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Karoline Schulze–Kummerfeld

geboren am 30. September 1745 in Wien
gestorben am 20. April 1815 in Weimar

deutsche Schauspielerin und Memoirenschreiberin
265. Geburtstag am 30. September 2010


Vor allem in der Rolle von Lessings “Miss Sara Sampson” war Karoline Schulze beliebt beim deutschen Publikum. Mit dem Theaterleben war sie aufgewachsen. Ihre Mutter entstammte dem Adel und war aus der Ehe mit einem ungebildeten Landedelmann geflohen und beim Theater gelandet. Ihr Vater konnte sein Universitätsstudium nicht finanzieren und landete ebenfalls beim fahrenden Volk. Als Kind mußte auch die kleine Karoline ihr Brot auf den Brettern verdienen. Geschult in der lebhaften, ausdrucksvollen Darstellungskunst des Stegreifspiels, verstand es Karoline Schulze, die ZuschauerInnen auch in auswendig gelernten Rollen zu fesseln. Sie spielte bei den besten fahrenden Theatertruppen ihrer Zeit, mit Doebbelin (1757-58), Ackermann (1758-1767) und Koch (1767-68). In Hamburg vertrieben die Theaterkabalen der Madame Hensel sie 1767 von der Bühne. Dadurch verlor sie die Chance, an Deutschlands erstem Nationaltheater aufzutreten. Bei Koch in Leipzig aber erlangte sie noch mehr persönlichen Ruhm.

1768 verließ Karoline Schulze das Theater, um einen Hamburger Bankschreiber zu ehelichen - nicht ohne vorher (wie sie meinte) ihre Ehre und ihre Zukunft schriftlich abzusichern. Der Bankschreiber wurde leider wahnsinnig und starb 1777; er hinterließ ihr nur Schulden. Diese zu bezahlen sah sie als ihre Pflicht an, obwohl sie rechtlich nicht dazu gezwungen war. Dafür mußte sie hart arbeiten. Als sie versuchte, ihre Kunst wieder auszuüben, fand sie nicht mehr die frühere Resonanz - vorbei die Zeit, wo die Zuschauer sie nachts singend durch die Straßen nach Hause begleitet hatten. In Weimar, in der Nähe ihrer Gönnerin, der Herzogin Anna Amalie, eröffnete sie 1785 eine Nähschule. Dort starb die einst Gefeierte 1815.

Ihre für die Frauen- und die Theatergeschichte sehr aufschlußreichen Memoiren sind lebendig und anschaulich geschrieben. Es finden sich darin detaillierte Beschreibungen der allgemeinen Bedingungen des damaligen Theaters und des Alltags einer Theaterfamilie zur Zeit der Wandertruppen. Interessant für die Frauen-Sozialgeschichte sind ihre Schilderungen der Nachstellungen von Männern und der Hausarbeit von Mutter und Tochter. Aus den Memoiren entsteht das Bild einer selbstbewußten Frau des achtzehnten Jahrhunderts. Schulze-Kummerfeld war stolz auf ihre Fähigkeiten, wohl aber eher bescheiden für ihre Person. Dennoch hat sie sich zu behaupten und für sich zu sorgen gewußt. Wegen der naiven Erzählkunst ihrer Memoiren verdient sie nicht nur als Schauspielerin, sondern auch als Schriftstellerin anerkannt und bekannt zu werden.

(Text von 1995)

Katherine R. Goodman

Lebenserinnerungen der Karoline Schulze-Kummerfeld. Hg. Emil Beneze. 2 Bde. Berlin, 1915. Selbstverlag der Gesellschaft für Theatergeschichte.

Schulze-Kummerfeld, Karoline. 1988. Ein fahrendes Frauenzimmer: Die Lebenserinnerungen der Komödiantin Karoline Schulze Kummerfeld. Hg. Inge Buck. Berlin. Orlanda.