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Jane Elizabeth Lady Ellenborough, geb. Digby

geb. 3. April 1807 in Forston House, Dorset
gest. 11. Aug. 1881 in Damaskus

englische Reisende und Abenteurerin

200. Geburtstag am 3. April 2007


1853. Jane Digby war 46 Jahre alt und mit ihren tiefblauen Augen, langen blonden Haaren und der schlanken Figur noch immer eine Schönheit. Jane Digby
Sie hatte drei Ehen hinter sich – mit dem damals doppelt so alten Lord Ellenborough (die Braut war siebzehn), dem etwas langweiligen, ihr treu ergebenen deutschen Baron Karl von Venningen und dem jungen griechischen Adeligen Spiridion Theotoky. Sie hatte häufig, mal glücklich, mal unglücklich, geliebt, besonders den österreichischen Prinzen Felix Schwarzenberg (der sie zugunsten seiner diplomatischen Karriere fallen ließ), den bayrischen König Ludwig I. (in diesem Fall war es vielleicht nur eine enge Herzensfreundschaft) und zuletzt den albanischen Banditenführer Hadji-Petros, mit dem sie kurzzeitig ein aufregendes Lagerleben teilte. Sie hatte sechs Kinder geboren, von denen nur drei überlebten und bei ihren jeweiligen Vätern aufwuchsen.
Sie hatte u.a. in London, Paris, München, zuletzt Athen gelebt, und ihre Affären und Scheidungen hatten ihren guten Ruf und den ihrer englischen Verwandtschaft schwer beschädigt.Jane Digby

1853. Jane Digby war 46 Jahre alt und mal wieder enttäuscht von der Liebe, als sie Europa den Rücken kehrte und, ohne es zu ahnen, ihrem größten und in den Augen der Außenwelt skandalösesten Abenteuer entgegenzog. Eine lange Reise führte sie durch den Vorderen Orient bis nach Syrien, wo sie Pferde kaufen und die antiken Stadtruinen von Palmyra besuchen wollte. Dreimal durchquerte sie mit einer Kamelkarawane die Wüste von Damaskus nach Palmyra, eine mehrwöchige lebensgefährliche Tour, die erst von wenigen Europäerinnen ihrer Zeit gewagt worden war. Ihre Reiseeindrücke hielt sie in Tagebüchern und zahlreichen detailgenauen Skizzen fest. Und sie verliebte sich in den 26 Jahre jungen Scheich Medjuel el Mezrab, der ihr bei einem Banditenüberfall das Leben rettete. Jane Digby
Sie verkaufte ihren Besitz in Athen, färbte sich Haare und Augenbrauen schwarz, legte das bodenlange blaue Gewand der Beduinenfrauen an, lernte Arabisch (ihre 9. Sprache!), Kamele melken, Butter machen, ein Herdfeuer aus Kameldung am Brennen halten. Medjuel trennte sich von seiner jungen Frau und ihren drei Kindern, und 1854 heiratete das ungewöhnliche Paar. Von da an lebte sie einen Teil des Jahres in ihrem geschmackvoll eingerichteten Haus in Damaskus – bald eine beliebte Anlaufadresse für europäische Orientreisende - , einen Teil in Medjuels Beduinenstamm, wo sie wegen ihrer außergewöhnlichen Reitkünste, ihrer medizinischen Kenntnisse und nicht zuletzt wegen ihres großzügig geteilten Vermögens große Anerkennung genoss. Ihre und Medjuels Liebe hielt, trotz vieler Erschütterungen, bis zu Janes Tod mit 74 Jahren. Zu ihrer Beerdigung ritt Medjuel ihr Lieblingspferd, eine wunderschöne weiße Araberstute, die er ihr ein Jahr zuvor zum Geburtstag geschenkt hatte. 

Andrea Schweers

Jane Digby

Literatur

Allen, Alexandra (1980): Travelling ladies. London: Jupiter.

Blanch, Lesley (2005): Nomadin des Herzens. Jane Digby - ein Porträt. 1. Aufl. Berlin: Ed. Ebersbach.

Blanch, Lesley. (c1993): The wilder shores of love. The Exotic True-Life Stories of Isabel Burton, Aimee Dubucq de Rivery, Jane Digby and Isabelle Eberhardt. London: Phoenix.

Brencken, Julia von (1993): Die Wüstenschwalbe. Biographischer Roman. Heilbronn: Salzer.

Die Wüstenschwalbe
Epton, Nina Consuelo (1974): The burning heart. A novel based on the life of Jane Digby, Lady Ellenborough. London: Macdonald and Jane’s.

Kingston, Charles (1928): Rogues and adventuresses. London: John Lane.

Lovell, Mary S. (1995): Rebel heart. The scandalous life of Jane Digby. 1st American ed. New York: W.W. Norton.

Lovell, Mary S. (1996): A scandalous life. The biography of Jane Digby el Mezrab. London: Fourth Estate.

Melville, Lewis (2005): The Windsor beauties. Ladies of the court of Charles II. Rev. ed. Ann Arbor MI ;La Vergne TN: Victorian Heritage Press; Distributed by Baker & Taylor Ingram Book Group.

Rebel heart
O’Donoghue, Elinor Mary (1935): Portrait of Ianthe. Being a study of Jane Digby, Lady Ellenborough. London: J. Cape.

O’Donoghue, Elinor Mary (1936): The odyssey of a loving woman. Being a study of Jane Digby, lady Ellenborough. New York and London: Harper & brothers.

Oelwein, Cornelia (1996): Die Lilie im Tal. Lady Jane Ellenborough - eine Schönheit in König Ludwigs Galerie. In: Charivari, H. 22 (1996), S. 59–63.

Oelwein, Cornelia (1996): Lady Jane Ellenborough. Eine Frau beeindruckt ihr Jahrhundert. München: Ehrenwirth.

Savage, Alan (2004): Die letzte Königin : historischer Roman. Bergisch Gladbach: Lübbe (Bastei Lübbe Allgemeine Reihe, 15221).

Lady Jane
Schmidt, Margaret Fox. (1977): Passion’s child. The extraordinary life of Jane Digby. London: H. Hamilton.

Schoeller, Ghislaine (1994): Lady Jane : eine Frau verführt ihre Zeit. Bergisch Gladbach: Lübbe (Bastei Lübbe Historischer Roman, Bd. 25228).

Ure, John (2004): In search of nomads. An English obsession from Hester Stanhope to Bruce Chatwin. London: Robinson.

Links

Garnett, Daisy: The Chic Of Araby (über die Reisen Jane Digbys mit ihrem späteren Ehemann Medjuel el Mezrab)

Lind, Odette: Lady Jane Elizabeth Digby el Mezrab (Bilder, Links zur Familie Digby)



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