma Goldman aus Überzeugung, Kosmopolitin wurde sie aus Notwendigkeit. Aufgewachsen in einer kleinbürgerlichen Familie im zaristischen Russland, setzt sie ihren Willen gegen die Familie durch und emigriert 1885, als Sechzehnjährige, mit ihrer Halbschwester Helena nach Amerika, wo sie schnell Kontakt zu anarchistischen und exilrussischen Kreisen findet. Kompromisslos tritt sie für das Selbstbestimmungsrecht des Individuums ein und befürwortet anfänglich auch die Gewalt als Mittel des politischen Kampfes gegen Unterdrückung und Ausbeutung – eine Position, von der sie bald wieder abrücken wird. Ihre Radikalität führt zu Konflikten mit der Staatsgewalt; 1893 wird sie für ein Jahr inhaftiert, nachdem sie Arbeitslose öffentlich darin bestätigt hatte, notfalls die Dinge des täglichen Bedarfs auch zu stehlen, wenn das Geld zum Kaufen fehle. 1895/96 lässt sie sich in Wien zur Hebamme ausbilden – besonders diese Ausbildung und später die Ideen Margaret Sangers lassen sie für die sogenannte Frauenfrage hellhörig werden.
Zurück in den USA verficht sie weiterhin mutig das Recht auf freie Rede und vertritt das Ideal der „freien Liebe“, die auf gegenseitiger Achtung, nicht aber bürgerlichen Zwängen basieren sollte. Goldman gibt Zeitschriften heraus (Mother Earth), veröffentlicht ein Buch (Anarchism and other Essays, 1911). Sie kämpft für die Freigabe von Informationen über Geburtenkontrolle, opponiert gegen die Zwangsrekrutierung von Männern während des Ersten Weltkriegs und wird mit ihrem Freund und Genossen Alexander Berkman 1917 zu zwei Jahren Haft verurteilt. Nach Verbüßung dieser Strafe werden die beiden in die Sowjetunion abgeschoben. Goldmans Sympathie für die Bolschewiki währt nur kurz, da sie im revolutionären Russland ihre politischen Ziele nicht verwirklicht sieht. Sie erkennt schnell, dass Lenins Regime mit der Arbeiterdemokratie der Räte Schluss machen und in die Tyrannei führen würde.
Es folgen Aufenthalte in Schweden, Deutschland, Frankreich, England und Kanada. Der Spanische Bürgerkrieg wird nach dem Suizid ihres Freundes Berkman (1936) ihr neues Aktionsfeld: Sie fährt nach Katalonien und reist nach London, um dort für das republikanische Spanien zu werben. In Kanada sammelt sie Geld. Während dieser Tour erleidet sie einen Schlaganfall und stirbt 70jährig in Toronto.
Dieses bewegte Leben bestand aber nicht nur aus der Politik. Das Private ist nachzulesen in ihrer Autobiographie Living my Life (New York, 1931) und in Candace Falks Biographie Liebe und Anarchie und Emma Goldman (1987).
Beate Schräpel
Quellen
The Emma Goldman Papers
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Ascher, Carol, DeSalvo, Louise A. und Ruddick, Sara (Hg.) (1984): Between women. Biographers, novelists, critics, teachers, and artists write about their work on women. Boston. Beacon Press. ISBN 080706713X.
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Drinnon, Richard (1961): Rebel in paradise. A biography of Emma Goldman. Chicago. University of Chicago Press. 1982. ISBN 0-226-16364-4.
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Falk, Candace (1987): Liebe und Anarchie & Emma Goldman. Ein erotischer Briefwechsel. Eine Biographie. (=Love, anarchy and Emmma Goldman. A Biography)
Aus dem Amerikanischen von Dita Stafski und Helga Woggon Berlin. Kramer. ISBN 3-87956-177-X.
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Forster, Margaret (1985): Significant sisters. The grassroots of active feminism 1839 – 1939. New York. Knopf. ISBN 0-394-54153-7.
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Goldman, Emma (1931): Living my life. 3 Bände. New York. Knopf.
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Goldman, Emma (1978): Gelebtes Leben. Band 1. (=Living my Life)
Aus dem Amerikanischen von Renate Orywia und Sabine Vetter Berlin. Kramer. (Frauen in der Revolution, 5) ISBN 3-87956-069-2.
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Goldman, Emma (1979): Gelebtes Leben. Band 2. (=Living my Life)
Aus dem Amerikanischen von Renate Orywa und Marleen Breitinger Berlin. Kramer. (Frauen in der Revolution, 5) ISBN 3-87956-095-1.
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Goldman, Emma (1980): Gelebtes Leben. Band 3. (=Living my Life)
Berlin. Kramer. (Frauen in der Revolution, 5) ISBN 3-87956-111-7.
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Goldsmith, Margaret (1976): Seven women against the world. Essex. Methuen. ISBN 0883553163.
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Leibowitz, Herbert A. (1989): Fabricating lives. Explorations in american autobiography. New York. Knopf. ISBN 0-394-57428-1.
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Spender, Dale (1982): Women of ideas. And what men have done to them. From Aphra Behn to Adrienne Rich. London. Routledge & Kegan Paul. ISBN 0-7100-9353-5.
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Wexler, Alice (1989): Emma Goldman in exile. From the Russian Revolution to the Spanish Civil War. Boston. Beacon Press. ISBN 0-8070-7004-1.
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Weiterführende Literatur
Hinweis: Dies sind keine Literaturempfehlungen, sondern die zum Thema erschienenen Titel – ohne Wertung unsererseits.
Gerhard, Ute und Wischermann, Ulla (Hg.) (2007): Klassikerinnen feministischer Theorie. Grundlagentexte Band 1 (1789-1920). Königstein im Taunus. Helmer. (Frankfurter Feministische Texte – Sozialwissenschaften, 10) ISBN 978-3-89741-242-2.
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Goldman, Emma (1922): Die Ursachen des Niederganges der russischen Revolution.
Mit Vorwort von Rudolf Rocker Leipzig. Verlag »Der Syndikalist«; F. E. Fischer.
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Goldman, Emma (1977): Das Tragische an der Emanzipation der Frau.
Übersetzt von Margot Dehne und Reinhard Lauterbach Berlin. Kramer. (Frauen in der Revolution, 2)
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Goldman, Emma (1978): Anarchismus, seine wirkliche Bedeutung. (=Anarchism and other essays)
Aus dem Englischen von Sabine Wolski und Ulrich Schwalbe Berlin. Libertad-Verlag; Anarchistischer Bund. (Anarchistische Texte, 11)
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Goldman, Emma (1987): Niedergang der russischen Revolution. Berlin. Kramer. ISBN 3-87956-193-1.
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Pilz, Elke (Hg.) (2005): Das Ideal der Mitmenschlichkeit. Frauen und die sozialistische Idee. Würzburg. Königshausen & Neumann. ISBN 3-8260-3008-7.
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Rocker, Rudolf und Goldman, Emma (Hg.) (1968): Der Bolschewismus. Verstaatlichung der Revolution. Berlin. Underground-Press. (Anarchismus, 1)
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