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Nannerl Mozart

Maria Anna Walburga Ignatia (Nannerl) Mozart

geboren am 30. Juli 1751 in Salzburg
gestorben am 29. Oktober 1829 in Salzburg

österreichische Pianistin
180. Todestag am 29. Oktober 2009


Sie ist als “etwas langweilige und nichtssagende Schwester” eines musikalischen Genies in die Geschichte eingegangen. Dabei hatte Nannerl das Zeug zu einer großen Klaviervirtuosin. Der Vater Leopold nahm die beiden Kinder auf langjährige Europareisen mit. Sie begeisterten mit ihrem Spiel das Publikum u.a. in Wien, Paris, London und Brüssel. Mit 16 Jahren war Nannerl “heiratsfähig” und konnte nicht mehr als Wunderkind gelten. Leopold ging nunmehr mit Wolfgang allein auf Reisen; sie blieb zu Hause und musizierte allenfalls im halböffentlichen Rahmen. Ihre Kompositionsversuche ignorierte Leopold. Nach dem Tod der Mutter führte Nannerl dem Vater den Haushalt. Sie verliebte sich in den Direktor der Salzburger Pagerie, Franz d’Ippold, aber Leopold suchte ihr einen verwitweten Reichsfreiherrn mit fünf Kindern aus, so daß sie 1784 ihr geliebtes Salzburg verlassen und in dem langweiligen Nest St. Gilgen leben mußte.

Sie mochte ihren Bruder Flegel, Spitzbub, Bimberl und Hanswurst genauso, wie er seine Schwester Canaglie, Zizibe – seine Königin, die “nicht gleich über jeden Dreck weinen” sollte und der er “hundert Schmatzerl auf ihr wunderbares Pferdegesicht” schickte. Er schätzte ihr literarisches und musikalisches Urteil.

Das Theater und die Musikangebote Salzburgs fehlten ihr in St. Gilgen; sie ließ sich vom Vater schriftlich alles genau berichten. Nach dem Tod ihres Mannes 1801 zog sie wieder nach Salzburg, gab dort Klavierunterricht und kümmerte sich um die Gesamtausgabe der Werke ihres Bruders.

Ob Nannerl auch eine bedeutende Komponistin hätte werden können, wenn ihr Vater sie so gefördert hätte wie den Bruder? Aber ihr Empfindungsraum war ebenso beschnitten wie ihr Bewegungsspielraum.

(Aus Pusch/Gretter, Berühmte Frauen: 300 Portraits, Bd 1, 1999)

Eva Rieger