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Marie Anne Marquise du Deffand

geboren am 25. Dezember 1697 auf Schloß Chamrond bei Macon
gestorben am 23. September 1780 in Paris

französische Briefschreiberin und Salonière
315. Geburtstag am 25. Dezember 2012


Marie Anne de Vichy-Chamrond, geboren auf einem Schloß in Burgund, verlor früh ihre Eltern und wurde in einem Kloster erzogen. Mit 22 Jahren heiratete sie einen entfernten Verwandten, den Marquis du Deffand, für den sie nichts empfand. Man trennte sich bald, und sie ging nach Sceaux an den Hof der Duchesse du Maine, Schwiegertochter Ludwigs XIV, wo sie sich aus Langeweile einen Liebhaber nach dem anderen zulegte.

Die Katzen der Marquise du Deffand

Nach dem Tod der Duchesse zog Marie Anne du Deffand nach Paris und eröffnete dort im Couvent de Saint Joseph ihren berühmten Salon. Sie korrespondierte mit den größten Geistern ihrer Zeit, u.a. d’Alembert, Montesquieu und Voltaire. In diesen Briefen legt eine hochbegabte Frau, die sich wegen ihrer mangelhaften Ausbildung nicht an andere Literaturformen heranwagte, mit trockenem Witz Zeugnis ab vom Skeptizismus ihrer Zeit und ihrer alles bestimmenden Erfahrung der ennui [Langeweile].

1752 lernte sie bei ihrem Bruder die Schwester seiner Frau kennen, die 20-jährige Julie de Lespinasse, die sich um die Kinder kümmerte. Die Marquise stellte sie als Gesellschafterin und Vorleserin an, denn ihre Sehkraft ließ stark nach – mit 57 Jahren war sie ganz erblindet. Da die jugendliche Schönheit Julies aber mehr Verehrer anzog als die bestrickende Konversation der Marquise, entließ Deffand Julie, die daraufhin ihren eigenen Salon eröffnete, der als Treffpunkt der Enzyklopädisten berühmt wurde.

Walpoles Einführung bei der Marquise du Deffand1765 kam der englische Schriftsteller Horace Walpole nach Paris und eroberte die Salons und das Herz der berühmten Marquise, die fast siebzig und zwanzig Jahre älter war als er. Er fühlte sich geschmeichelt und empfing in den 15 Jahren ihrer Korrespondenz ihre amüsanten Briefe mit großem Vergnügen, verbat sich aber jeden Ausdruck ihrer Liebe (ihm schwebte ein geistreiches Dokument der Zeit ähnlich dem vor, das im Jahrhundert zuvor die Marquise de Sévigné hinterlassen hatte). Von der Korrespondenz sind 955 Briefe erhalten geblieben, die zu den interessantesten des 18. Jahrhunderts gehören.

Text von 1996

Luise F. Pusch


Quellen
Craveri, Benedetta (1982): Madame Du Deffand and her world. (=Mme du Deffand e il suo mondo)
Übersetzt von Teresa Waugh. Boston. D.R. Godine. 1994. ISBN 1567920012.
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Du Deffand de La Lande, Marie Anne (1971): Correspondance complète de la marquise du Deffand avec ses amis. Genève. Slatkine Reprints.
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Heyden–Rynsch, Verena von der (1989): Lebefrau des Geistes.
In: ZeitMagazin, 2/1989. S. 82–88.

Rageot, Gaston (1937): Madame du Deffand. Paris. A. Michel. (Les grandes pécheresses)
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Sartori, Eva Martin und Zimmerman, Dorothy Wynne (Hg.) (1991): French women writers. A bio-bibliographical source book. New York. Greenwood. ISBN 0-313-26548-8.
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Weiterführende Literatur
Dumas, Alexandre (1856): Der Secretair der Marquise Du-Deffand (Marie von Chamrond). Aus dem Französischen übersetzt von August Schrader. 7 Bände. Leipzig. Christian Ernst Kollmann.
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Eske 2010 – Die Verbindung von Social Web

Lespinasse 2010 – Die Liebesbriefe der Julie

Lund 2004 – Die ganze Welt auf ihrem

Eske, Antje (2010): Die Verbindung von Social Web und Salonkultur 13 Salonièren. 1. Aufl. Norderstedt. Books on Demand. ISBN 978-3-8391-8308-3.
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Lespinasse, Julie de (1920): Die Liebesbriefe der Julie de Lespinasse (1773-1776). Übertragen und eingeleitet von Arthur Schurig. 1. Aufl. Bremen. Europäischer Hochschulverlag. 2010. (classic pages) ISBN 978-3-86741-217-9.
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Lund, Hannah Lotte (2004): »Die ganze Welt auf ihrem Sopha«. Frauen in europäischen Salons. 1. Aufl. Berlin. Trafo. (Auf der Suche nach der verlorenen Zukunft, 16) ISBN 3-89626-456-7.
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Marías 2001 – Geschriebenes Leben

Pelz 2005 – Die Verschwörung der Dichter

Strachey 2002 – Französische Paradiese

Marías, Javier (2001): Geschriebenes Leben. Ironische Halbporträts. Porträts von 26 AutorInnen der Weltgeschichte. Stuttgart. Klett-Cotta. ISBN 9783608935554.
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Pelz, Monika (2005): Die Verschwörung der Dichter. Roman über eine Intrige einiger Dichter um Diderot. Wien. Jungbrunnen. ISBN 3-7026-5770-3.
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Strachey, Lytton (2002): Französische Paradiese. Voltaire, Madame du Deffand, Mademoiselle de Lespinasse und Stendhal. Berlin. Wagenbach. (Salto, 110) ISBN 3-8031-1209-5.
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