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Florence Nightingale

geboren am 12. Mai 1820 in Florenz
gestorben am 13. August 1910 in London

englische Krankenpflegerin und Reformerin; Pionierin der Statistik und Epidemiologie


Wegen ihrer erstaunlichen Leistungen als Reformerin des Sanitätswesens im Krim-Krieg wurde Florence Nightingale schon mit 36 Jahren zur Nationalheldin. Die »Lady of the Lamp« hatte die Sterblichkeitsrate der Soldaten in den Lazaretten durch ihren organisatorisch genialen Einsatz enorm reduziert und neue Maßstäbe in der Krankenpflege gesetzt.

Der übliche Lebenszweck einer englischen Dame der Oberschicht war es damals, standesgemäß zu heiraten und zu repräsentieren. Die junge Florence fand diese Aussicht tödlich und litt unter Depressionen. Mit 17 lehnte sie einen Heiratsantrag ab, kämpfte aber lange mit sich, bis sie sich schließlich mit 32 zur Krankenpflegerin ausbilden ließ. Damit zog sie die Konsequenzen aus ihrer Schrift Cassandra, einem flammenden Protest gegen die erstickende Weiblichkeitsnorm ihrer Klasse und »einem zentralen Text des englischen Feminismus, das Bindeglied zwischen Wollstonecraft und Woolf« (Showalter).

Florence Nightingale

1853 übernahm Nightingale die Leitung eines Frauen-Spitals. Ein Jahr später wurde sie vom Kriegsminister auf die Krim geschickt, um den schrecklichen Missständen in den Lazaretten entgegenzuwirken. Mit nur 38 Krankenpflegerinnen kämpfte sie erfolgreich gegen den Mangel an Nahrung, an Hygiene und an Sanitätsmaterial, gegen den engstirnigen Widerstand der Heeresbürokratie, gegen die Cholera und andere Krankheiten, an denen das britische Heer zugrunde ging. Schließlich hielt die energische Verwaltungschefin die gesamte Versorgung der Lazarette mit über zehntausend Menschen in ihrer Hand und revolutionierte die Krankenpflege des Militärs.

Florence Nightingale

Als kranke Frau kehrte sie nach England zurück. Aber die Invalidität schützte sie auch vor der Familie und der Öffentlichkeit: Sie konnte ungestört weiterkämpfen und tat es unermüdlich. Sie schrieb etwa 200 Bücher und Berichte über soziale Probleme, wie z.B. den Welthunger, die Erziehung, den Bau von Krankenhäusern und die Heeresverwaltung. Ihre School for Nursing wurde zum Vorbild für eine moderne Krankenpflegeausbildung. Königin Viktoria schrieb in ihr Tagebuch: »Ich wünschte, wir hätten sie im Kriegsministerium!«

Joey Horsley (Text aus dem Kalender »Berühmte Frauen 1995«)

Ergänzungen von Evelyn Thriene im Jahre 2010:

Weniger bekannt ist ein weiterer Aspekt ihres engagierten Lebens. Seit früher Jugend zeigte Nightingale ein außergewöhnliches mathematisches Talent. Die Statistik hatte es ihr besonders angetan. Nightingale gilt als Vorreiterin bei der Anwendung statistischer Hilfsmittel in der Epidemiologie. Ihre Analysen des öffentlichen Gesundheitswesens sind Spitzenleistungen ihrer Zeit, zum Beispiel ihre Arbeit zu den Hygienebedingungen im ländlichen Indien. Ihre weitreichenden Statistik-Kenntnisse bewies sie mit der Erfindung des „Polar Area - Diagramms“, das sie unter anderem dazu benutzte, die medizinische Versorgung der britischen Soldaten während des Krimkriegs zu dokumentieren. Sie gilt seither als Pionierin der visuellen Darstellung mathematisch-statistischer Zusammenhänge.

Nightingale diente der britischen Regierung als Ratgeberin für das Gesundheitswesen. In deren Auftrag entwickelte sie ein statistisches Verfahren zur systematischen Erhebung der Bevölkerungszahl, der Geburts- und Todesraten sowie der Todesursachen. Ihre Leistung wurde belohnt: 1858 wurde Florence Nightingale als erste Frau in die Royal Statistical Society berufen. Später erhielt sie die Ehrenmitgliedschaft in der American Statistical Association.

Ihre breitgefächerten Erfahrungen machte Nightingale einer interessierten Öffentlichkeit in den “Notes on Hospitals” zugänglich. Ihre pflegerischen Grundsätze sind in den “Notes on Nursing” nachzulesen (Veröffentlichungen in den Jahren 1859 und 1860). Beides ist bis heute in der Praxis der Krankenpflege lebendig.

Mit der Aufwertung der Krankenpflege durch Florence Nightingale wurde diese in England schließlich in den Berufsstand erhoben. Für viele Frauen eröffnete sich damit eine große Chance, einen angesehenen Beruf zu ergreifen. Nightingale gewann zunehmend an Autorität: Einen besonderen Einfluss hatte sie auf den Schweizer Philanthropen Henri Dunant (1828-1910), der in der Folge das Rote Kreuz gründete. Der Weltbund der Krankenschwestern und Krankenpfleger rief 1867 Nightingales Geburtstag als offiziellen “Tag der Krankenpflege” aus.

Florence Nightingale wurde im Ausland immer berühmter und einflussreicher. Nach ihren Ratschlägen wurden Lazarette und Krankenpflegeeinrichtungen in der ganzen Welt errichtet. Da sie sich neben der Krankenpflege auch um die soziale Not kümmerte, geht auch die Sozialarbeit auf ihre Initiative zurück. Ihre Pioniertätigkeit brachte England die nichtkonfessionellen Sozialdienste.

Ihr Wirken fand in den allerhöchsten Kreisen Anerkennung: 1907 erhielt sie den königlichen Orden „Order of Merit“. Ihrer Arbeit zu Ehren wurde schließlich die Vergabe der „Florence-Nightingale-Medaille“ ins Leben gerufen.

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Von Evelyn Thriene benutzte Quellen:

Zahlreiche Artikel in der medizinischen Datenbank Pubmed, Washington, u.a. auch die Veröffentlichungen von Dr. Helen Betts

Weitere Informationen zu Florence Nightingale als Wissenschaftlerin und Statistikerin:

Biographies of Women Mathematicians, Florence Nightingale

American Statistical Association, Florence Nightingale

JSTOR, David J. Spiegelhalter “Surgical audit: statistical lessons from Nightingale and Codman”

I. Bernhard Cohen, Scientific American, 250(3):128-137, March 1984

Florence Nightingale

Zitate

Florence NightingaleWohl bin ich der Gründer des Roten Kreuzes und der Schöpfer der Genfer Konvention. Aber die Ehre, die mir deswegen zuteil geworden ist, habe ich mit einer englischen Frau zu teilen.
Was mich während des Krieges von 1859 dazu brachte, nach Italien auf das Schlachtfeld von Solferino zu gehen und dort zu helfen, war das große Vorbild, das Florence Nightingale uns auf der Krim gegeben hatte.

(Henri Dunant, gefunden hier)



Krankenpflege ist keine Ferienarbeit. Sie ist eine Kunst und fordert - wenn sie zur Kunst werden soll - eine ebenso große Hingabe, eine ebenso ernste Vorbereitung wie das Werk eines Malers oder Bildhauers, denn was bedeutet die Arbeit an einer toten Leinwand oder kaltem Marmor im Vergleich zu der am lebendigen Körper, dem Tempel für den Geist Gottes? Krankenpflege ist eine der schönsten Künste, fast hätte ich gesagt die schönste aller Künste.

(Florence Nightingale, gefunden hier)

 

Links

Florence Nightingale MuseumFlorence Nightingale Museum
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Florence Nightingale International Foundation 17.04.2009Florence Nightingale International Foundation
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Orvieto 1943 – Florence NightingaleOrvieto, Laura (1943): Florence Nightingale. Ich bin deine Magd und du bist mein Herr.
Berechtigte Übertragung aus dem Italienischen von Lola Lorme. Erschienen im Verlag Oprecht, New York, 1943. Volltext.
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Probst 2006 – Florence NightingaleProbst, Ernst (2006): Florence Nightingale: Englands verdienstvolle Krankenpflegerin.
Biografie. biografien-news.
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Schumann 1993 – NIGHTINGALESchumann, Frank (1993): NIGHTINGALE, Florence.
Eintrag im Biographisch-Bibliografischen Kirchenlexikon.
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SPIEGEL WISSEN-Lexikon – NIGHTINGALESPIEGEL WISSEN-Lexikon, Wikipedia und SPIEGEL-Archiv: NIGHTINGALE, Florence.
Biografie und Literaturangaben.
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Wikipedia – Florence NightingaleWikipedia: Florence Nightingale.
Biografie, Literatur, Links.
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Literatur



Quellen

Baly 1986 – Florence Nightingale and the nursing

Fiedler-Winter 1967 – Engel brauchen harte Hände

Nightingale 1979 – Cassandra

Baly, Monica Eileen (1986): Florence Nightingale and the nursing legacy. London. Croom Helm. ISBN 0-7099-3941-8.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)


Dengler, Sandy (1988): Florence Nightingale. Nurse to soldiers. Fictionalized biography. Chicago. Moody Press. ISBN 0-8024-2627-1.
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Fiedler-Winter, Rosemarie (1967): Engel brauchen harte Hände. Vom Wirken bedeutender Frauen. Düsseldorf. Econ.
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Gilbert, Sandra Mortola; Gubar, Susan (1985): The Norton anthology of literature by women. The tradition in English. New York. Norton. ISBN 0393953912.
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Gordon, Richard (1979): The private life of Florence Nightingale. New York. Atheneum. ISBN 0689109296.
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Nightingale, Florence (1918): Cassandra. An essay. Old Westbury. Feminist Press. 1979. ISBN 0-912670-55-X.
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Nightingale 1990 – Ever yoursNightingale, Florence (1990): Ever yours, Florence Nightingale. Selected letters. . Herausgegeben von Martha Vicinus und Bea Nergaard Cambridge. Harvard University Press. ISBN 0-674-27020-7.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)


Smith, Francis Barrymore (1982): Florence Nightingale. Reputation and power. New York. St. Martin’s Press. ISBN 0312296495.
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Strachey, Lytton (1918): Eminent Victorians. Cardinal Manning, Dr. Arnold, Florence Nightingale, General Gordon. New York. Modern Library. 1933. (The modern library of the world’s best books)
(Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)



Weiterführende Literatur (Auswahl deutschsprachiger Bücher)
Hinweis: Dies sind keine Literaturempfehlungen, sondern die zum Thema erschienenen Titel – ohne Wertung unsererseits.

Färber 2009 – Wer war Florence Nightingale

Friz 2007 – Florence Nightingale

Genschorek 1990 – Schwester Florence Nightingale

Färber, Werner (2009): Wer war Florence Nightingale? Berlin. Jacoby & Stuart. ISBN 978-3-941087-19-4.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)


Friz, J. (2007): Florence Nightingale. Heldin des Dienstes. Paderborn. Voltmedia. ISBN 3-938478-26-8.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)


Genschorek, Wolfgang (1990): Schwester Florence Nightingale. Triumph der Menschlichkeit. Leipzig. Hirzel; Teubner. (Humanisten der Tat) ISBN 3-322-00327-2.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)


Geppert 1999 – Frauen stehen ihren Mann

Jackson, Jackson 2000 – Florence Nightingale

Kruczek 2005 – Helen Keller

Geppert, Ursula (1999): Frauen stehen ihren Mann. Helen Keller, Florence Nightingale, Beate Paulus, Eva von Tiele-Winckler. Lahr. Verlag der Liebenzeller Mission. (Telos-Dokumentation, 7785 : TELOS-Taschenbücher) ISBN 3-88002-669-6.
(WorldCat-Suche)


Jackson, Dave; Jackson, Neta (2000): Florence Nightingale. Die Schlacht des Trommlers. (=The drummer boy’s battle) Jugendbuch. Ins Deutsche übersetzt von G. Erkens. Bielefeld. CLV. (Abenteurer Gottes) ISBN 3-89397-435-0.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)


Kruczek, Dietmar (2005): Helen Keller – Florence Nightingale. Magdeburg. Docupoint. (Frauen der Geschichte, 2) ISBN 3-938142-43-X.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)


Nightingale 2005 – Bemerkungen zur Krankenpflege

Nightingale, Florence (2005): Bemerkungen zur Krankenpflege. (=Notes on nursing) Die »Notes on nursing« neu übersetzt und kommentiert von Christoph Schweikardt und Susanne Schulze-Jaschok. Frankfurt am Main. Mabuse-Verlag. ISBN 3-935964-79-X.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)


Vasold, Manfred (2003): Florence Nightingale. Eine Frau im Kampf um die Menschlichkeit. Regensburg. Pustet. ISBN 3-7917-1849-5.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)


Vasold 2003 – Florence Nightingale

Vossen 1986 – Florence Nightingale

Wellman 2002 – Florence Nightingale

Vossen, Carl (1986): Florence Nightingale. Geliebtes Kaiserswerth. Zum 150jährigen Bestehen des Diakoniewerkes Kaiserswerth 1836 – 1986. Düsseldorf. Hoch. ISBN 3-7779-0386-8.
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Wellman, Sam (2002): Florence Nightingale – Er heilt alle ihre Wunden. (=Florence Nightingale) Ins Deutsche übersetzt von Lotte Bormuth. Marburg an der Lahn. Francke. ISBN 3-86122-533-6.
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Bildquellen

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