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Olga Benario

geboren am 12. Februar 1908, München
gestorben am Anfang Februar 1942 im KZ Bernburg

deutsch(-brasilianische) Kommunistin und Widerstandskämpferin

100. Geburtstag am 12. Februar 2008


BiografieZitateLinksLiteratur


Biografie

Olga Benario

Mit noch nicht einmal 15 Jahren findet Olga Gutmann Benario ihren Weg zur Schwabinger Gruppe der mittlerweile illegalen Kommunistischen Jugend. Ihr Vater Leo Benario, der als Münchner Anwalt und Sozialdemokrat mittellose Klienten meist kostenlos vertritt, führt Olga die extreme soziale Ungerechtigkeit ihrer Zeit vor Augen.

Mit Entschlossenheit und Idealismus, die sie immer beibehält, verlässt sie 1926 ihr bürgerliches jüdisches Elternhaus, um ihre Arbeit für die KP in Berlin zu intensivieren.
In München war sie bereits aufgefallen durch ihren ungewöhnlichen Mut bei der täglichen Organisationsarbeit und Flugblattverteilung, ihr großes Interesse an militärischer Ausbildung und Strategie sowie ihre Belesenheit in marxistisch-leninistischer Theorie. Unter dem Einfluss von Otto Braun, einem sieben Jahre älteren Professor und erfahrenen militanten Kommunisten, mildert sich ihre dogmatische Ablehnung aller Nicht-KommunistInnen und der rauchenden, trinkenden und sich gelegentlich vergnügenden KameradInnen. Durch die gemeinsame politische Arbeit seit 1923 entwickelt sich eine tiefe emotionale Beziehung zwischen den beiden, aber Benario lehnt jeden Gedanken an Heirat (als bürgerliche Institution wirtschaftlicher Abhängigkeit von Frauen) ab.

Olga Benario

In Berlin-Neukölln wird sie bald zum Star der lokalen Kommunistischen Jugend und demonstriert ihre Zivilcourage in einem Coup, der in den Berliner Zeitungen Schlagzeilen macht: Am 11. April 1928 führt sie den bewaffneten Überfall des Gerichtssaals im Moabiter Gefängnis an und schafft es, den wegen Hochverrats angeklagten Braun zu befreien.
Mit falschen Pässen erreichen Braun und Benario ein paar Tage später Moskau. Ihre Beziehung bricht 1931 ab, weil Benario Brauns Eifersuchtsanfälle kleinbürgerlich findet: schließlich widmet sie sich nur noch dem Engagement für die Ideen eines toten Mannes – Lenin. Sie erhält eine intensive Ausbildung in Fremdsprachen sowie im Waffendienst, lernt Reiten in der Roten Armee und bewährt sich mit ihrer Untergrundarbeit auf Reisen nach Westeuropa.

Zurück in Moskau wird sie zum Präsidiumsmitglied der Kommunistischen Internationalen Jugend gewählt und zur Pilotin und Fallschirmspringerin ausgebildet.

Im Sommer 1934 wird sie vom Direktorium der Kommunistischen Internationale auserwählt, Luís Carlos Prestes – legendärer brasilianischer General einer Revolutionsarmee, die er von 1925 bis 1927 erfolgreich im Kampf gegen die Truppen von Präsident Artur Bernardes anführte – auf seiner Rückreise nach Brasilien als Schutzperson zu begleiten. Getarnt als wohlhabendes portugiesisches Paar in den Flitterwochen fahren die beiden mit dem Schiff nach New York und fliegen von Miami nach Brasilien. Auf der angeblichen Hochzeitsreise verlieben sich Prestes und Benario wirklich.

Olga Benario

Benario sieht ihre Aufgabe primär im Schutz von Prestes als Anführer der am 27. November 1935 fehlschlagenden Revolution gegen das Militärregime von Vargas. Die Nationale Befreiungsallianz unter Führung der Kommunisten wird in die Illegalität getrieben, viele werden verhaftet und in Kollaboration mit der Gestapo gefoltert.

Im Frühjahr 1936 werden auch Benario und Prestes verhaftet. Im Gefängnis stellt sie fest, dass sie schwanger ist, was ihre Haftbedingungen etwas erleichtert. Ihre Hoffnungen, als werdende Mutter und Ehefrau von Prestes der Abschiebung an die Nazis zu entgehen, werden jedoch enttäuscht. Der Polizeichef von Rio de Janeiro verfügt, dass die im siebten Monat Schwangere trotz eines massiven Aufruhrs ihrer Mitgefangenen nach Deutschland ausgeschifft wird.

Am 18. Oktober 1936 kommt sie in Hamburg an und wird sofort von der SS nach Berlin ins Gestapo-Hauptquartier gebracht. Im Gefängnis in der Barnimstraße kommt am 27. November ihre Tochter Anita Leocadia zur Welt und darf 14 Monate lang bei ihr bleiben, bis Olgas Schwiegermutter es schafft, zumindest das Kind freizubekommen.

Olga Benario Prestes wird ins KZ Lichtenburg, dann ins KZ Ravensbrück gebracht. Sie gibt die Hoffnung nie auf. Im Februar 1942 wird sie in der zu diesen Zwecken von den Nazis extra umgebauten Psychiatrischen Klinik in Bernburg vergast.

Imke Lode

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Zitate

Olga Benario

Ich habe für das Gerechte und Gute gekämpft, für die Verbesserung der Welt. Ich verspreche Dir, wenn ich jetzt Abschied nehmen muß, daß ich Dir bis zum letzten Moment keinen Grund geben werde, Dich meiner zu schämen. […] Ich werde stark bleiben und bin entschlossen, bis zum letzten Moment zu leben. Jetzt muß ich schlafen, damit ich morgen kräftig bin. Ich küsse Euch beide zum letzten Mal.”

(Olga Benario Prestes’ letzter Brief an Luís Carlos Prestes und ihre Tochter Anita)



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Links

Bader – Olga Benario


1 Bader, Alexandra: Olga Benario. Jüdische Revolutionärin als NS-Opfer. CeiberWeiber. Zuletzt geprüft am 05.02.2008.

Eco – Euthanasiemorde in Bernburg


2 Eco, Erich: Euthanasiemorde in Bernburg. Zuletzt geprüft am 05.02.2008.

Galerie Olga Benario


3 Galerie Olga Benario. Zuletzt geprüft am 05.02.2008.

Höge – Die allgemeine Evahermanisierung


4 Höge, Helmut: Die allgemeine Evahermanisierung. Kritiken zu den Filmen über Olga Benario. tazblog. Zuletzt geprüft am 05.02.2008.

kino.de – Olga


5 kino.de: Olga. Spielfilm. Zuletzt geprüft am 05.02.2008.

kino.de – Olga Benario


6 kino.de: Olga Benario, ein Leben für die Revolution. Dokumentarfilm. Zuletzt geprüft am 05.02.2008.

Schrupp – Olga Benario 1908-1942 und Elza


7 Schrupp, Antje: Olga Benario (1908-1942) und Elza Fernandes (1915-1936). Zuletzt geprüft am 05.02.2008.

Tanz-Company Catharina Gadelha Danca – Olga


8 Tanz-Company Catharina Gadelha Danca: Olga. Tanztheaterstück. Zuletzt geprüft am 05.02.2008.

Wikipedia – Olga Benario-Prestes


9 Wikipedia: Olga Benario-Prestes. Zuletzt geprüft am 05.02.2008.

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Literatur


Quellen

Bromberger 1988 – Schwestern

Hervé, Nödinger (Hg.) 1996 – Lexikon der Rebellinnen

Morais 1985 – Olga



Bromberger, Barbara (1988): Schwestern, vergeßt uns nicht. Frauen im Konzentrationslager Moringen, Lichtenburg, Ravensbrück. 1933 – 1945. Katalog zur Ausstellung Frauen im Konzentrationslager. Frankfurt (Main). VAS Verlag für Akademische Schriften. ISBN 3888640156.
(Suchen bei Amazon | Eurobuch | WorldCat)



Hervé, Florence; Nödinger, Ingeborg (Hg.) (1996): Lexikon der Rebellinnen. Von A – Z. Dortmund. Ed. Ebersbach. ISBN 3931782034.
(Suchen bei Amazon | Eurobuch | WorldCat)



Morais, Fernando (1985): Olga. Das Leben einer mutigen Frau. Köln. Volksblatt-Verl. ISBN 3923243502.
(Suchen bei Amazon | Eurobuch | WorldCat)

Morais 1990 – Olga



Morais, Fernando (1990): Olga. Aus dem Portugiesischen ins Englische übersetzt von Ellen Watson. New York. Grove Weidenfeld. ISBN 080211086X.
(Suchen bei Amazon | Eurobuch | WorldCat)



Schiese, Rudolf (1975): Olga Benario-Prestes. 1908 – 1942. Herausgegeben von der Kreiskomission zur Erforschung der Geschichte der örtlichen Arbeiterbewegung bei der Kreisleitung der SED Jessen (Elster). Jessen (Elster) (Lichtenburger Lesehefte, 1).
(Suchen bei Katalog der Deutschen Nationalbibliothek)

Werner, Beurton 1962 – Olga Benario



Werner, Ruth; Beurton, Ursula (1962): Olga Benario. Die Geschichte eines tapferen Lebens. Berlin. Neues Leben.
(Suchen bei Amazon | Eurobuch | WorldCat)


Weiterführende Literatur



Benario, Olga (1929): Berlinskaja komsomolija. (=Der Berliner kommunistische Jugendverband). Ins Russische übersetzt von Vl. Rubina. Moskva. Molodaja gvardija.
(Suchen bei Staatsbibliothek zu Berlin)



Ehrhardt, Christiane; Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes; Galerie Olga Benario (1984): Olga Benario. Das Leben einer Neuköllner Antifaschistin. Eröffnungsausstellung der Galerie Olga Benario. Berlin. VVN, Verband der Antifaschisten.
(Suchen bei Eurobuch | WorldCat)



Eschebach, Insa (Hg.) (1999): Die Sprache des Gedenkens. Zur Geschichte der Gedenkstätte Ravensbrück. 1945 – 1995. Darin: Olga Benario: Kommunistin, Jüdin, Heldin? von Linde Apel. Berlin Ed. Hentrich, (Schriftenreihe der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, 11). ISBN 3-89468-257-4.
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Ehrhardt, Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes et al. 1984 – Olga Benario

Karl 2004 – Bayerische Amazonen

Karl 2007 – Es lebe die Weltrevolution



Karl, Michaela (2004): Bayerische Amazonen. 12 Porträts. Darin: Olga Benario. Die Revolutionärin. Regensburg. Pustet. ISBN 3-7917-1868-1.
(Suchen bei Amazon | Eurobuch | WorldCat)



Karl, Michaela (2007): Es lebe die Weltrevolution! Deutsche Lebensläufe. Felix Fechenbach, Rosa Luxemburg, Ernst Toller, Eugen Leviné, Olga Benario, Tamara Bunke, Rudi Dutschke und Ulrike Marie Meinhof. Grafenau. Morsak. ISBN 3-86512-019-9.
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Kaufmann, Bernd (Hg.) (1993): Der Nachrichtendienst der KPD. 1919 – 1937. Berlin. Dietz. ISBN 3-320-01817-5.
(Suchen bei Amazon | Eurobuch | WorldCat)

Loher 1994 – Olgas Raum

Werner 2006 – Olga Benario



Loher, Dea (1994): Olgas Raum. Drei Stücke. Frankfurt am Main. Verlag der Autoren (Theaterbibliothek). ISBN 3-88661-152-3.
(Suchen bei Amazon | Eurobuch | WorldCat)



Waack, William (1994): Die vergessene Revolution. Olga Benario und die deutsche Revolte in Rio. (=Camaradas). Berlin. Aufbau Taschenbuch Verl.; Aufbau-Taschenbuch-Verl. (Dokument und Essay). ISBN 3-7466-8013-1.
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Werner, Ruth (2006): Olga Benario. Die Geschichte eines tapferen Lebens. Neuausgabe. Berlin. Neues Leben. ISBN 3355017299.
(Suchen bei Amazon | Eurobuch | WorldCat)


Bildquellen

Galerie Olga Benario

Club-Voltaire München

Época

DKP Freising-Landshut

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