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Galina Starowojtowa
geboren am 17. Mai 1946 in Tscheljabinsk
ermordet am 20. November 1998 in Petersburg
russische Politikerin
Galina Starowojtowa hätte vielleicht die erste Präsidentin Russlands werden können. Traurige Berühmtheit erlangte sie aber durch ihren Tod als erste Politikerin, die Politmördern zum Opfer fiel: Am 20. November 1998 wurde das Mitglied der Staatsduma und die Anführerin der »Bewegung demokratisches Russland« kaltblütig ermordet. Im Treppenhaus zu ihrer Wohnung am St. Petersburger Gribojedow-Kanal lauerten ihr zwei Killer auf und schossen ihr mit einem Maschinengewehr dreimal in den Kopf.
In Tscheljabinsk, einer Großstadt am Rand des südlichen Urals, wurde Starowojtowa als Tochter einer »stolzen Kosakin« und eines »russifizierten Weißrussen«, der ein führender Militär-Ingenieur und Institutsdirektor war, geboren. Sie studierte Psychologie und Philosophie und promovierte. Durch ihre Familiengeschichte sensibilisiert, wendete sie sich dann der Ethnologie zu und spezialisierte sich auf die Völker des Kaukasus – über 70 Veröffentlichungen zu diesem Thema gibt es von ihr.
Starowojtowas politische Karriere begann spät. 1989 machte sie als armenische Abgeordnete im Volksdeputiertenkongress und als Mitglied der ersten parlamentarischen oppositionellen Fraktion auf sich aufmerksam, der auch der Bürgerrechtler und Friedensnobelpreisträger Andrej Sacharow angehörte. Sie predigte Freiheit, Toleranz, Demokratie, und ihre klare Stimme fiel und rüttelte auf, sagte sie doch – und das für alle sichtbar im Fernsehen! –, was viele nicht einmal zu denken wagten. Als Beraterin Jelzins für nationale Minderheiten in der von rund 130 Völkern besiedelten russischen Föderation gelang ihr, dass es trotz hochexplosiver ethnischer Spannungen für kurze Zeit wenigstens kein Blutvergießen gab. »Hirn und Gewissen« gingen ihr über Bestechlichkeit. Entschlossen und mutig forderte sie die Bestrafung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Karabach und Tschetschenien – selbst dann noch, als ihrem ersten Mann Arme und Beine gebrochen wurden und Morddrohungen an der Tagesordnung waren.
Dass die populäre »zärtliche eiserne Lady« Gouverneurin des Petersburger Gebietes werden wollte, gar als Präsidentschaftskandidatin gehandelt wurde, hat sie mit dem Leben bezahlt. Ihre moralische Integrität passte nicht zum Führungsstil der (männlichen) Machthaber. Seit Monaten hatte man die anstehenden Wahlen hinausgezögert — Starowojtowa war ihnen offensichtlich im Weg.
Text aus dem Kalender »Berühmte Frauen 2003«
Silvie Horch
Hinweis: Dies sind keine Literaturempfehlungen, sondern die zum Thema erschienenen Titel – ohne Wertung unsererseits.

Bednarz, Klaus (1992): Russland. Ein Volk sucht seine Zukunft. Hamburg. Hoffmann und Campe. ISBN 3-455-08442-7.
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Presber, Gabriele (Hg.) (1988): Die Kunst ist weiblich. Gespräche mit Hanna Schygulla, Barbara Sukowa, Karin Barndauer, Elfriede Jelinek und anderen. München. Droemer Knaur (Knaur, 3905). ISBN 3-426-03905-2.
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Starovojtova, Galina V. (1993): Rußland als Teil Europas?. Herausgegeben von Robert-Bosch-Stiftung. Stuttgart. Scheufele (Umbrüche und Aufbrüche, 4).
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Wehner, Markus (1999): St. Petersburg - Winter 1998. Der Mord an Galina Starovojtova und die Wahlen zum Stadtparlament. In: Osteuropa, 49. S. 231–240.
Bildquellen
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Stiftung »Museum Galina Wassiljewna Starowojtowa«
NEWSru.com
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