Ausdruck von: http://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/luise-adolpha-le-beau
Luise Adolpha Le Beau
geboren am 25. April 1850 in Rastatt
gestorben am 17. Juli 1927 in Baden-Baden
deutsche Komponistin und Pianistin
85. Todestag am 17. Juli 2012
“Vergißt man, wie viele männliche Komponisten sich berufen fühlen, die Welt mit mittelmäßigen Ergüssen zu überschwemmen?” rief Luise Adolpha Le Beau einmal empört aus. Als professionell ausgebildete und hochqualifizierte Musikerin erwartete sie eine entsprechende Anerkennung, die ihr versagt blieb. Le Beau nahm Unterricht in Violine, Klavier, Gesang und Musiktheorie in Karlsruhe und anschließend in München, konzertierte solistisch und erlebte auch Aufführungen eigener Werke, obwohl sie mit großen Widerständen zu kämpfen hatte, wie man ihrer Autobiographie entnehmen kann. Durch die Eltern finanziell abgesichert, war sie auf Einnahmen nicht angewiesen und führte daher ein von ökonomischen Sorgen befreites Leben. Sie konzertierte als Pianistin und betätigte sich als Klavierpädagogin und gelegentlich auch journalistisch als Musikkritikerin. Ihre Berufung sah sie jedoch in der Komposition: Sie schrieb zwei Opern, Chormusik, eine Konzert-Ouvertüre und zahlreiche Kammermusikwerke.
Die Rezensionen bewegen sich zwischen ehrlichem Lob und Festlegung auf ihr Geschlecht, wenn beispielsweise ihre Violinsonate op.10 als “männlich, nicht wie von einer Dame gemacht” beurteilt wird, was als Lob gedacht war. Nach der Komposition ihrer Märchenoper “Hadumoth” suchte sie nach einem Opernhaus und stellte dazu die Orchesterstimmen mit einer gemieteten Druckerpresse sogar selber her. Ihre Suche war vergeblich. 1893 schlug man sie für eine Professur für Komposition an der königlichen Musikschule in Berlin vor, doch der Titel wurde nicht an Frauen vergeben. Trotz jahrzehntelanger Bemühungen, als ernsthafte Komponistin gewürdigt zu werden, blieb sie eine Randerscheinung im Musikleben, was sie verbitterte. In ihren Lebenserinnerungen, die sie als Sechzigjahrige veröffentlichte, macht sie die “Gemeinheit der Musikverhältnisse” für die Misere verantwortlich, sieht aber auch, daß Frauen dringend aufgewertet werden müßten.
Auf Tontragern kann man inzwischen einige herausragende Kammermusikwerke Le Beaus bewundern. Stilistisch bevorzugt sie prägnante Themen und formale Präzision, wobei sie sich an die klassische Tradition hält. Klanglich ist sie einer stark romantischen Färbung verpflichtet, wobei eine gewisse Stagnation in den späteren Jahren auffallt. Vielleicht hätte sie sich stärker auf Neuland gewagt, wenn man ihre Leistung zu Lebzeiten mit einer beruflichen Perspektive verknüpft hatte.
Eva Rieger
Keil, Ulrike B. 1996. Luise Adolpha Le Beau und ihre Zeit. Frankfurt/M. Peter Lang.
Le Beau, Luise Adolpha. 1878. “Über die musikalische Erziehung der weiblichen Jugend”, Allgemeine Deutsche Musik-Zeitung. 6.44., S. 366-367.
Le Beau, Luise Adolpha. 1910. Lebenserinnerungen einer Komponistin. Baden-Baden. Sommermayer.
Olson, Judith E. 1986. “Luise Adolpha Le Beau: Composer in Late Nineteenth-Century Germany.”, in: Bowers, Jane & Judith Tick. Hg. Women Making Music: The Western Art Tradition, 1150-1950. Urbana; Chicago: University of Illinois Press. S. 282-303.
Rieger, Eva. Hg. 1980. Frau und Musik. Mit Texten von Nina d’Aubigny, Adele Gerhard, Johanna Kinkel, Alma Mahler-Werfel, Clara Schumann, Louise Adolpha Le Beau u.a.. Frankfurt/M. Fischer TB 2257.
Weissweiler, Eva. 1981. Komponistinnen aus 500 Jahren: Eine Kultur- und Wirkungsgeschichte in Biographien und Werkbeispielen. Frankfurt/M. Fischer TB 3714.
