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Hilde Domin
geboren am 27. Juli 1909 in Köln
gestorben am 22. Februar 2006 in Heidelberg
deutsche Lyrikerin, Autorin, Übersetzerin
5. Todestag am 22. Februar 2011

Ihr Leben beschrieb sie später als »Sprachodyssee«, als Wandern von einer Sprache in die andere. Ihre Muttersprache Deutsch aber blieb durch die Jahre des Exils hindurch ihr unverlierbares Zuhause.
Aufgewachsen in einem großbürgerlichen jüdischen Elternhaus in Köln studierte Hilde Löwenstein zuerst Jura, später Philosophie und politische Wissenschaften in Heidelberg, Köln und Berlin. Beim zweiten Wechsel nach Heidelberg lernte sie im April 1931 den jüdischen Kaufmannsohn und Archäologiestudenten Erwin Walter Palm (1910-1988) kennen, dem sie im Oktober 1932 – gegen den Willen ihrer Eltern – nach Italien folgte.
Was als Auslandsstudium begann, wurde mit Hitlers Machtergreifung zum Exil. Hilde Löwenstein schrieb sich an den Universitäten in Rom und Florenz ein und schloss dort am 6. November 1935 ihr Studium ab. 1936 heiratete sie in Rom ihren Studienfreund. Das Paar lebte »wortwörtlich von der Sprache«: Hilde Palm gab Sprachunterricht und übersetzte die wissenschaftlichen Arbeiten ihres Mannes.
Im Frühjahr 1939 flohen die Palms über Paris nach Großbritannien, im Sommer 1940 über Kanada nach Santo Domingo. Hilde Palm übersetzte und gab Sprachunterricht, ihr Mann erhielt eine außerplanmäßige Professur für „besondere Aufgaben“ und mit der Position des Kurators der Kolonialkunst etablierte er sich als Spezialist für ibero-amerikanische Kunst- und Kulturgeschichte.
1942 starb Hilde Palms Vater im amerikanischen Exil, 1951 die Mutter in Deutschland. Unter dem Eindruck einer ernsten Ehekrise hatte Hilde Palm schon ab 1949 begonnen, eine eigene künstlerische Existenz aufzubauen. Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland lenkte sie den Blick auf den Tod der Mutter. Hilde Palm begann auf Deutsch zu schreiben, und das war ihre Rettung, die »Alternative zum Selbstmord«. Ein Rückkehrstipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes ebnete dem Paar im Februar 1953 den Weg zurück nach Deutschland. Sieben Jahre pendelten sie zwischen München, Frankfurt und Madrid, bis Palm 1960 eine KW-Professur in Heidelberg erhielt.
Nach dem Ort, an dem sie zur Dichterin wurde, nannte sich Hilde Palm ab 1954 Hilde Domin. Sie veröffentlichte mehrere Gedichtbände (u. a. »Nur eine Rose als Stütze«, 1959; »Rückkehr der Schiffe«, 1962; »Ich will dich«, 1970), autobiographische Texte, einen Roman, poetologische, soziologische und literaturtheoretische Essays, führte eine »fast schwesterliche Korrespondenz« mit der im schwedischen Exil lebenden Nelly Sachs. Hilde Domin verfolgte das Konzept einer politisch engagierten, einer dialogischen Dichtung, deren Magie in ihrer Einfachheit steckt. Bei Lesungen trug sie jedes ihrer Gedichte zwei Mal vor. Ihre Gedichte wurden in mehr als 26 Sprachen übersetzt, sie selbst mit vielen Preisen geehrt, 2005 mit dem höchsten Orden der Dominikanischen Republik ausgezeichnet.
(2011 aktualisiert von Marion Tauschwitz)
Sonja Hilzinger
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