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Milena Jesenská
geboren am 10. August 1896 in Prag
gestorben am 17. Mai 1944 im KZ Ravensbrück
tschechische Journalistin, Schriftstellerin und Übersetzerin
115. Geburtstag am 10. August 2011
Milena, aus der reichen Prager Oberschicht stammend, heiratete nach einem abgebrochenen Medizinstudium den Kaffeehausliteraten, Lebemann und Bankangestellten Ernst Polak, mit dem sie nach Wien übersiedelte. Polak saß im Kaffeehaus; Milena schleppte Koffer am Bahnhof, verdingte sich als Haushälterin und gab Tschechischunterricht.
In diese Zeit fällt ihre Freundschaft und Korrespondenz mit Franz Kafka, von dem sie einige Werke übersetzte. Kafkas berühmte Briefe an Milena sind erhalten, ihre Briefe sind verschollen. In Wien fing Milena an, Feuilletons und Reportagen zu schreiben, die sie in Prager Zeitungen veröffentlichte. Sie fanden großen Anklang.
Nach der Trennung von Polak ging Milena nach Prag zurück, um als Journalistin zu arbeiten. Wegen der wachsenden Bedrohung durch den Nationalsozialismus schloss sich Milena, wie damals viele Intellektuelle, der kommunistischen Bewegung an. Doch der Kommunismus Stalinscher Prägung stieß sie später ab.

Milena heiratete zum zweiten Mal, 1928 wird ihre Tochter Jana Černá geboren. Während einer Krankenhausbehandlung bekommt Milena zur Schmerzlinderung Morphium, wird süchtig und leidet jahrelang darunter. Ihre Ehe zerbrach daran. Nach dem »Anschluss« Österreichs machte Milena eine Entziehungskur, wissend, dass sie ihre ganze Kraft für den Widerstand brauchen würde.
Inzwischen strömten schon die vor den Nationalsozialisten fliehenden Emigranten nach Prag. Viele von ihnen versteckte Milena in ihrer Wohnung, besorgte ihnen Papiere und verhalf ihnen zur Flucht. Bald wird Milena der Gestapo verdächtig, auch ihr subversiver politischer Journalismus ist ihnen ein Dorn im Auge. 1939 wird sie von der Gestapo verhaftet, monatelang verhört und zur »Umerziehung« nach Ravensbrück gebracht.
Milena Jesenská starb einen langen schweren Tod. Die letzten vier Jahre ihres Lebens verbrachte sie als politische Gefangene im KZ Ravensbrück. Sie hungerte und fror und litt unter starken rheumatischen Schmerzen. Überlebende berichten, dass Milena den mitgefangenen Frauen Kraft gab durch ihre Unbeugsamkeit, ihren Lebenswillen, ihre Güte und ihren Stolz. Mit 48 Jahren stirbt Milena Jesenská im KZ an einem Nierenleiden.
Am 14. Dezember 1994 wurde Milena Jesenská von Yad Vashem zur »Gerechten unter den Völkern« ernannt.
Sibylle Duda
Quellen
Buber-Neumann, Margarete (1992): Milena. Kafkas Freundin ; ein Lebensbild. 3. Aufl. Frankfurt/M, Berlin. Ullstein. (Ullstein-Buch, 30248 : Die Frau in der Literatur) ISBN 3-548-30248-3.
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Černá, Jana (1985): Milena Jesenská. (=Adresát Milena Jesenská)
Aus dem Tschechischen von Reinhard Fischer. Frankfurt (Main). Verlag Neue Kritik. ISBN 380150204X.
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Jesenská, Milena (1990): Alles ist Leben. Feuilletons und Reportagen 1919 - 1939. 3., veränd. Frankfurt/Main. Verlag Neue Kritik. ISBN 3-8015-0192-2.
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Kafka, Franz (1986): Briefe an Milena. Herausgegeben von Jürgen Born und Michael Müller. Frankfurt am Main. Fischer. ISBN 3-10-038119-X.
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Wagnerová, Alena K. (1994): Milena Jesenská. »Alle meine Artikel sind Liebesbriefe« ; Biographie. Mannheim. Bollmann. ISBN 3-927901-54-7.
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Weiterführende Literatur
Buber-Neumann, Margarete (2001): Milena Jesenská. »Sterben allein ist zu wenig«. 1. Aufl. München. Ullstein. (Ullstein-Bücher, 60059 : Rebellische Frauen) ISBN 3-548-60059-X.
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Capovilla, Andrea (2004): Entwürfe weiblicher Identität in der Moderne. Milena Jesenská, Vicki Baum, Gina Kaus, Alice Rühle-Gerstel ; Studien zu Leben und Werk. 1. Aufl. Oldenburg. Igel-Verl. (Reihe Literatur- und Medienwissenschaft, 94) ISBN 3-89621-179-X.
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Chiu, Charles S. (1994): Frauen im Schatten. Mileva Einstein-Marić, Milena Jesenská, Lise Meitner, Margarete Schütte-Lihotzky, Margarete Jeanne Trakl. Wien. Jugend und Volk. ISBN 3-224-17669-5.
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Duda, Sibylle (2005): Du, mein blaues Mädchen: Milena Jesenská (1896-1944) und Margarete Buber-Neumann (1901-1989).
In: Horsley, Joey; Pusch, Luise F. (Hg.): Berühmte Frauenpaare. Frankfurt am Main. Suhrkamp (Suhrkamp-Taschenbuch, 3404). ISBN 3-518-39904-7 S. 222–258
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Endres, Ria (1996): Milena antwortet. Ein Brief. 1. Aufl. Frankfurt am Main. Suhrkamp. (Suhrkamp-Taschenbuch, 2569) ISBN 3-518-39069-4.
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Jesenská, Milena (2005): »Ich hätte zu antworten tage- und nächtelang«. Die Briefe von Milena. Herausgegeben von Alena K. Wagnerová. Frankfurt am Main. Fischer. (Fischer, 13913) ISBN 3596139139.
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Jesenská, Milena (2008): Alles ist Leben. Feuilletons und Reportagen 1919 - 1939. Herausgegeben von Dorothea Rein. Frankfurt/Main. Verlag Neue Kritik. ISBN 3-8015-0192-2.
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Jirásková, Marie (1996): Kurzer Bericht über drei Entscheidungen. Die Gestapo-Akte Milena Jesenská. (=Stručná zpráva o trojí volbě)
Frankfurt/Main. Verlag Neue Kritik. ISBN 3-8015-0294-5.
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Kafka, Franz (1995): Drei Briefe an Milena Jesenská vom Sommer 1920. [Faksimile und Umschrift]. Herausgegeben von Milena Jesenská und Karl D Wolff. Basel, Frankfurt am Main. Stroemfeld. ISBN 3-87877-025-1.
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Kafka, Franz (2004): Briefe an Milena. 13. Aufl. Frankfurt am Main. Fischer. (Fischer-Taschenbücher, 5307) ISBN 3596253071.
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Maase, Mira (1996): Milena Jesenská (1896 - 1944). Ein Frauenleben gegen die Norm ; ein akustisches Porträt live aus dem Kulturzentrum der Aktion Lebensqualität. München. Verl. des Zeitgenossen. ISBN 3928167030.
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Marková, Marta (2011): Unglück auf fast allen Seiten. Milena – Staša – Jarmila ; Kafkas Elternrevolte und weibliche Rebellion. 1., Auflage. Innsbruck, Wien. Studien Verlag/SVK. ISBN 978-3-7065-4786-4.
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Murray, Nicholas (2007): Kafka und die Frauen. Biographie. (=Kafka)
Herausgegeben von Angelika Beck. Düsseldorf. Artemis & Winkler. ISBN 978-3-538-07242-8.
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Steenfatt, Margret (2002): Milena Jesenská. Biographie einer Befreiung. Hamburg. Europ. Verl.-Anst. ISBN 3-434-50215-7.
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Wagnerová, Alena K. (2002): Milena Jesenská. Biographie. Frankfurt am Main. Fischer. (Fischer-Taschenbücher, 13258) ISBN 3-596-13258-4.
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