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Erika Fuchs

geboren am 7. Dezember 1906 in Rostock
gestorben am 22. April 2005 in München

deutsche Comic-Übersetzerin
105. Geburtstag am 7. Dezember 2011


Erika Fuchs, die erste und lange Zeit einzige Übersetzerin von Disney-Comics ins Deutsche, wird für ihre kongenialen, witzig-subtilen Sprachschöpfungen weit über die Comic-Szene hinaus verehrt. Elfriede Jelinek wünschte ihr den Büchnerpreis und Elke Heidenreich war sie »eine mächtige, sprachgewaltige Lehrerin, die mir auch beibrachte, die Absurditäten des Lebens früh zu verstehen«.

Ihre Karriere als Übersetzerin begann 1951. Da fuhr die 44jährige promovierte Kunsthistorikerin und Mutter zweier halbwüchsiger Söhne aus Schwarzenbach an der Saale nach Stuttgart, um bei Readers Digest Übersetzungsaufträge zu aquirieren. Sie träumte davon, anspruchsvolle englische Literatur zu übersetzen, stattdessen legte man ihr einen Stapel Mickey Mouse-Hefte vor. Als Tochter aus großbürgerlichem Hause war sie überzeugt, »dass so etwas in Deutschland überhaupt nicht geht.«

Dennoch nahm sie den gutbezahlten Job an und wurde Chefredakteurin des neugegründeten Ehapa-Verlags. Bei der Auswahl der Geschichten achtete sie darauf, dass sie »keine Grausamkeiten und sexuellen Anspielungen« enthielten, dafür aber einen »möglichst reichen Wortschatz, weil Kinder fragen können und lernen sollen.« Sie ließ sich von den Zeichnungen des legendären Donald Duck-Erfinders Carl Barks inspirieren und entwickelte mit Phantasie und Sprachmacht weit entfernt vom »Duckburgh-Slang« eine einzigartige Entenhausener Redekunst, die reich an Wortspielen und Zitaten, Reimen, Alliterationen, Lautmalereien und »Erikativen« (grübel, grübel) ist. Durch sprachliche Typisierung wurden die Disney-Figuren zu unvergesslichen Charakteren: Dagobert, erklärte Fuchs, »weiß den Konjunktiv korrekt zu setzen und schwelgt in Zitaten, wie alte Herren es zu tun pflegen.« Dagegen hebt Donald »sein lädiertes Selbstgefühl bisweilen durch hochgestochene Redeweise oder poetische Redewendungen.« Während die Neffen Tick, Trick und Track im »flotten Unterhaltungsstil« sprechen. Sie erfand Namen wie Gundel Gaukeley, die Panzerknacker oder Daniel Düsentrieb, dessen Ausspruch »dem Ingeniör ist nichts zu schwör« längst Kult ist.

Dr. Erika Fuchs

Bis 1972 übersetzte Erika Fuchs alles Disney-Material, und prägte damit das Sprach- und Lebensgefühl der Nachkriegsjugend und 68er-Generation. Mit Ironie und Sprachwitz bürstete sie bildungsbürgerliches Sprachgut gegen den Strich, karikierte Klassiker-Zitate ebenso wie nationalsozialistische Sprachrelikte. Kritiker der in der Adenauer-Zeit als »Schund- und Schmutzliteratur« verpönten Comics ließ sie ungerührt auflaufen und behauptete: »Man kann gar nicht gebildet genug sein, um Comics zu übersetzen«. Sie hat es bewiesen und unaufhörlich an der Bearbeitung ihrer Übersetzungen getüftelt, bis eine Augenschwäche der 88-Jährigen die Arbeit unmöglich machte.
Erika Fuchs ist 98 Jahre alt geworden, ihr Entenhausener Sprachstil hat die Kinderzimmer verlassen und Feuilleton und Internet erobert.

Kerstin Reimers

Bohn, Klaus; Fuchs, Erika (1996): Das Erika-Fuchs-Buch. Lüneburg. Dreidreizehn. ISBN 3-929746-10-7.
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Höpfner, Peter (2005): Entenhausener Geschichte(n), Folge 112. Dr. Erika Fuchs (1906-2005) – Das Interview.
In: Die tollsten Geschichten von Donald Duck (Egmont Ehapa Berlin), Heft 218. S. 33–36.

Klüßendorf, Niklot (2009): Erika Fuchs.
In: Röpcke, Andreas (Hg.): Biographisches Lexikon für Mecklenburg. Rostock. Schmidt-Römhild (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Mecklenburg – Reihe A). ISBN 978-3-7950-3746-8S. 143–145
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Bohn, Fuchs 1996 – Das Erika-Fuchs-Buch

Klüßendorf 2009 – Erika Fuchs