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Hedwig Andersen

geboren am 9. Juni 1866 in Memel, Ostpreußen
gestorben am 28. März 1957 in Schönborn bei Eutin

Begründerin der deutschen Atem- und Stimmforschung (gemeinsam mit Clara Schlaffhorst)
55. Todestag am 28. März 2012


Hedwig Andersens Lebensgeschichte ist die einer großen und erfüllten Liebe und die eines großen, heute wenig bekannten Forschungswerkes.

Die Lebensgemeinschaft mit Clara Schlaffhorst (1863-1945) begann in Memel, wo sie sich nach einem Konzertbesuch »fanden, um sich nie wieder zu verlieren.«

Diese Beziehung, in der die ausgebildeten Musikerinnen wohl gerade wegen ihrer gegensätzlichen Persönlichkeiten nach innen und außen wachsen und sich entwickeln konnten, war die Grundlage ihrer bis zu Schlaffhorsts Tod dauernden gemeinsamen Arbeit und Forschung an Atmung und Stimme.

Nach der Übersetzung von Leo Koflers Die Kunst des Atmens aus dem Englischen, von der sie sich anfangs nur Hilfe für die eigenen geschädigten Stimmen erhofften, arbeiteten sie ab 1897 als Atem-Therapeutin (Andersen) und Gesangslehrerin (Schlaffhorst) in Berlin weiter.

1916 konnten sie in Rotenburg an der Fulda ihre erste Schule eröffnen; 1926, auf dem Höhepunkt ihres Ruhms, zogen sie nach Hustedt bei Celle. Berühmte KünstlerInnen suchten bei ihnen Hilfe und Anregung.

Andersen – geradlinig, praktisch und nüchtern – organisiert neben den Unterrichtsstunden in Klavierspiel, Atem und Sprechen den Haushalt, ist für Verwaltung und Korrespondenz zuständig. Zudem kümmert sie sich um die SchülerInnen, wenn diese von ihrer genialen, aber auch chaotischen Freundin verwirrt und erschreckt worden sind.

Der von ihr und Schlaffhorst entdeckte dreiteilige Rhythmus der Atmung, Einatmung-Ausatmung-Pause, bedeutet Andersen ordnendes, stärkendes und heilendes Prinzip, das sie für alle Lebenssituationen – Alltag und Kunst – zu vermitteln sucht. Atem- und Stimmschulung, das Leben mit und im Rhythmus wird von ihr als Weg zur Persönlichkeitsentfaltung erkannt und genutzt, ohne die Absicht, etwas machen zu wollen, sondern im Sinne von Befreien der vorhandenen – guten – Kräfte.

In den 20er Jahren geben Andersen und Schlaffhorst dem Drängen ihrer SchülerInnen nach und erteilen erste Ausbildungsbescheinigungen, obwohl sie sich – nach über 20 Jahren! – weiter am Anfang der Atemarbeit sehen, besonders aber, weil ihnen jegliches Fixieren, ob als Lehrbuch oder Lehrstoff, dem Wesen des Lebendigen, an dem sie forschen, entgegenzustehen scheint.

FrauenbildErst spät bewilligen sie die Herausgabe einer Sammlung von frühen Vorträgen unter dem Titel »Atmung und Stimme«, ein dünner Band, aus dem keinerlei Übungen geschlossen werden können, dafür aber die Lebensanschauungen der Autorinnen, die ihr Werk als Arbeit für leidende Menschen verstanden, ja zielend auf den »neuen Menschen«.

(Frühjahr 1995)

Katharina Möller-Weitz

Kofler 1992 – Die Kunst des Atmens

Köpp 1995 – Leben mit Stimme

Noodt 2006 – Atmung                                       



Kofler, Leo (o. J.): Die Kunst des Atmens. Als Grundlage der Tonerzeugung für Sänger, Schauspieler, Redner, Lehrer. (=The Art of breathing as the basis of toneproduction). Aus dem Englischen übersetzt und umgearbeitet von Clara Schlaffhorst und Hedwig Andersen. Kassel. Bärenreiter, 1992. ISBN 3-7618-0084-3.
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Köpp, Gisela (1995): Leben mit Stimme – Stimme mit Leben. Die Atem- und Stimmkunst der Clara Schlaffhorst und Hedwig Andersen. Mit praktischem Übungsteil. Kassel. Bärenreiter. ISBN 3-7618-1223-X.
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Noodt, Heidi (1994): Chronik der Schule Schlaffhorst-Andersen. Wunstorf. Freundeskreis der Schule Schlaffhorst-Andersen.
Zu beziehen über Frau Dr. A. P. Kruse, Klosterstr. 1, 31515 Wunstorf.
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Noodt, Heidi (2006): Atmung – Stimme – Bewegung. Grundelemente der Lehre von Clara Schlaffhorst und Hedwig Andersen. Mit Übungsbeispielen. Für Atem- Sprech- und Stimmlehrerinnen und die es werden möchten, für Angehörige verwandter Berufe und für interessierte Laien. Norderstedt. Books on Demand. ISBN 978-3-8334-5367-0.
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Ockel, Eberhard (1991): Festschrift 75 Jahre Schule Schlaffhorst-Andersen. Bad Nenndorf. Schule Schlaffhorst-Andersen für Atmung und Stimme.

Saatweber 2007 – Einführung in die Arbeitsweise Schlaffhorst-Andersen

Scheufele-Osenberg 1994 – Atemschulung für seelisches und körperliches

Schlaffhorst, Andersen 1996 – Atmung und Stimme



Saatweber, Margarete (1990): Einführung in die Arbeitsweise Schlaffhorst-Andersen. Atmung, Stimme, Sprache, Haltung und Bewegung in ihren Wechselwirkungen. Idstein. Schulz-Kirchner, 2007. ISBN 3-8248-0019-5.
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Scheufele-Osenberg, Margot (1987): Atemschulung für seelisches und körperliches Gleichgewicht. Atmung, Haltung, Stimmstütze. Düsseldorf. ECON Taschenbuch-Verlag, 1994 (ETB Gesundheit, Econ-Ratgeber, 20223).
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Schlaffhorst, Clara; Andersen, Hedwig (1928): Atmung und Stimme. Herausgegeben von Wilhelm Menzel. Wolfenbüttel. Möseler, 1996. ISBN 3-7877-3519-4.
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Schulze, Anka (1960): Lebendige Ordnungen durch Atmen, Sprechen und Singen aus der Schule Schlaffhorst-Andersen. Wolfenbüttel. Möseler.
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Seyd, Waltraut (1993): Schwingen und Atemmassage (nach Schlaffhorst-Andersen). Villingen-Schwenningen. Neckar-Verlag. ISBN 3-7883-0306-9.
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