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Johanna Kinkel
geboren am 8. Juli 1810 in Bonn
gestorben am 15. November 1858 in London
deutsche Komponistin, Pianistin und Schriftstellerin
Auf dem Denkmal ihres Mannes zu Oberkassel (Bonn) hat man ihrem Gedenken, sozusagen zu seinen Füßen, immerhin eine Plakette gewidmet. In Lexika wird sie nur als Gattin des berühmten Schriftstellers genannt. Die »Deutsche Literaturgeschichte« Robert Königs etwa (19. Aufl. 1887) widmet ihm zwei engbedruckte Seiten, sie wird zweimal erwähnt und einmal kritisiert: »Den größten Einfluß auf ihn aber gewann seine nachherige Gattin Johanna, die geschiedene Frau des Buchhändlers Matthieux, durch die er allmählich sowohl politisch als religiös immer weiter nach links gedrängt wurde.«

Anders urteilten um die Jahrhundertwende immerhin Paul Heyse und Hermann Kurz, Herausgeber der Reihe »Deutscher Novellenschatz«: »Sie hat als Komponistin, Klavierspielerin, Sängerin und Musiklehrerin (in letzter Eigenschaft praktisch durch Ausbildung trefflicher Schülerinnen und theoretisch durch die ›Acht Briefe über Klavierunterricht‹ gleich Glänzendes geleistet. Aber auch als Erzählerin ist sie ihren musikalischen Verdiensten durchaus ebenbürtig in dem Roman ›Hans Ibeles in London‹, welchen Kinkel aus ihrem Nachlass 1860 im Cotta’schen Verlag herausgegeben hat. Die Sicherheit, Kraft und Anmut dieser Charakterzeichnung, der Wechsel von ernster Lebensanschauung und drolligstem Humor, die Darstellung des Londoner Lebens selbst, sodann aber vorzüglich des Flüchtlingslebens in London, endlich die Bilder aus Deutschland, welche die deutschen politischen Flüchtlinge miteinander austauschen, dies alles zusammen stellt das Werk nicht bloß den besten Lebensbildern der Engländer zur Seite, sondern weist ihm auch in dem Kreis der erlesensten deutschen Romane eine sehr hervorragende Stelle an.« - Er ist nicht wieder verlegt worden!
Auch das kompositorische Schaffen Johanna Kinkels ist bis heute so gut wie unerschlossen, obwohl es die Zustimmung u. a. von Mendelssohn, Schumann und dem strengen Kritiker Ludwig Rellstab fand. Es umfasst vor allem Lieder, die damals beliebten Liederspiele (z. B. »Otto der Schütz« nach Gottfried Kinkels erfolgreichem Versroman) und einige Werke im besten Sinne komischer Musik (Vogel-Kantate; Katzen-Kantate; Jubiläum des Großvaters). Neben dem künstlerischen Schaffen verdiente allein ihre Biographie - präsent auch im literarischen Werk - weites Interesse. Stets bewahrte sie ihren hohen ethischen Anspruch, obwohl sie seitens ihres ersten Mannes, der Bonner Öffentlichkeit und der herrschenden Scheidungsgesetze in ihrem Streben nach Selbstverwirklichung diskriminiert wurde; und auch der aus Liebe geheiratete Gottfried Kinkel erwies sich nicht immer als ebenbürtiger Partner.
Karsten Bartels
Hinweis: Dies sind keine Literaturempfehlungen, sondern die zum Thema erschienenen Titel – ohne Wertung unsererseits.
Rao, Lan und Gelius, Micaela: Anklänge. Lieder von Komponistinnen des 19. und 20. Jahrhunderts. Enthält: Wunsch und Stürmisch’ Wandern von Johanna Kinkel. Kassel. Salto (2000). Audio-CD.
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Ann Willison (Hg.) (1999): Von Goethe inspiriert. Lieder von Komponistinnen des 18. und 19. Jahrhunderts. (=Inspired by Goethe). Für eine Singstimme und Klavier. Enthält: An den Mond op. 7, 5 und Gegenwart op. 16, 4 von Johanna Kinkel. Kassel. Furore-Verlag (Furore-Edition, 630). ISBN 3-927327-47-6.
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Burckhardt, Jacob (1921): Briefe Jakob Burckhardts an Gottfried (und Johanna) Kinkel. Herausgegeben von Rudolf Meyer-Kraemer. Basel. Schwabe.
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Janssen, Christina (1996): Johanna Kinkel als Musikpädagogin und Musikschriftstellerin. Prüfungsarbeit. OldenburgUniversität.
Kaufmann, Paul (1931): Johanna Kinkel. Neue Beiträge zu ihrem Lebensbild. Berlin. Stilke (Schriftenreihe der Preußischen Jahrbücher, 22).
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Kinkel, Johanna (1849): Anleitung zum Singen. Übungen und Liedchen für Kinder von drei bis sieben Jahren. op. 20. Mainz. Schott.
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Kinkel, Johanna (1849): Dä Hond on dat Lechhohn. A Verzellsche für Blahge. Bonn. Sulzbach.
Kinkel, Johanna (1860): Hans Ibeles in London. Ein Familienbild aus dem Flüchtlingsleben. Aus ihrem Nachlaß. Stuttgart. Cotta.
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Kinkel, Johanna (1927): Musikalische Orthodoxie. Novelle. Berlin. Weltgeist-Bücher (Weltgeist-Bücher, 207).
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Kinkel, Gottfried (1931): Selbstbiographie. 1838-1848. Herausgegeben von Richard Sander. Bonn. Cohen (Veröffentlichungen aus der Handschriftensammlung der Universitätsbibliothek Bonn, 1).
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Kinkel, Johanna (1852): Acht Briefe an eine Freundin über Clavier-Unterricht. Straubenhardt. Antiquariat-Verlag Zimmermann, 1989. ISBN 3-927163-05-8.
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Kinkel, Johanna (1860): Hans Ibeles in London. Ein Roman aus dem Flüchtlingsleben. Neuauflage der Ausgabe von 1860. Herausgegeben von Ulrike Helmer. Frankfurt am Main. Helmer, 1991 (Edition Klassikerinnen). ISBN 3-927164-41-0.
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An imaginary voyage through Europe. 32 songs. Komponist: Johanna Kinkel. InterpretInnen: Ingrid Schmithüsen und Thomas Palm. Georgsmarienhütte. CPO (2006). Audio-CD.
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Kinkel, Gottfried; Kinkel, Johanna (1849): Erzählungen. Stuttgart, Tübingen. Cotta.
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Kinkel, Gottfried; Kinkel, Johanna (1924): Der Hauskrieg. Lebenslauf eines Johannisfünkchens. Berlin. Hillger (Deutsche Jugendbücherei, 171).
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Kinkel, Johanna; Kinkel, Gottfried (1958): Johanna und Gottfried Kinkels Briefe an Kathinka Zitz 1849 – 1861. Herausgegeben von Rupprecht Leppla. Bonn. Bonner Heimat- und Geschichtsverein.
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Klaus, Monica (2008): Johanna Kinkel. Romantik und Revolution. Köln. Böhlau (Europäische Komponistinnen, 7). ISBN 978-3-412-20175-3.
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Ausgewählte Lieder. Komponist: Josefine Lang, Johanna Kinkel. Claudia Taha (Sopran), Heidi Kommerell (Klavier). Bietigheim-Bissingen. Bayer Records (1996). Audio-CD.
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Linnhoff, Ursula (1979): »Zur Freiheit, oh, zur einzig wahren«. Schreibende Frauen kämpfen um ihre Rechte. Köln. Kiepenheuer & Witsch. ISBN 3-462-01351-3.
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Meysenbug, Malwida von (1982): Briefe an Johanna und Gottfried Kinkel. 1849-1885. Herausgegeben von Stefania Rossi. Bonn. Röhrscheid (Veröffentlichungen des Stadtarchivs Bonn, 28). ISBN 3-7928-0461-1.
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Meysenbug, Malwida von; Rossi, Stefania (1982): Briefe an Johanna und Gottfried Kinkel 1849 - 1885. Bonn. Röhrscheid (Veröffentlichungen des Stadtarchivs Bonn, 28).
Müller, Karin (1993): Eine leise Emanzipation. Die Schriftstellerin und Musikpädagogin Johanna Kinkel unter besonderer Berücksichtigung sozialgeschichtlicher Aspekte. Diplomarbeit. Betreut von Eva Rieger. HildesheimUniversität. FB II.
Rieger, Eva (Hg.) (1980): Frau und Musik. Mit Texten von Nina d’ Aubigny, Adele Gerhard, Johanna Kinkel, Alma Mahler-Werfel, Clara Schumann u.a. Frankfurt am Main. Fischer-Taschenbuch-Verlag (Fischer-Taschenbücher, 2257 : Die Frau in d. Gesellschaft : Frühe Texte). ISBN 3-596-22257-5.
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Rieger, Eva (Hg.) (1992): Frauen komponieren. 25 Lieder für Singstimme und Klavier. Partitur. Komponistinnen: Anna Amalia von Sachsen-Weimar, Corona Schröter, Louise Reichardt, Emilie Zumsteeg, Fanny Hensel, Johanna Kinkel, Josephine Lang, Clara Schumann, Luise Adolpha Le Beau und Alma Mahler-Werfel. Mainz. Schott.
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Schmidt, Klaus (1996): Gerechtigkeit – das Brot des Volkes. Johanna und Gottfried Kinkel. Eine Biographie. Stuttgart. Radius. ISBN 3-87173-096-3.
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Schulte, Johann Friedrich von (1908): Johanna Kinkel. Nach ihren Briefen und Erinnerungs-Blättern. Zum 50. Todestage Johanna Kinkels. Münster. Schöningh.
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Sonntag, Brunhilde und Mayer, Clara (Hg.) (1998): Annäherung an 7 Komponistinnen. Mit Berichten, Interviews und Selbstdarstellungen. Teil 9: Francesca Caccini, Sophie-Carmen Eckhardt-Gramatté, Johanna Kinkel, Ljubica Marić, Florentine Mulsant, Iris Ter Schiphorst und Wilhelmine Friederike Sophie von Brandenburg-Bayreuth. Kassel. Furore-Verlag (Furore-Edition, 894). ISBN 3-927327-43-3.
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Thalheimer, Else (1922): Johanna Kinkel als Musikerin. Dissertation. BonnUniversität.
Tritten, Barbara J. (1992): The teaching method of Johanna Kinkel as reflected in Anleitung zum singen. Thesis (M.A.). AlaskaUniversity.
Wenzel, Angelika (Hg.) (1991): Ich möchte mir Flügel wünschen. Schriftstellerinnen und Komponistinnen in der Romantik. Tagungsband. Karlsruhe. Engelhardt & Bauer. ISBN 3-925521-13-5.
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Whittle, Ruth; Pinfold, Debbie (2005): Voices of rebellion. Political writing by Malwida von Meysenbug, Fanny Lewald, Johanna Kinkel and Louise Aston. Oxford. Lang (Britische und irische Studien zur deutschen Sprache und Literatur, 40). ISBN 3-03910-322-9.
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