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Lola Montez
geboren am 17. Februar 1821 in Grange bei Sligo (Irland)
gestorben am 17. Januar 1861 in New York
irische Tänzerin, Mätresse und Schriftstellerin
190. Geburtstag am 17. Februar 2011
Heute wäre die temperamentvolle Lola Montez wahrscheinlich Dauergast auf den Titelseiten der Regenbogenpresse. Sie trieb ihr Wesen auf mehreren Kontinenten, sammelte Liebhaber wie andere Leute Briefmarken, produzierte einen Skandal nach dem anderen und wurde vor allem berühmt-berüchtigt als Mätresse des bayerischen Königs Ludwig I., was ihn letzten Endes den Thron kostete. Geblieben ist ihr Kosename Lolitta als „Markenzeichen“ für weibliche Erotik und Verführungskunst.
Eliza wird als Tochter einer Näherin und eines Fähnrichs der Armee in Irland geboren. Als sie zwei Jahre alt ist, beantragt ihr Vater die Versetzung nach Indien, wo er schon wenige Wochen nach der Ankunft an Cholera stirbt. Elizas Mutter heiratet kurze Zeit später erneut einen Offizier, der sich zwar mehr um das Kind kümmert als die eigene Mutter; Hauptbezugsperson für Eliza ist aber die indische Kinderfrau, die dem Mädchen viele Freiheiten lässt. Als Eliza fünf Jahre alt ist, wird sie nach Großbritannien zurückgeschickt, wo sie bei Verwandten und in einem Internat aufwächst.
Als 16jährige soll Eliza auf Wunsch ihrer Mutter verheiratet werden. Sie aber brennt mit ihrer frischen Eroberung durch, dem mittellosen Leutnant Thomas James, den sie auch heiratet. Nach zwei Jahren trennt sie sich bereits wieder von ihm. Insgesamt ist Eliza dreimal verheiratet: Sie muss sich sowohl wegen Ehebruchs als auch wegen Bigamie vor Gericht verantworten.
Ihr neuer Liebhaber führt Eliza in die High Society Londons ein. Dort und in Spanien lässt sie sich 1841 als Tänzerin ausbilden und nennt sich von nun an Maria Dolores de Porris y Montez. Ihren ersten triumphalen Auftritt hat sie am Londoner „Her Majesty’s Theatre“. Als sie von einigen Zuschauern als die Ehebrecherin Elizabeth Gilbert James erkannt und die Namensfälschung ruchbar wird, flieht sie auf den europäischen Kontinent. Sowohl in verschiedenen deutschen Ländern als auch in Polen und Frankreich tritt sie erfolgreich als Tänzerin auf und verkehrt mit den Größen der Gesellschaft. Aber jedesmal führen ihr respektloses Verhalten sowie ihre Affären (u.a. mit Franz Liszt in Dresden) zum Skandal, so dass sie nach wenigen Auftritten das Land fluchtartig verlassen muss. In Preußen wird sie wegen Misshandlung eines Polizisten zu 14 Tagen Arrest verurteilt und anschließend ausgewiesen.
Am 5. Oktober 1846 trifft Lola Montez in München ein und bittet um eine Audienz bei König Ludwig I., um mit ihm einen eventuellen Auftritt im Hoftheater zu besprechen. Der König ist hingerissen von der schönen, charmanten, humor- und temperamentvollen Tänzerin. Bereits zwei Tage später beginnen sie ihr Verhältnis. Bald ist allgemein bekannt, dass Lola Montez die Mätresse Ludwigs ist. Zahlreiche Karikaturen ziehen über das ungleiche Paar her, bei denen Ludwig meist als derjenige dargestellt wird, der nach der Pfeife der Montez tanzt.
Wegen ihres launischen, überheblichen und anmaßenden Verhaltens zieht sie sich den Hass sowohl der Bevölkerung als auch der bayerischen Regierung zu. Sie benimmt sich nicht so, wie es einer Dame geziemt: Sie raucht Zigarren, geht allein oder schlimmer noch: in Begleitung junger, attraktiver Männer aus, trägt die Juwelen zur Schau, die ihr Ludwig geschenkt hat, steht nicht auf, wenn er in der Oper ihre Loge betritt. Sie schreit die Leute an, verteilt Ohrfeigen oder Hiebe mit der Reitpeitsche. Ferner wird ihr – nicht ganz zu Unrecht – unterstellt, sie beeinflusse Ludwig auch in politischer Hinsicht.
Ludwig hält ihr aber die Treue und gewährt ihr überdies ein Gehalt von fast der doppelten, später vierfachen Höhe eines Ministergehaltes. Im Februar 1847 bürgert er sie in Bayern ein und adelt sie auf ihr Drängen zur Gräfin von Landsfeld. Die Kabinettsmitglieder sind empört und treten zurück. Vor Lolas Haus kommt es zu Tumulten, die Menschenmenge johlt, Verwünschungen werden laut. Zunächst fliegen Schneebälle, dann Steine gegen ihre Fenster. Als hätte sie die Bevölkerung nicht schon genug provoziert, betritt Lola Montez mit einem Champagnerglas den Balkon und prostet der Menge zu. Erst die Schweren Reiter können die Demonstration endgültig auflösen.
Der Aufstand der Münchner BürgerInnen und Studenten im Februar 1848 richtet sich, anders als in den anderen deutschen Ländern, weniger gegen die überkommene Ordnung als vielmehr wieder einmal gegen die Person Lola Montez und endet mit ihrer Vertreibung aus Bayern. Ludwig I. kann sie nicht mehr schützen und dankt am 20. März 1848 ab.
Lola Montez nimmt ihre Karriere als Tänzerin wieder auf. Sie reist nach Genf, London, Frankreich, Spanien und Belgien. Die Ärgernisse nehmen allerdings nicht ab – mehrfach wird sie der Beleidigung und Körperverletzung bezichtigt. Weiterhin lässt sie sich von Ludwig finanziell unterstützen. 1852–53 tritt sie in mehreren US-Bundesstaaten als Tänzerin und Schauspielerin mit ihrem Programm „Lola Montez in Bavaria“ auf. Ihr Auftritt in Sacramento wird zum Debakel: Sie wird mit faulen Äpfeln und Eiern beworfen. Schließlich lässt sie sich in der kalifornischen Goldgräberstadt Grass Valley nieder, wo sie ein Haus kauft, einen Garten anlegt und sich einen Grizzlybären hält. Sie besitzt eine Beteiligung an der Empire Mine, für die sie weitere Investoren sucht und die später zur reichsten Goldmine Kaliforniens wird.
Nach einer längeren Australien-Tournee mit „Lola Montez in Bavaria“ kehrt sie in die USA zurück. Da ihr das Tanzen zunehmend schwerfällt und sie als alternde Schauspielerin immer unglaubwürdiger wird, verlegt sie sich auf Lesungen und Vorträge. 1858 erscheint ihr Buch „The Arts of Beauty“, in dem sie praktische Hinweise für Hygiene und Schönheitspflege gibt und Rezepte für natürliche Kosmetika veröffentlicht, und noch im selben Jahr ihre „Anecdotes of Love“. Sie wendet sich dem Christentum zu, liest religiöse Schriften und besucht methodistische Gottesdienste. Mehrfach greift sie die neuentstandene Frauenbewegung an.
Nach einem Schlaganfall im Sommer 1860 ist Lola Montez halbseitig gelähmt und unfähig zu sprechen. 1861 stirbt sie in New York an einer Lungenentzündung.
Christine Schmidt
Quellen
Festner, Katharina; Raabe, Christiane (2008): Spaziergänge durch das München berühmter Frauen.
Aktualisierte Neuausgabe. S. 13-16. Zürich, Hamburg. Arche-Literatur-Verlag. ISBN 978-3-7160-3604-4.
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Griffin, Susan (The book of the courtesans): Die Tugenden der Kurtisanen. Mächtige Frauen mit eigener Moral. Von Madame de Pompadour bis Lola Montez.
Aus dem Amerikanischen von Elisabeth Liebl. S. 248–261. Kreuzlingen, München. Hugendubel. 2002. (Diederichs) ISBN 3-7205-2332-2.
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Rauh, Reinhold (1992): Lola Montez. Die königliche Mätresse.
München. Heyne. (Heyne-Bücher, 219) ISBN 3-453-05752-X.
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Rauh, Reinhold und Seymour, Bruce (Hg.) (1995): Ludwig I. und Lola Montez. Der Briefwechsel.
München. Prestel. ISBN 3-7913-1446-7.
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Röhrig, Anna Eunike (2010): Mätressen und Favoriten. Ein biografisches Handbuch.
1. Aufl. Göttingen. MatrixMedia. ISBN 978-3-932313-40-0.
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Seymour, Bruce (1998): Lola Montez. Eine Biographie.
(=Lola Montez. A life) Aus dem Amerikanischen von Renate Sandner. Düsseldorf, Zürich. Artemis & Winkler. ISBN 3-538-07067-9.
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Weidner, Thomas (Hg.) (1998): Lola Montez oder eine Revolution in München.
Ausstellungskatalog. Redaktion: Ulrike Steiner. Münchner Stadtmuseum Eurasburg. Ed. Minerva. ISBN 3-932353-23-4.
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Wilhelms, Kerstin (Hg.) (1986): Memoiren der Lola Montez (Gräfin v. Landsfeld).
2 Bände. Frankfurt am Main. Zweitausendeins.
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Weiterführende Literatur
Hinweis: Dies sind keine Literaturempfehlungen, sondern die zum Thema erschienenen Titel – ohne Wertung unsererseits.
Hermary-Vieille, Catherine (1999): Der König und die Tänzerin. Die Leidenschaften der Lola Montez. Roman.
Aus dem Französischen von Maria Buchwald. Bergisch Gladbach. Bastei-Verlag Lübbe. (Bastei-Lübbe-Taschenbuch, 12999) ISBN 3-404-12999-7.
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Lux, Joseph August (2006): Lola Montez. Historischer Roman.
Paderborn. Voltmedia. ISBN 3-937229-06-X.
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Ruederer, Josef (2008): Das Erwachen. Ein Münchner Roman bis zum Jahre 1848.
München. Süddeutsche Zeitung. (Süddeutsche Zeitung – Bibliothek, 14) ISBN 978-3-86615-640-1.
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Seymour, Bruce; Sandner, Renate (Lola Montez): Lola Montez. Eine Biographie.
Aus dem Amerikanischen von Renate Sandner. München, Zürich. Piper. 2000. (Serie Piper, 2784) ISBN 3-492-22784-8.
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St. Laurent, Cécil (1956): Von Glück und Trauer trunken. Lola Montez.
(=Lola Montès) Romanbiografie. Berechtigte Übertragung aus dem Französischen von Waldemar Sonntag. Bonn. Verlag der Europäischen Bücherei.
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Wintersteiner, Marianne (2005): Lola Montez. Romanbiographie.
Rosenheim. Rosenheimer. ISBN 3-475-53622-6.
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Wolfsmehl (2006): Lola Montez. Hörspiel.
Sprecher: Elisabeth Trissenaar; Karlheinz Böhm; Tobias Raphael Schmidt. Regie: Konrad Halver. Hr 2. Audio-CD. Daun. TechniSat Digital, Radioropa Hörbuch.
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Bildquellen
Bilderlexikon der Erotik (Digitale Bibliothek, Band 19)
Wikimedia Commons
Project Gutenberg
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