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Madeleine de Scudéry
geboren am 15. Oktober 1607 in Le Havre
gestorben am 2. Juni 1701 in Paris
französische Schriftstellerin und Salonière
310. Todestag am 2. Juni 201
Unter den berühmten, von Frauen gegründeten literarischen Salons im Paris des 17. Jahrhunderts verdient der von Mlle de Scudéry besondere Beachtung. Bis dahin waren diese Zusammenkünfte, die für eine gewisse Autonomie der Frauen wichtig waren, ausschließlich Adligen und einer kleinen Zahl von SchriftstellerInnen vorbehalten. Scudéry wählte dagegen in ihren Kreis vorwiegend bürgerliche Frauen und Männer, deren Anliegen es war, Sprache und Sitten zu verfeinern und alle Tugenden, besonders die der Freundschaft, zu pflegen.

Eine neue Spielart erotischer Beziehungen, die sich auf den Austausch zärtlicher Gedichte, Briefe und Gespräche beschränkten, war ihre Erfindung. Sie wachte streng über die Einhaltung der Grenzen. „Tendresse“ (Zartheit, Zärtlichkeit, Feingefühl), nicht Leidenschaft war das Ideal, dem sie zeit ihres Lebens anhing, das sie auch in der langjährigen Freundschaft mit Paul Pellisson, dem Mann ihres Lebens, nicht aufgab.
Scudéry unterschied sich auch in anderer Hinsicht von den übrigen Salondamen, die Zeit und Geld hatten, sich frivolem Zeitvertreib und der Beschäftigung mit Literatur hinzugeben. Sie war darauf angewiesen, sich ihren Lebensunterhalt mit der Feder zu verdienen.
Ihr älterer Bruder Georges und sie wurden als früh Verwaiste von einem Onkel aufgenommen, der bei beiden für eine gute Ausbildung sorgte. Ab 1630 lebten die Geschwister in Paris; sie führte den gemeinsamen Haushalt und wurde von dem tyrannischen Bruder ausgenutzt. Nach einer kurzen militärischen Ausbildung widmete sich Georges vorwiegend dem Schreiben und hatte mit Dramen Erfolg.

1649-53 erschien der zehnbändige heroische Abenteuerroman „Le grand Cyrus“, danach der ebenso umfangreiche „La Clélie“, beide unter seinem Namen, obwohl allgemein bekannt war, dass seine Schwester die Autorin war. Diese heute kaum noch lesbaren weitschweifigen Romane hatten ungeheuren Erfolg und literarischen Einfluss in Frankreich und durch Übersetzung auch in anderen Ländern. In Paris erregten sie besonderes Interesse wegen der verschlüsselten Porträts von ZeitgenossInnen, die versuchten, sich im antiken Gewand wiederzuerkennen und sich die griechischen oder römischen Namen aus den Romanen zulegten. Dies wurde eine Art Gesellschaftsspiel, nicht nur bei Madeleines „Samedis“ in ihrem seit 1652 im Pariser Stadtteil Marais unterhaltenen Salon. Sie selbst war Sappho, der sie eigene, sehr moderne Ansichten in den Mund legte. „Sappho“ empfahl bessere Erziehung und Bildung für Frauen und den Verzicht auf Verführung durch Schönheit und auf die Ehe als weibliches Lebensziel.
Berühmte literarische Größen wie Boileau und Molière (Les Précieuses Ridicules) attackierten Scudéry mit boshaften Satiren, ohne ihren Triumph schmälern zu können.

Erst als Georges 1654 Paris verließ, wurde Madeleine wirklich frei und unabhängig, auch befreit von seiner quälenden Eifersucht auf ihren Freund Pellisson. Dieser war 16 Jahre jünger als sie, von Beruf Jurist, später Sekretär des Königs. Er stammte aus einer südfranzösischen Hugenottenfamilie; sein hässliches Gesicht war von Pockennarben entstellt. Madeleine, deren Äußeres auch wenig attraktiv war, schätzte seinen redlichen Charakter und seine Intelligenz und hing mit unverbrüchlicher Treue an ihm. Als er, beim König in Ungnade gefallen, 1661 zu Gefängnis verurteilt wurde, tat sie alles, um seine Haft zu erleichtern und erreichte nach 4 Jahren seine Freilassung.
Nach den großen Romanen schrieb sie unermüdlich weiter. Es erschienen u.a. noch Novellen und eine Chronik des Salons. Trotz schmerzhafter rheumatischer Beschwerden und schließlich absoluter Taubheit hielt sie bis ins hohe Alter mit umfangreicher Korrespondenz die Verbindung zu FreundInnen aufrecht. Sie blieb geistig rege und interessiert und überlebte fast alle, zu ihrer großen Trauer auch den Freund Pellisson, bis sie mit 94 Jahren starb.
Ulla Schweers
Werke (Auswahl)
Scudéry, Madeleine de (1654): Viertzig durchläuchtige Frauen oder deroselben Viertzig Heroische Reden. Naumburg. Müller.
Scudéry, Madeleine de (1659): Zwantzig heroische hochdeutsche Frauen-Reden sampt dero eigentlichen in Kupfer gestochen-Abbildungen. Naumburg. Müller.
Scudéry, Madeleine de (1664): Clelia. Eine Römische Geschichte. 5 Bände. Nürnberg. Endter.
Scudéry, Madeleine de (1665): Ibrahim deß durchleuchtigen Bassa und der beständigen Isabellen Wunder-Geschicht. (=Ibrahim ou L’illustre Bassa). Zweybrücken. Frantz.
Scudéry, Madeleine de (1682/1685): Almahide, oder Leibeigne Königin. 2 Bände. Nürnberg. Hofmann.
Scudéry, Madeleine de (1685): Kluge Unterredungen der in Frankreich berühmten Mademoiselle [Madeleine] de Scudery, worinnen über unterschiedliche Sachen sehr nachdenkliche Gedanken und lehrrichtige Gespräche enthalten. (=Conversations nouvelles sur divers sujets). 2 Bände. Nürnberg. Zieger.
Scudéry, Madeleine de (1690-1699): Artamenes, oder der grosse Cyrus in einer anmutigen Liebs- und Helden-Geschicht. (=Artamene ou le grand Cirus). 4 Bände. Nürnberg. Endter.
Scudéry, Madeleine de (1736): Histoire de Mathilde d’Aguilar. Mikrofiche-Ausgabe: Wildberg : Belser Wiss. Dienst, 1989 - 1990. (Edition Corvey). La Haye. Roguet.
Scudéry, Madeleine de (1766): Esprit de mademoiselle de Scudéri. Mikrofiche-Ausgabe: Wildberg : Belser Wiss. Dienst, 1989 - 1990. (Edition Corvey). Amsterdam. Vincent.
Scudéry, Madeleine de (1928): Lettres choisies. Herausgegeben von Ernst Runschke. Frankfurt a. M. Diesterweg (Diesterwegs neusprachliche Lesehefte, Nr. 122).
Scudéry, Madeleine de (19XX): Anecdotes de la cour d’Alphonse, onzième du nom, roi de Castille. Mikrofiche-Ausgabe: Wildberg : Belser Wiss. Dienst, 1989 - 1990. (Edition Corvey). Mikrofiche-Ausg. Amsterdam. Hochereau (4 (1756)).
Scudéry, Madeleine de (19XX): Ibrahim ou l’illustre Bassa. Mikrofiche-Ausgabe: Wildberg : Belser Wiss. Dienst, 1989 - 1990. (Edition Corvey). Paris. Witte.
Scudéry, Madeleine de (2003): The story of Sapho. Translated and with an introduction by Karen Newman. Chicago. University of Chicago Press.
Scudéry, Madeleine de (2004): Selected letters, orations, and rhetorical dialogues. Edited and translated by Jane Donawerth and Julie Strongson. Chicago. University of Chicago Press.
Quellen
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McDougall, Dorothy (1938): Madeleine de Scudéry. Her romantic life and death. New York: B. Blom, 1972.
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Moulin, Jeanine (1966): La poésie féminine du XIIe au XIXe siècle. Paris: Editions Seghers (Marabout, 1).
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Sartori, Eva Martin; Zimmerman, Dorothy Wynne (1991): French women writers. A bio-bibliographical source book. New York: Greenwood Press.
Weiterführende Literatur
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Baader, Renate (1986): Dames de lettres. Autorinnen des preziösen hocharistokratischen und „modernen“ Salons (1649 - 1698): Mlle de Scudéry - Mlle de Montpensier - Mme d’Aulnoy. Stuttgart. Metzler.
Benthien, Claudia; Martus, Steffen; Benthien-Martus (2006): Die Kunst der Aufrichtigkeit im 17. Jahrhundert. Tübingen. Niemeyer (Frühe Neuzeit, 114).
Bollmann, Stefan; Heidenreich, Elke (2006): Frauen, die schreiben, leben gefährlich. München. Sandmann.
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Godenne, René (1983): Les romans de Mademoiselle de Scudéry. Genève. Droz (Publications romanes et françaises, 164).
Köhler, Erich (1983): Vorklassik. Enthält ein Kapitel über Madeleine de Scudéry. Stuttgart. Kohlhammer (Vorlesungen zur Geschichte der französischen Literatur, 3).
Krause, Katharina (2002): Wie beschreibt man Architektur? Das Fräulein von Scudéry spaziert durch Versailles. Freiburg im Breisgau. Rombach (Rombach Wissenschaften – Reihe Quellen zur Kunst, 18).
Kroll, Renate (1996): Femme poète. Madeleine de Sudéry und die “poésie précieuse”. Tübingen. Niemeyer (Mimesis, 23).
Lallemand, Marie-Gabrielle (2000): La lettre dans le récit. Étude de l’oeuvre de Mlle de Scudéry. Tübingen. Narr (Biblio 17, 120).
Molière; Scudéry, Madeleine de (1997): Les précieuses ridicules. Comédie. Französisch/Deutsch. (=Die lächerlichen Preziösen). Mit einer Anthologie preziöser Texte von Mlle de Scudéry. Übers. und hrsg. von Renate Baader. Stuttgart. Reclam (Universal-Bibliothek, 461).
Penzkofer, Gerhard (1998): L’ art du mensonge. Erzählen als barocke Lügenkunst in den Romanen von Mademoiselle de Scudéry. Tübingen. Narr (Romanica Monacensia, 56).
Schamel, Christine (1999): Vom Kampf der Geschlechter zur Utopie des Ausgleichs. Die Überzeitlichkeit der Mann-Frau-Beziehung bei Madeleine de Scudéry, Ninon de Lenclos, Crébillon fils, Laclos, Preziösensatirikern und Romankritikern. Frankfurt a. M., Berlin, Bern, New York, Paris, Wien. Lang (Europäische Hochschulschriften : Reihe 13, Französische Sprache und Literatur, 245).
Zimmermann, Margarete (1999): Französische Frauen der Frühen Neuzeit. Dichterinnen, Malerinnen, Mäzeninnen. Darmstadt. Primus-Verl.
Bildquellen
http://de.wikipedia.org/wiki/Madeleine_de_Scud%C3%A9ry
http://swiki.hfbk-hamburg.de:8888/NetzkunstWoerterBuch/264















