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Judy Chicago

geboren am 20. Juli 1939 in Chicago

US-amerikanische Künstlerin
75. Geburtstag am 20. Juli 2014


Weltweit bekannt wurde Judy Chicago 1979 durch die Dinner Party, ein feministisches Kunstprojekt, an dem Hunderte von freiwilligen Frauen mitgearbeitet haben. Bewusst provokativ bezog Judy Chicago dabei handwerkliche Techniken ein, die seit langem fast nur von Frauen ausgeübt wurden (z.B. Stickerei, Porzellanmalerei) – die Folge war, dass besonders konservative männliche Museumsfachleute bezweifelten, ob es sich bei ihrem Werk überhaupt um Kunst handle.

Werke von Judy Chicago

Judy Chicago (eigentlich Judith Cohen) entstammt einer amerikanischen Familie mit jüdisch-russischen Wurzeln. Ihre Eltern waren politisch links engagiert, ihr Vater Gewerkschaftsfunktionär. Trotz ihrer freien Erziehung ging sie in den ersten Jahren ihres Kunststudiums am Art Institute of Chicago zunächst den Weg der Anpassung: »Ich kämpfte darum, alles in meiner Arbeit zu tarnen, was mich als Frau entlarven konnte.« Denn Frauen wurden weder in den männlich dominierten Künstlergruppen noch in der Kunstszene ernst genommen. Kunst wurde nach männlichen Kriterien beurteilt und ausgestellt, auch in der Kunstgeschichte kamen Frauen kaum vor.
Als Judy Chicago dies bewusst wurde – die Ideen der Frauenbewegung lagen in der Luft – begab sie sich auf die Suche. Sie entdeckte auf einer Europareise in den Museen, dass es schon vor Jahrhunderten einzelne Frauen gegeben hatte, die sich trotz aller Einschränkungen durchsetzen konnten. So entstand ihre Idee, durch ein einmaliges Projekt der Verbindung von Kunst und Feminismus diese Geschichte der Verleugnung aufzudecken.

Am Fresno State College begann sie mit einem Lehrauftrag für eine Frauenkunstklasse und entwickelte ein eigenes Studienprogramm für Frauen; in Miriam Schapiro fand sie dabei eine erfahrene Kollegin und Mitstreiterin. Das erste Projekt war Womanhouse (1972), ein leer stehendes Gebäude mit 17 Räumen, die von den Studentinnen renoviert und unter dem Thema »Hausfrau« parodistisch gestaltet wurden, wobei es immer um Zusammenarbeit und gegenseitige Stärkung ging.

Aus dieser Arbeit wuchs die Idee zur Dinner Party, ein aus drei Flügeln bestehender dreieckiger Tisch mit 39 »Gedecken« – einem bestickten Tischläufer, einem Pokal und einem vulva- bzw. schmetterlingsförmigen Keramikteller, jeweils individuell gestaltet und einer bedeutenden Frau gewidmet. Das umstrittene Werk wurde ein Symbol der Frauenbewegung und ein großer Ausstellungserfolg (über eine Million BesucherInnen sahen es im Laufe der Jahre). Andere Projekte folgten: das Birth Project (1980-85), an dem unzählige Textilhandwerkerinnen aus den USA teilnahmen, das Holocaust Project (1987-1993) und, wieder feministisch, Resolutions (1994), immer unter dem Aspekt, »dass die männliche Kunst keine umfassende Wahrnehmung der Realität ist.«

Heute arbeitet Judy Chicago als Leiterin der von ihr gegründeten gemeinnützigen feministischen Kunstorganisation Flower in den USA.

Werke von Judy Chicago

 

Renate Rochner


Quellen
Chicago 1984 – Durch die Blume

Chicago 1987 – Judy Chicago

Chicago, Lucie-Smith (Hg.) 2000 – Der andere Blick

Chicago, Judy (1984): Durch die Blume. Meine Kämpfe als Künstlerin. Reinbek bei Hamburg. Rowohlt. (rororo, 5310 : Neue Frau) ISBN 3-499-15310-6.
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Chicago, Judy (1987): Judy Chicago, the dinner party.
Ausstellungskatalog. Texte gekürzt und übersetzt aus Judy Chicago, the dinner party und Judy Chicago, embroidering our heritageHerausgegeben von Christoph Vitali. Frankfurt am Main. Athenäum. ISBN 3-610-08444-8.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Chicago, Judy und Lucie-Smith, Edward (Hg.) (2000): Der andere Blick. Die Frau als Modell und Malerin.
Aus dem Englischen von Christian Kellerknecht München. Knesebeck. ISBN 3-89660-062-1.
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Weiterführende Literatur
Hinweis: Dies sind keine Literaturempfehlungen, sondern die zum Thema erschienenen Titel – ohne Wertung unsererseits.

Chicago, Judy und Woodman, Donald (Hg.) (1993): Holocaust project. From darkness into light. New York, NY, London, Victoria, Toronto, Ontario, Auckland. Viking. ISBN 0-670-84212-5.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Jones, Amelia (Hg.) (1996): Sexual politics. Judy Chicago’ s »Dinner Party« in feminist art history. University of California; Armand Hammer Museum of Art and Cultural Center Berkeley. University of California Press. ISBN 0-520-20566-9.
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Kubitza, Anette (1994): Die Kunst, das Loch, die Frau. Feministische Kontroversen um Judy Chicagos »Dinner Party«. Paffenweiler. Centaurus. (Feministisches Forum, 3) ISBN 3-89085-872-4.
(WorldCat-Suche)

Levin 2007 – Becoming Judy Chicago

Lippard, Lucie-Smith et al. (Hg.) 2002 – Judy Chicago

Lucie-Smith 2000 – Judy Chicago

Levin, Gail (2007): Becoming Judy Chicago. A biography of the artist. New York. Harmony Books. ISBN 978-1-4000-5412-1.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Lippard, Lucy R., Lucie-Smith, Edward und Thompson, Viki D., et al. (Hg.) (2002): Judy Chicago.
AusstellungskatalogNational Museum of Women in the Arts (U.S.) New York. Watson-Guptill. ISBN 0-8230-2587-X.
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Lucie-Smith, Edward (2000): Judy Chicago. An American vision. New York. Watson-Guptill. ISBN 0-8230-2585-3.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Mitchell, Sorkin et al. (Hg.) 2009 – When women rule the world

Wylder, Lippard (Hg.) 1999 – Judy Chicago

Mitchell, Allyson, Sorkin, Jennifer und Quinton, Sarah (Hg.) (2009): When women rule the world. Judy Chicago in thread.
Ausstellungskatalog Calgary. The Art Gallery of Calgary. ISBN 978-0-9736656-9-7.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Wylder, Vicki D. Thompson und Lippard, Lucy R. (Hg.) (1999): Judy Chicago, trials and tributes.
Ausstellungskatalog Tallahassee. Florida State University Museum of Fine Arts. ISBN 1-889282-05-7.
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