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Frances Willard

geboren am 28. September 1839 in Churchville, New York
gestorben am 17. Februar 1898 in New York, New York

US-amerikanische Temperenzlerin, Sozialreformerin und Frauenrechtlerin
115. Todestag am 17. Februar 2013


Frances Elizabeth Caroline Willard, die Führerin der Temperenz-Bewegung in den USA, betrachtete ihre Organisation, die Women’s Christian Temperance Union (WCTU), vor allem als ein Mittel, Frauen für die Frauenstimmrechtsbewegung zu mobilisieren. Die kühne Strategin baute in den 20 Jahren ihrer Präsidentinnenschaft die größte Frauenorganisation des Jahrhunderts auf und konnte über 200 000 (meist konservative) Frauen in einer mächtigen Bewegung vereinen.

Willard hatte – sehr erfolgreich - als Lehrerin gearbeitet, bevor sie, auch durch den Kontakt mit der berühmten feministischen Rednerin Anna Dickinson, ihre wahre Berufung als Organisatorin und Rednerin entdeckte. Sie wechselte leidenschaftliche Briefe mit Dickinson und wählte sich Frauen als Lebensgefährtinnen (Kate Jackson, dann Anna Gordon).

1873 war es Gruppen betender Frauen gelungen, in sechs Monaten über 3.000 Saloons zu schließen. Als Willard sich der Bewegung anschloss, stieß sie bei konservativen Frauen zunächst auf Widerstand mit ihrer Ansicht, das Frauenstimmrecht sei notwendig für die Verteidigung der „weiblichen Sphäre“ gegen die Folgen des Alkoholmissbrauchs der Männer. Aber sie wurde schnell weithin berühmt als brillante Rednerin, die massenhaft Publikum anzog. 1879 wurde sie Präsidentin der WCTU und blieb es bis zu ihrem Tod.

Da sie die traditionellen Ansichten über getrennte Sphären für Frauen und Männer gelten ließ, gewann Willard viele „typische Hausfrauen“ für ihre Ziele. Ihr Handbuch Do Everything (1895) zeigt allerding, dass sie weit mehr „im Schilde führte“ als nur Abstinenz: Es ging ihr um Frieden, Arbeitsreform, Abschaffung der Prostitution, Gesundheit, Wohlfahrt in den Städten und Gefängnisreform. So wurde sie eine der bedeutendsten amerikanischen Sozialreformerinnen ihres Jahrhunderts. Ihre Ideen fanden Resonanz auch über die Grenzen der USA hinaus -  sie gründete die internationale WCTU und wurde zu deren Präsidentin gewählt. 1894 hatte die Organisation 2 Millionen Mitglieder aus 21 Nationen.

Als Frances Willard, noch keine 60 Jahre alt, an einer Grippeinfektion in New York gestorben war, wurde in mehreren amerikanischen Städten halbmast geflaggt. Ein Sonderzug brachte – wie beim Begräbnis eines Staatspräsidenten – den Sarg von New York nach Chicago, wo 30.000 Trauergäste ihr die letzte Ehre erwiesen. Dass die zu ihrer Zeit „einflussreichste Frau Amerikas“ später weitgehend in Vergessenheit geriet, hat mit dem Schicksal der von ihr angeführten Bewegung zu tun – 1919 verabschiedete der US-Kongress das Prohibitionsgesetz, eine Verfassungsänderung, die 1933 wieder aufgehoben wurde.

Joey Horsley

Bordin, Ruth. 1986. Frances Willard: A Biography. Chapel Hill, NC. Univ. of North Carolina Press.

Earhart, Mary. 1944. Frances Willard: From Prayers to Politics. Chicago. University of Chicago Press.

Notable American Women: A Biographical Dictionary. 1971. Hg. Edward T. James, Janet Wilson James & Paul S. Boyer. 3 Bde. Cambridge, MA. The Belknap Press of Harvard UP.

Trowbridge, Lydia Jones. 1938. Frances Willard of Evanston. Chicago, New York. Willet, Clark & Co.

Willard, Frances. 1889. Glimpses of Fifty Years: The Autobiography of an American Woman. Chicago. Women’s Christian Temperance Publishing Association.

Willard, Frances E. 1995. Writing Out My Heart: Selections from the Journal of Frances E. Willard, 1855-96. Hg. Carolyn de Swarte Gifford. Urbana; Chicago. Univ. of Illinois Press.