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Henriette Marie von Frankreich

geboren am 25. November 1609 in Paris
gestorben am 10. September 1669 auf Schloss Colombe

Königin von England


Ihr Leben war bestimmt von Morden und jähen politischen Umschwüngen. Sie selbst war eine unpolitische Frau, vorrangig beschäftigt mit Familienangelegenheiten, Mode und Unterhaltung. Niemals begriff sie Politik als eigenständigen, bestimmten Regeln unterworfenen Bereich. Daran scheiterte sie letztlich mitsamt der Stuart-Familie, in die sie durch Heirat verpflanzt worden war.

Henriette Marie wurde am 25.11.1609 geboren, als Tochter Heinrichs IV. von Frankreich und der Maria von Medici.

Ihr Vater war der bedeutendste Herrscher seiner Zeit, ein skeptischer Humanist, dessen religiöse Toleranz sich weit abhebt vom religiösen Fanatismus seiner Zeitgenossen und der Dumpfheit seiner Ehefrau. Ein halbes Jahr nach der Geburt Henriettes wurde Heinrich IV. ermordet, vermutlich mit Wissen und Einverständnis der Maria von Medici.

Unter dem Einfluss dieser labilen und korrupten, politisch völlig unbegabten Mutter wurde Henriette Marie in einem engstirnigen Katholizismus erzogen. Fünfzehnjährig wurde sie mit dem protestantischen Stuart-Prinzen Karl I. von England verheiratet. Eine politische Ehe, die die gemeinsame antispanische Politik Englands und Frankreichs festigen sollte.

Henriette Marie von Frankreich, Königin von England

Während die Engländer in ihr eine dem Protestantismus zugeneigte Tochter Heinrichs IV. sahen, war sie in Wirklichkeit – einzige Konstante ihres wirren Lebens – eine französische Katholikin, voller Missionsdrang. Jung und politisch ungebildet wie ihre Mutter, erkannte sie nicht, dass in England die Religionsfrage aufs engste mit der Besitzfrage gekoppelt war. Die durch die Klosterauflösungen reich gewordenen englischen Kleinadeligen und Kaufleute fürchteten nichts so sehr wie eine Rekatholisierung ihres Landes in der Annahme, sie müssten dann ihre aus Klosterbesitz erworbenen Ländereien wieder hergeben. Ihr politisches Instrument war das Parlament als Machtmittel gegen den König, der dagegen versuchte, die hierarchisch gegliederte anglikanische Staatskirche für die Stärkung der königlichen Zentralgewalt in Dienst zu nehmen. Karl, seit 1625 König von England und Schottland, und Henriette Marie verkörperten in den Augen ihrer Untertanen auf unselige Weise die Tendenzen zu absolutistischer Machtausübung und Rekatholisierung.

Das Ehe- und Familienleben gestaltete sich, nach anfänglichen Misshelligkeiten, durchaus glücklich. Karl war ein gebildeter, den Künsten zugeneigter Mann und ermunterte Henriette Marie zu Theateraufführungen, bei denen sie selbst vor dem Hof als Sängerin auftrat. Sie gebar insgesamt sechs Kinder, die von den Eltern liebevoll behütet wurden.

Karls Versuch, ohne Parlament zu regieren, scheiterte zwangsläufig am Geldmangel. Er war 1640 gezwungen, ein Parlament einzuberufen, das allein neue Steuern und Abgaben zur Finanzierung der gewachsenen Staatsausgaben bewilligen konnte. Karl verhandelte, geleitet von seiner unpopulären Frau, äußerst ungeschickt. Innerhalb kürzester Zeit entwickelte sich ein Bürgerkrieg, der um säkulare Prinzipien geführt wurde: Königliche Zentralgewalt gegen parlamentarische Mitbestimmung, anglikanische Bischofskirche gegen calvinistisches Gemeindemodell. Verschärfend kam der Verdacht gegen Henriette Marie hinzu, sie sei eine Agentin des Papstes. 1644 floh sie mit der gerade geborenen Tochter Henriette Anne nach Frankreich. Ihren Mann sah sie nie wieder. Er wurde vom Parlamentsheer gefangengenommen und im Januar 1649 hingerichtet,

Henriette Marie von Frankreich, Königin von England

Von Frankreich aus führte Henriette Marie den Kampf gegen das englische Parlament fort, aber auch den um die Katholisierung zumindest einzelner ihrer Kinder. Sie hatte zunächst mit beidem keinen Erfolg, war in ständiger Geldnot und stritt mit ihrem ältesten Sohn, dem Thronfolger Karl, unablässig um die Führung der Familienangelegenheiten. Karl warf ihr vor, sie habe durch ihren Einfluss auf seinen Vater maßgeblich zu dessen Thronverlust und Hinrichtung beigetragen.

Im Jahre 1660 änderten sich die Verhältnisse. England rief nach dem Tode des finsteren Parlamentsführers Cromwell das angestammte Herrscherhaus zurück. Karl II. zog im Triumph in London ein, und Henriette Marie kehrte nach England zurück. Politisch wurde sie von Karl von Anfang an kaltgestellt, aber in der Familie führte ihre Herrschsucht weiter zu Konflikten, bis sie von Frankreichs Kanzler Mazarin energisch angewiesen wurde, ihre Beziehungen zu ihren Söhnen nicht zu verspielen. Noch immer war sie eine Schachfigur in der französischen Politik gegenüber England. Sie kehrte 1665 nach Frankreich zurück und starb dort am 10. September 1669.

(Text von 1993)

Marianne Goch

Hinweis: Dies sind keine Literaturempfehlungen, sondern die zum Thema erschienenen Titel – ohne Wertung unsererseits.

Bone, Quentin Blane (1972): Henrietta Maria Queen of the Cavaliers. Urbana. University of Illinois Press. ISBN 0252001982.
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Carré, Henri (1947): Henriette de France, Reine d’Angleterre. 1609 - 1669. Paris. Grasset.
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Carré 1947 – Henriette de France

Dupuy 1994 – Henriette de France

Scott 1936 – Die Stuarts

Dupuy, Micheline (1994): Henriette de France. Reine d’Angleterre. Paris. Perrin. ISBN 2262007985.
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Marshall, Rosalind Kay (1991): Henrietta Maria, the intrepid queen. Owings Mills. Stemmer House Publishers. (Great periods of the British monarchy) ISBN 0880451173.
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Scott, Eva (1936): Die Stuarts. (=Six Stuarts Sovereigns 1512-1701)
Ins Deutsche übersetzt von Elisabeth Mayer München. Callwey.
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