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Marcella Sembrich
geboren am 15. Februar 1858 in Wisnieczyk, Galizien
gestorben am 11. Januar 1935 in New York City
polnische Sängerin (Koloratursopran) und Pianistin
75. Todestag am 11. Januar 2010

»Die Sembrich forciert die Stimme nie; es ist ein Wohllaut darin, so rein, so elementar, so berückend, daß man es niemand verdenken kann, wenn er ins Schwärmen gerät. Jetzt steht die kleine Frau diamantenüberstrahlt vor uns, sie hat ein Vermögen am Halse. Aber ziehe man allen Glanz ab, beurteile man nur die Stimme: einen himmlischeren Wohllaut gibt es nicht! … Die Sembrich singt Sonnenstrahlen.« So ein zeitgenössischer Kritiker.
Marcella Sembrich, getauft auf den Namen Praxede Marcelline Kochanska (später nahm sie den Geburtsnamen ihrer Mutter als Bühnennamen an) wurde am 12., 15. oder 18. Februar 1858 in Wisnieczyk, Galizien, geboren. Das Lexikon Notable American Women (1971), die Quelle, die sich in vielen Fällen als die zuverlässigste erwiesen hat, gibt als Geburtsdatum den 15. Februar an.
Marcella hatte zwölf Geschwister. Ihr Vater war ein armer Geiger und Musiklehrer. Mit vier Jahren bekam sie von ihm Klavier-, mit sechs Jahren Geigenunterricht, zunächst nur, weil sie so früh wie möglich bei der Aufbesserung des kümmerlichen Familienbudgets mithelfen sollte. Ihre überragende, vielseitige musikalische Begabung wurde jedoch bald erkannt und gefördert. Mit elf Jahren kam sie auf das Konservatorium in Lemberg, wo sie vier Jahre Klavier bei Wilhelm Stengel studierte, den sie später heiratete und der ihr Manager wurde. Außerdem studierte sie Geige und Harmonielehre.
Mit 16 Jahren ging Marcella nach Wien, um bei Julius Epstein weiter Klavier zu studieren. Dort soll Liszt zu ihr gesagt haben: »Du hast drei Paar Flügel, um zu den höchsten Höhen des Ruhms zu fliegen. Du kannst eine große Pianistin, eine große Violinistin oder eine große Sängerin werden.« Sie entschied sich für die Ausbildung ihrer Stimme bei Francesco Lamperti in Mailand.
Mit neunzehn Jahren trat sie in Athen ihr erstes Opern-Engagement an. Ein Jahr später, 1878, gab sie in Dresden ihr deutsches Debüt mit der Lucia. 1878 ging sie nach London, 1883 zur Eröffnung der Met nach New York, und »bald sammelte sie als Bühnen-, bald als Konzertsängerin die von Goldernten begleiteten Huldigungen Europas und Amerikas ein.« Ihre Konzertprogramme beendete die »polnische Nachtigall« gewöhnlich am Flügel, um sich selbst zu Liedern von Chopin zu begleiten.
»Worin lag der große Reiz der Sembrich? … [Sie] besaß eine höchst individuelle Eigenart, ihre Stimme mit der Intelligenz einer vollendeten Musikerin als Instrument zu verwenden. [Sie vermochte] die Töne in den höchsten Lagen zu halten, wie keine andere Sängerin ihrer Zeit. … Marcella Sembrich erreichte den Höhepunkt ihrer Laufbahn in den Kinderjahren des Grammophons. Trotzdem klingen ihre … großen Arien schöner als die der Patti und Melba.« (Natan)
Luise F. Pusch
CDs (Auswahl)
Arditi, Luigi; Bellini, Vincenzo; Bishop, Henry Rowley; Bizet, Georges; Cimmino Francesco (Kompon.) (1997): Masterworks Heritage – Columbia Grand Opera Series 1903. 155 min. Enthält drei Titel mit Marcella Sembrich. Sony Music Entertainment. 2 Audio-CDs.
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Sembrich, Marcella (1997): Marcella Sembrich. The Victor Recordings (1904 – 1908). Victor recordings by Mme. Sembrich, both published and unpublished in chronological order. Includes solo arias and ensembles and lieder. 150 min. Real Sound. 2 Audio-CDs.
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Sembrich, Marcella (1998): Marcella Sembrich. The Victor Recordings (1908 – 1919). Victor recordings, published and unpublished, in chronological order from 1908 – 1912. Also includes several 1919 unpublished recordings, made for friends at age 61. Also included is Bettini cylinder recording from 1900, Mapleson cylinders of live Met Opera Performances 1902 - 1903, plus a Columbia 1903 recording. 140 min. Real Sound. 2 Audio-CDs.
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Sembrich, Marcella (2007): Prima Voce – Marcella Sembrich (Aufnahmen 1906-1912). 78 min. Nimbus. Audio-CD.
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Quellen
Ehrlich, A. [= Payne Albert] (1896): Berühmte Sängerinnen der Vergangenheit und Gegenwart. Eine Sammlung von 91 Biographien und 90 Porträts. Leipzig. Payne.
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James, Edward T.; Sicherman, Barbara.; Radcliffe College. (1971): Notable American women. A biographical dictionary. 1607-1950. Cambridge. Belknap Press of Harvard University Press.
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Kesting, Jürgen: Die grossen Sänger. 3 Bände. Düsseldorf. Claassen. ISBN 3-546-45387-5.
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La Mara [= Marie Lipsius] (1902): Die Frauen im Tonleben der Gegenwart. Leipzig. Schmidt & Günther (Musikalische Studienköpfe, 5).
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Natan, Alex (um 1962): Primadonna. Lob der Stimmen. Stuttgart. Basilius Presse.
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Wagnalls, Mabel (1907): Stars of the opera. A description of operas & a series of personal interviews with Marcella Sembrich, Emma Eames, Emma Calve, Lillian Nordica, Lilli Lehmann, Geraldine Farrar & Nellie Melba. New York, London. Funk & Wagnalls company.
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Weiterführende Literatur
Klein, Hermann (1931): Great women-singers of my time. Enthält ein Kapitel und viele Bezüge zu Sembrich. Freeport, N.Y. Books for Libraries Press, 1968.
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Owen, H. Goddard (1950): A recollection of Marcella Sembrich. Reprint der 1950 von The Marcella Sembrich Memorial Association herausgegebenen Ausgabe. New York. Da Capo Press, 1982. ISBN 0306761416.
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Bildquellen
cantabile-subito.de
Marcella Sembrich Opera Museum
Universität Frankfurt am Main
Teatr Wielki - Opera Narodowa (Warzawa)
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