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Hedwig Andersen
geboren am 9. April 1866 in Memel, Ostpreußen
gestorben am 28. März 1957 in Schönborn bei Eutin
Begründerin der deutschen Atem- und Stimmforschung (zus. mit Clara Schlaffhorst)
50. Todestag am 28. März 2007
Hewig Andersens Lebensgeschichte ist die einer großen und erfüllten Liebe und die eines großen, heute wenig bekannten Forschungswerkes.
Die Lebensgemeinschaft mit Clara Schlaffhorst (1863-1945) begann in Memel, wo sie sich nach einem Konzertbesuch “fanden, um sich nie wieder zu verlieren.”
Diese Beziehung, in der die ausgebildeten Musikerinnen wohl gerade wegen ihrer gegensätzlichen Persönlichkeiten nach innen und außen wachsen und sich entwickeln konnten, war die Grundlage ihrer bis zu Schlaffhorsts Tod dauernden gemeinsamen Arbeit und Forschung an Atmung und Stimme.
Nach der Übersetzung von Leo Koflers Die Kunst des Atems aus dem Englischen, von der sie sich anfangs nur Hilfe für die eigenen geschädigten Stimmen erhofften, arbeiteten sie ab 1897 als Atem-Therapeutin (Andersen) und Gesangslehrerin (Schlaffhorst) in Berlin weiter.
1916 konnten sie in Rotenburg an der Fulda ihre erste Schule eröffnen; 1926, auf dem Höhepunkt ihres Ruhms, zogen sie nach Husstedt bei Celle. Berühmte KünsterInnen suchten bei ihnen Hilfe und Anregung.
Andersen - geradlinig, praktisch und nüchtern- organisiert neben den Unterrichtsstunden in Klavierspiel, Atem und Sprechen den Haushalt, ist für Verwaltung und Korrespondenz zuständig. Zudem kümmert sie sich um die SchülerInnen, wenn diese von ihrer genialen, aber auch chaotischen Freundin verwirrt und erschreckt worden sind.
Der von ihr und Schlaffhorst entdeckte dreiteilige Rhythmus der Atmung, Einatmung-Ausatmung-Pause, bedeutet Andersen ordnendes, stärkendes und heilendes Prinzip, das sie für alle Lebenssituationen - Alltag und Kunst - zu vermitteln sucht. Atem- und Stimmschulung, das Leben mit und im Rhythmus wird von ihr als Weg zur Persönlichkeitsentfaltung erkannt und genutzt, ohne die Absicht, etwas machen zu wollen, sondern im Sinne von Befreien der vorhandenen - guten - Kräfte.
In den 20er Jahren geben Andersen und Schlaffhorst dem Drängen ihrer SchülerInnen nach und erteilen erste Ausbildungsbescheinigungen, obwohl sie sich - nach über 20 Jahren!- weiter am Anfang der Atemarbeit sehen, besonders aber, weil ihnen jegliches Fixieren, ob als Lehrbuch oder Lehrstoff, dem Wesen des Lebendigen, an dem sie forschen, entgegenzustehen scheint.
Erst spät bewilligen sie die Herausgabe einer Sammlung von frühen Vorträgen unter dem Titel “Atmung und Stimme”, ein dünner Band, aus dem keinerlei Übungen geschlossen werden können, dafür aber die Lebensanschauungen der Autorinnen, die ihr Werk als Arbeit für leidende Menschen verstanden, ja zielend auf den “neuen Menschen”.
(Frühjahr 1995)
Katharina Möller-Weitz
75 Jahre Schule Schlaffhorst-Andersen, 1991. Hrsg. von der Schule Schlaffhorst-Andersen für Atmung und Stimme, Bornstr. 20, 3052 Bad Nenndorf.
Chronik der Schule Schlaffhorst - Andersen, zus.gestellt von Heidi Noodt, hg. von dem “Freundeskreis der Schule Schlaffhorst-Andersen e.V.” zu beziehen über Frau Dr. A.P. Kruse, Klosterstr. 1, 31515 Wunstorf.
Schlaffhorst, Clara & Hewig Andersen. 1928. Atmung und Stimme. Wolfenbüttel. Möseler.
Seyd, Waltraut. 1993. Schwingen und Atemmassage (nach Schlaffhorst-Andersen). Neckar-Verlag.
