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Gerda Rotermund
geboren am 26. März 1902 in Berlin
gestorben am 21. Oktober 1982 in Berlin
deutsche Grafikerin und Malerin
110. Geburtstag am 26. März 2012
Gerda Rotermund hat das Glück, in einer Familie aufzuwachsen, die ihre zeichnerische Begabung anerkennt und fördert. Ebensolch ein Glück ist die Förderung durch Rudolf Ullstein, der ihr illustratorisches Talent bald erkennt und der Siebzehnjährigen einen Platz am Kunstgewerbemuseum in Berlin verschafft, wo sie Schülerin, dann Meisterschülerin Emil Orliks wird.
Noch während des Studiums von 1922 bis 1928 macht sie Reisen nach Paris und in die Provence, zusammen mit Ellen Bernkopf, die sie in der Bildhauerklasse kennen lernt und mit der sie eine lebenslange Freundschaft verbindet. In Frankreich entstehen Holzschnitte, sie experimentiert viel, erfindet eine neue Glasdrucktechnik, die mehr als zwei Abzüge erlaubt und kann ihre Werke in Paris und Berlin zeigen.
Nach Berlin zurückgekehrt, setzt sie ihr Studium noch bis 1932 fort und nimmt mit Radierungen und Zeichnungen von Straßenansichten, später auch Landschaften, an diversen Ausstellungen teil. 1939 stellt die Vergabe eines halbjährigen Studienaufenthaltes in Kassel – für eine Frau im Dritten Reich eine kaum glaubliche Anerkennung – ihren ersten großen Erfolg und damit einen Durchbruch dar.
1940 erhält sie den Albrecht-Dürer-Preis, woraufhin Ministerien einige ihrer Werke kaufen; sie bekommt auch andere Aufträge, kann von dem Erlös aber nur das Nötigste bestreiten.

Nach dem Krieg hält sie sich mit Porträts von russischen Besatzungssoldaten über Wasser. Mit Vorträgen über Käthe Kollwitz, die ihr eine mütterliche Freundin gewesen war, macht sie 1948 wieder auf sich aufmerksam, und sie wird Dozentin an der Volkshochschule in Wilmersdorf (bis zu ihrer Pensionierung mit 71 Jahren). Ihre Themen in dieser Zeit sind die Berliner Ruinenlandschaft und das Leid der Flüchtlinge, dokumentiert in “De Profundis”, einem Zyklus von Radierungen.
1952 erhält sie den Kunstpreis der Stadt Berlin, doch kann sie darauf keine bezahlte berufliche Karriere aufbauen.
Sie richtet eine Grafiklehrwerkstatt ein und etabliert einen festen SchülerInnenkreis. Als Lehrerin und Künstlerin setzt sie ihre Experimente im Bereich der Drucktechnik fort und entwickelt schließlich ihre sogenannten Kaleidostypien.
Freundschaften mit anderen Frauen, meist Künstlerkolleginnen, bedeuteten ihr sehr viel. Trotzdem sagte sie einmal:
„Alleinleben ist so köstlich. Man spart eine ungeheure Nervenkraft und besitzt die wirkliche innere und äußere Freiheit, die unser Beruf nun mal braucht.“
Cornelia Heuer
Corazolla, Paul (Hg.) (1985): Gerda Rotermund. Leben und Werk. Bearbeitet von Gabriele Saure und Hilde Weström. Mit Werkverzeichnis. Berlin. Schwarz auf Weiss.
Gerda Rotermund. Zum 75. Geburtstag. Ausstellungskatalog (1977). Berlin. Galerie Taube.
Gerda Rotermund. Grafik. Eine Einführung in ihr Werk (1981). Berlin. Galerie Wannsee (Wannseer Hefte zur Kunst, Politik und Geschichte, 12).
Haarmann, Hermann (Hg.) (2000): Abschied und Willkommen. Briefe aus dem Exil 1933 – 1945. Enthält Schreiben von Ellen Bernkopf an Gerda Rotermund. Berlin. Bostelmann & Siebenhaar (Akte Exil, 3).
Neue Gesellschaft für Bildende Kunst: Das verborgene Museum I. Dokumentation der Kunst von Frauen in Berliner öffentlichen Sammlungen (1987). Berlin. Edition Hentrich.
Rotermund, Gerda (o. J. [1982]): „De profundis“. Drucke. Berlin. Schwarz auf Weiss.
Schönfeld, Christiane; Finnan, Carmel (2006): Practicing modernity. Female creativity in the Weimar Republic. Würzburg. Königshausen & Neumann.



