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Mascha Kaléko
geboren 7. Juni 1907 in Chrzanów (Schidlow), Galizien, Polen
gestorben 21. Januar 1975, in Zurich, Schweiz
polnisch-deutsch-jüdische Dichterin
100. Geburtstag am 7. Juni 2007
Biografie • Zitate • Werke • Links • Literatur
Biografie
Nach ihren frühen Erfolgen mit Gedichten in der Tradition Heines und Tucholskys wurde Mascha Kaléko von den Nazis zur Aufgabe ihrer Heimat und ihrer Karriere gezwungen. Das Gefühl, Außenseiterin zu sein, kannte sie seit ihrer Kindheit, seit ihre Familie aus dem armen Galizien nach Deutschland gekommen war. Aber sie passte sich schnell an, beherrschte den Berliner Dialekt bald perfekt - wie ihre ersten Gedichte zeigen.
Nach der Schulzeit arbeitete sie ab dem 16. Lebensjahr als Sekretärin und verarbeitete ihre Erlebnisse in ihren reizvollen und originellen frühen Gedichten, die erst in Zeitungen erschienen und dann bei Rowohlt unter den Titeln Das lyrische Stenogrammheft (1933) und Das kleine Lesebuch für Große (1935). Kalékos Songs waren so erfolgreich wegen ihrer ungewohnten Verbindung von Berliner Schnoddrigkeit und der Wärme und Melancholie des Ostjudentums; sie wurden von ihr selbst und Chansonsängerinnen wie Claire Waldoff und Rosa Valetti im Radio und in Cabarets vorgetragen. Nach ihrem Verbot durch die Nazis wurden die Songs abgeschrieben und heimlich verbreitet.
1928 heiratete Mascha Saul Kaléko, einen Philologen, von dem sie sich nach zehn Jahren scheiden ließ, um den Musikwissenschaftler und Dirigenten Chemjo Vinaver zu heiraten, Vater ihres Sohnes Evjatar und Spezialist für chassidische Chormusik.
1938 emigrierte die Familie nach New York; es bereitete Mascha zwar große Freude, ihren Sohn heranwachsen zu sehen, aber sie kam nicht zum Schreiben, und Chemjo schaffte es nicht, in der Musikwelt Fuß zu fassen. Mascha verdiente Geld mit Werbetexten und machte die Öffentlichkeitsarbeit für den Chor ihres Mannes. In Verse für Zeitgenossen verarbeitet Kaléko ihre Exilerfahrungen in eindringlichen satirischen Gedichten. Ihr Comeback hatte 1956 mit dem Wiederabdruck des Lyrischen Stenogrammhefts eingesetzt; nach zwei Wochen stand es auf der Bestsellerliste, und Kaléko machte erfolgreiche Lesereisen durch Europa.
1960 zog Kaléko wegen der Arbeit ihres Mannes mit nach Jerusalem, aber sie wurde dort nie richtig heimisch. Obwohl sie in den 60er und frühen 70er Jahren weiter veröffentlichte, war das Comeback doch nur kurz gewesen; wieder geriet sie in Vergessenheit. Mascha und Chemjo waren beide nicht sehr gesund, und 1968 starb plötzlich ihr Sohn, der in den USA ein erfolgreicher Dramatiker und Regisseur geworden war. Nach Chemjos Tod 1973 verstärkte sich Maschas Isolation immer mehr. Sie starb an Magenkrebs während einer Reise durch Europa.
Joey Horsley
Zitate
Aus rechtlichen Gründen mussten wir leider die Gedichte entfernen. Vermutlich werden früher oder später auch die von hier aus verlinkten Texte nicht mehr zu finden sein.
Betroffen ist auch die Kaléko-Seite der Philosophischen Universität Düsseldorf, die wir hier zitieren:
»Die verdienstvolle Kaléko-Editorin Gisela Zoch-Westphal betreute den Nachlass von Mascha Kaléko. Die Rechte an den Texten der Autorin übertrug sie an die Textboerse Lore Cortis. Diese Textboerse untersagt die Internet-Textpräsentation.«
Werke
Bücher und Hörbücher
Kaléko, Mascha (1933): Das lyrische Stenogrammheft. Verse vom Alltag. Berlin: Rowohlt.
Kaléko, Mascha (1935): Kleines Lesebuch für Große. Gereimtes und Ungereimtes. Berlin: Rowohlt.
Kaléko, Mascha (1945): Verse für Zeitgenossen. Cambridge, Mass.: Schoenhof.
Kaléko, Mascha (1961): Der Papagei, die Mamagei und andere komische Tiere. Ein Versbuch für verspielte Kinder sämtlicher Jahrgänge. Hannover: Fackelträger-Verl. Schmidt-Küster (Die kleine Reihe).
Kaléko, Mascha (1967): Verse in Dur und Moll. Gütersloh: Bertelsmann (Kleine Lesering-Bibliothek).
Kaléko, Mascha (1968): Das himmelgraue Poesie-Album der Mascha Kaléko. Berlin: Blanvalet.
Kaléko, Mascha (1973): Hat alles seine zwei Schattenseiten. Sinn- & Unsinngedichte. Erstausg. Düsseldorf: Eremiten-Presse (Broschur, 46).
Kaléko, Mascha (1976): Feine Pflänzchen. Rosen, Tulpen, Nelken und nahrhaftere Gewächse. Düsseldorf: Eremiten-Presse (Broschur, 68).
Kaléko, Mascha (1977): Der Gott der kleinen Webefehler. Spaziergänge durch New Yorks Lower Eastside und Greenwich Village. Düsseldorf: Eremiten-Presse (Broschur, 75).
Kaléko, Mascha (1977): Horoskop gefällig? Verse in Dur und Moll. Berlin: Eulenspiegel-Verlag.
Kaléko, Mascha (1977): In meinen Träumen läutet es Sturm. Gedichte und Epigramme aus dem Nachlass. München: Dt. Taschenbuch-Verl. (dtv Belletristik, 1294).
Kaléko, Mascha (1980): Heute ist morgen schon gestern. Gedichte aus dem Nachlaß. Berlin: arani.
Kaléko, Mascha (1982): Wie’s auf dem Mond zugeht. Sigmaringen: Thorbecke.
Kaléko, Mascha (1984): Der Stern, auf dem wir leben. Verse für Zeitgenossen. Illustrationen: Werner Klemke. Reinbek: Rowohlt.
Kaléko, Mascha (1984): Ich bin von anno dazumal. Chansons, Lieder, Gedichte. Berlin: arani.
Kaléko, Mascha (1994): “Mascha?”. 64 min. Text-Zusammenstellung und Vortrag: Gisela Zoch-Westphal. Hamburg: Litraton. 1 Audio-CD.
Kaléko, Mascha (2003): Die paar leuchtenden Jahre. München: Dt. Taschenbuch-Verl. (dtv Belletristik, 13149).
Kaléko, Mascha (2003): “Hat alles seine zwei Schattenseiten”. Musikalische Collage. Vorgelesen von Barbara Schnitzler. Musik: Albrecht Riermeier. Berlin: Duo-phon Records. 1 Audio-CD.
Kaléko, Mascha (2004): Elke Heidenreich liest “Weil du nicht da bist …”. Alltagspoesie von Mascha Kaléko. 70 min. Köln: Random House Audio. 1 Audio-CD.
Kaléko, Mascha (2007): Liebesgedichte. Ausgewählt von Elke Heidenreich. Frankfurt am Main: Insel.
Kaléko, Mascha (2007): Mascha Kaléko spricht Mascha Kaléko. “Interview mit mir selbst”. Durch Leben und Werk führen Gisela Zoch-Westphal & Gerd Wameling. Berlin: Universal Music. 1 Audio-CD.
Kaléko, Mascha (2007): Mein Lied geht weiter. Hundert Gedichte. München: Dt. Taschenbuch-Verl. (dtv Belletristik, 13563).
Kaléko, Mascha; Kaschnitz, Marie-Luise; Kästner, Erich; Ringelnatz, Joachim (2003): Du aber bist der Hafen. Liebesgedichte. Komponist: Oliver Hartmann. Vorgelesen von Frank Suchland. Bückeburg: ContraPunkt-Hörbuchverl. 1 Audio-CD.
Kaléko, Mascha; Zoch-Westphal, Gisela (1987): Aus den sechs Leben der Mascha Kaléko. Biographische Skizzen, ein Tagebuch und Briefe. Berlin: arani.
Streich, Deryk (Hg.) (1998): Faltplan der Liebe. Illustrierter Faltplan mit Liebesgedichten von Erich Fried, Ingeborg Bachmann, Mascha Kaleko, Rose Ausländer und anderen. Wiesbaden: Beerenverlag (Literarische Faltpläne, 2).
Texte im Internet*
*Alle nicht verlinkten Gedichte sind hier zu finden: gedichte-garten.de: Mascha Kaléko
Advent
Alle 7 Jahre
Altes Rezept
An meinen Schutzengel
Bescheidene Anfrage
Blatt im Wind
Dachkammermusik
Das berühmte Gefühl
Das Dritte
Das Ende vom Lied
Das geringere Übel
Das Glück ist arm an Phantasie
Das Spiegelglas
Das Stachelschwein
Der Eremit
Der Fettnäpfchentreter
Der Frühling
Der Herbst
Der Mann im Mond
Der Schwan
Der Sommer
Der Winter
Die Sache mit dem Achtellos
Drinnen duften die Äpfel im Spind
Ein Herr namens Tristan
Ein sogenannter schöner Tod
Ein welkes Blatt
Ein welkes Sommerblatt fiel mir zu Füßen
Eines Morgens wachst du auf
Einmal möcht ich dort noch gehn...
Einmal sollte man
Es regnet
Gebet
Gedicht zum Trost
Herbstabend
Horizontale Muse
Ich frage mich in meinen stillen Stunden
In memorian Emmerich Krause
Interview mit mir selbst
Julinacht an der Gedächtniskirche
Katzenjammermonolog
Keiner wartet
Kleine Auseinandersetzung
Kleines Liebeslied
Konsequenz des Herzens
Krankgeschrieben
Kurzer Dialog
Kurzer Epilog
Langschläfers Morgenlied
Liebeslied
Mein schönstes Gedicht
Melancholie eines Alleinstehenden
Mit auf die Reise
Möblierte Melancholie
Nachdenkliches Pfingstgedicht
Nacht ohne Schlaf
Nennen wir es Frühlingslied
Ohne Überschrift
Pihi
Reisebekanntschaft
Signal
Solo für Frauenstimme
Sozusagen grundlos vergnügt
Stickmusterspruch für’s Kopfkissen
Straußenpolitik
Träumer mittleren Alters
Vierundzwanzig Stunden täglich
Vor meinem Tod ist mir nicht bang
Was man so braucht...
Weil Deine Augen so voll Trauer sind
Weil du nicht da bist
Wer anderen Leuten eine gräbt
Links
Berlin.de: Gedenktafel für Mascha Kaléko.
Deutsches Literaturarchiv Marbach: Nachlaß Kaléko, Mascha.
dtv / Literatur-Café: Mascha Kaléko - Ein Podcast mit Gedichten der Lyrikerin.
Frauen-Kultur-Archiv der Universität Düsseldorf: Mascha Kaléko. Biografischer Überblick und Text über eine Begegnung mit Mascha Kaléko. Gedichte mussten leider entfernt werden, siehe Hinweis bei Zitaten!
Fruchtmann, Ruth: Mascha Kaléko. Gekürzte Fassung aus: Britta Jürgs (Hg.): Leider hab ich’s Fliegen ganz verlernt (siehe unter Literatur). Kenntnisreiche Biografie mit vielen Zitaten. hagalil.com.
Homann, Ursula: Ich bleibe der Fremde im Dorf - Mascha Kaleko und ihre Lieder. In „Der Literat“, Fachzeitschrift für Literatur und Kunst, 47.Jahrgang, Juni 6/2005.
lyrikline.org: Mascha Kaléko. Gedichtauswahl, Biografie, Publikationen.
Wagner, Kathleen: Autoren, deren Werke den Bücherverbrennungen zum Opfer fielen. Mascha Kaléko. Links und knappe Informationen.
Literatur
Quellen
Bauschinger, Sigrid. 1977. “Mascha Kaléko”, in Neue Deutsche Biographie. 1953-1985. Hg. von d. Historischen Kommission b. d. Bayr. Akademie der Wissenschaften. Bd. 1-14. Berlin. Duncker & Humblot. Bd. 11 (1977): 55.
Drewitz, Ingeborg (1981): Die zerstörte Kontinuität. Exilliteratur und Literatur des Widerstandes. Wien: Europa-Verl.
Kaléko, Mascha (1977): In meinen Träumen läutet es Sturm. Gedichte und Epigramme aus dem Nachlass. München: Dt. Taschenbuch-Verl. (dtv Belletristik, 1294).
Kosch, Wilhelm. 1968-1984. Deutsches Literaturlexikon. Biographisch-bibliographisches Handbuch. Begr. von Wilhelm Kosch. 3., völlig neu bearb. Aufl. Hg. Bruno Berger und Heinz Rupp. Bd. 1-9. Bern; München. Francke.
Wellershoff, Irene Astrid (1982): Vertreibung aus dem “kleinen Glück”. Das lyrische Werk von Mascha Kaléko. Dissertation. Aachen: Technische Hochschule.
Kaléko, Mascha; Zoch-Westphal, Gisela (1987): Aus den sechs Leben der Mascha Kaléko. Biographische Skizzen, ein Tagebuch und Briefe. Berlin: arani.
Lermen, Birgit (1990): Deutsche Dichterinnen jüdischer Herkunft. Mascha Kaléko - Hilde Domin. Aachen: Hauptabt. Erziehung und Schule im Bischöflichen Generalvikariat (Orientierung, 14).
Rosenkranz, Jutta (2007): Mascha Kaléko. Biografie. München: Dt. Taschenbuch-Verl. (dtv-premium, 24591).
Sperner, Franziska (2006): Die Neue Sachlichkeit und Mascha Kaléko. E-Book. Hausarbeit, Benotung: 2-, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg (Germanistisches Seminar). München und Ravensburg: Grin.
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