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Mutter Teresa

geboren am 27. August 1910 in Skopje
gestorben am 5. September 1997 in Kalkutta (Indien)

albanisch–indische Nonne, Wohltäterin, Friedensnobelpreisträgerin (1979)
10. Todestag am 5. September 2007


Heilige, gibt’s die? Sie wurde von vielen dafür gehalten: Mutter Teresa von Kalkutta, die Missionarin der Nächstenliebe. Als sie 1997 starb, sprach alle Welt von ihrer selbstlosen Hingabe, ihrer fast übermenschlichen Leistung im Dienst an den Ärmsten der Armen in den Slums von Kalkutta, in Leprastationen und Heimen für Tbc- und Aidskranke, für verlassene Kinder und Sterbende, um die sich niemand kümmerte. Alle Medien brachten Bilder der kleinen, runzligen alten Frau im weißen Baumwoll-Sari mit den blauen Streifen beim Gebet, bei der Krankenpflege, beim Empfang von Orden und Auszeichnungen (darunter 1979 der Friedensnobelpreis), beim Gespräch mit den Großen der Welt, die ihr Zutritt gewährten und ihre Bitte um Hilfe selten abschlugen.

Es war ein langer Weg, bis sie so berühmt und erfolgreich war (manche nannten sie die mächtigste Frau derWelt). Der Anfang war unglaublich schwierig und mühsam, bewältigt durch ihre vielgerühmte Willensstärke und Zähigkeit, die sie schon als junges Mädchen zeigte. Geboren in Skopje (Mazedonien, damals türkisch) als Kind katholischer albanischer Eltern, setzte sie ihren Wunsch durch, sich dem irischen Loreto-Orden anzuschließen, der in Indien missionierte. Mit achtzehn Jahren wurde sie nach Kalkutta an die St. Mary’s Highschool geschickt, wo sie jahrelang unterrichtete und schließlich die Leitung übernahm. 1936 legte sie die ewigen Gelübde ab und nannte sich Teresa nach der Heiligen Thérèse von Lisieux.

Ein erschütterndes Berufungserlebnis bewog sie, dieses relativ komfortable Leben aufzugeben, um nur noch den Armen zu dienen. Der Papst entsprach ihrer Bitte um Exklaustrierung, d.h. sie durfte als Nonne außerhalb des Ordens arbeiten. Fortan lebte sie im Slumviertel Kalkuttas unter den gleichen Bedingungen wie die BewohnerInnen, die oft ablehnend und mißtrauisch waren, auch Ansteckung fürchteten, wenn sie Leprakranke aufnahm. Unterstützt wurde sie bei ihrer unter schwierigsten Voraussetzungen zu leistenden Arbeit von ehemaligen Schülerinnen und vielen anderen Frauen, die unentgeltliche Hilfe anboten und sich nicht von schrecklichen Verstümmelungen und stinkenden Wunden abschrecken ließen. Mutter Teresa war überall der Mittelpunkt, verbreitete Fröhlichkeit angesichts schlimmsten Elends. Woher nahm sie die Kraft? Nur eine Antwort, unwidersprochen, glaubwürdig: “Nicht ich, Gott tut alles”.

Bei aller christlichen Frömmigkeit lag penetrantes Missionieren ihr fern; sie beachtete beim Tode von Moslems und Hindus deren Sterberituale. Zwar hielt sie unbeirrt an den offiziellen Vorschriften der katholischen Kirche fest, vor allem, was Abtreibung und Empfängnisverhütung betraf, sie war aber bereit, jedes ungewollte Kind aufzunehmen, versuchte, Adoptiveltern für die Verlassenen zu finden. Diese Einstellung fand nicht überall Zustimmung. Auch von Ärzten gab es Kritik, da die Hygienevorschriften bei der Krankenpflege in den oft primitiven Unterkünften nicht beachtet wurden, Menschen mit ansteckenden Krankheiten nicht isoliert werden konnten. Auf den Vorwurf, nicht zu versuchen, die allgemeinen Lebensbedingungen in Indien zu verbessern, antwortete sie: “Ich bin nicht für den großen Weg, die Dinge zu tun. Worauf es uns ankommt, ist der einzelne.” “Wir sind keine Krankenschwestern, wir sind keine Sozialarbeiter, wir sind Nonnen.”

Nicht von religiösem Fanatismus oder ekstatischer Schwärmerei getrieben, handelte sie mit durchaus praktischem Verstand, wenn sie für ihre Armen Geld auftreiben mußte. Zwei Beispiele unter vielen: Als der Papst ihr bei einem Indienbesuch sein Luxusauto schenkte, machte sie eine Versteigerung, die den vielfachen Wert einbrachte. Das Galadiner zu ihren Ehren nach der Verleihung des Nobelpreises lehnte sie ab und ließ sich den Wert auszahlen.

Ob ihr Werk bleibt und weiter wächst (inzwischen gibt es Niederlassungen in fast allen Ländern) ohne ihre ständige Ermutigung und Unterstützung? Viele Menschen, die ihr begegnet sind, haben das Gefühl, daß die Welt ärmer geworden ist, seit Mutter Teresa nicht mehr lebt.

Zitate:

Lasse nie zu, daß du jemandem begegnest, der nicht nach der Begegnung mit dir glücklicher ist.

Um die Armen verstehen zu können, müssen wir wissen, was Armut ist.

Frage: “Warum geben Sie ihnen (den Armen) Fisch zu essen? Warum geben Sie ihnen keine Angel, um den Fisch selbst zu fangen?” Antwort: “Meine Leute können nichtmal stehen, wenn ich sie aufsammle.”

Ursula Schweers

Allegri, Renzo. 1993. Mutter Teresa. München. Verlag Neue Stadt.

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Der Friedensnobelpreis von 1979 bis 1982. Mutter Teresa, Adolfo Perez Esquivel, der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR), Alva Myrdal, Alfonso Garcia Robles. 1992. Historische Einleitung von Franz Alt. Hg. und redaktionelle Leitung Michael Naumann. Zug/Schweiz. Edition Pacis. S. 199 - 202

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Zeiten der Barmherzigkeit: Texte von Mutter Teresa. Hg. u. eingel. von Leonie Höhren. Freiburg. Herder. 1995.