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Selma Meerbaum-Eisinger
geboren am 15. oder 5. August 1924 in Czernowitz, Bukowina
gestorben am 16. Dezember 1942 im KZ Michailowka, Ukraine
deutschsprachige Dichterin, Opfer der Nationalsozialisten
70. Todestag am 16. Dezember 2012
Häufig wird Selma Meerbaum-Eisinger als zweite Anne Frank bezeichnet, teilte sie doch mit ihr das leidenschaftliche Schreiben sowie den grausamen Erfahrungsweg des Holocausts, an dessen Ende der Tod im Konzentrationslager stand. Während die eine jedoch mit 15 Jahren starb, fing die andere in diesem Alter gerade an zu dichten.
Selma stammte aus kleinen Verhältnissen; nach dem frühen Tod ihres Vaters heiratete ihre Mutter Leo Eisinger und betrieb mit ihm einen Kurzwarenladen. Czernowitz war die lebendige Metropole des Vielvölkerlandes Bukowina; in der Schule wurde Rumänisch und Jiddisch gesprochen, während Selma zu Hause, mit FreundInnen und in der zionistischen Jugendbewegung »Haschomer-Hazair« primär Deutsch sprach. Außerdem las sie mit Begeisterung Heine, Rilke, Verlaine, Tagore und Klabunds Nachdichtungen chinesischer Gedichte. Diese Einflüsse sind in ihren eigenen Texten wie auch in ihren Nachdichtungen französischer, rumänischer und jiddischer Lyrik unverkennbar.
Und dennoch weisen die Tiefe und Empfindsamkeit ihrer Poesie weit hinaus über die Dokumentation des Schicksals einer jungen Jüdin unter dem Nazi-Terror. Aus ihrem einzig erhaltenen Band mit 57 Gedichten, Blütenlese, den sie dem Freund Leiser Fichman aus der zionistischen Jugendgruppe widmete, spricht Selmas burschikose Lebendigkeit und spontane Lebenslust, ihr sanftes Träumen und Leiden mit großer Authentizität und poetischer Kraft. Ihre Gedichte atmen jedes Naturerlebnis und verliebte erotische Sehnen, jedes Einsamkeitsempfinden und resignierte oder aufbegehrende Gefühl in einer Klarheit und zarten Intensität, der man sich nicht entziehen kann. Für den flüchtigen Augenblick des Erlebens und Schreibens ist sie der Frühling und die Nacht, der Regen und Wind, das welke Blatt und der Fliederduft selbst, sich in ihren Schlafliedern wiegend.
Selma überlebte zwar das Czernowitzer Ghetto, aber nicht den Holocaust. Im KZ Michailowka stirbt sie mit 18 Jahren an Typhus – nur ihre Gedichte singen noch ihr Lied.
Imke Lode
Quellen
Dick, Jutta (Hg.) (1993): Jüdische Frauen im 19. und 20. Jahrhundert. Lexikon zu Leben und Werk. Reinbek bei Hamburg. Rowohlt. (rororo, 6344 : rororo-Handbuch) ISBN 3-499-16344-6.
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Meerbaum-Eisinger, Selma (1979): Blütenlese. Gedichte. Herausgegeben von Adolf Rauchwerger. Tel Aviv. Universität. (Pirsûmê ham-MāØkôn le-ÖHēqer hat-TefûÖsôt, Buch 29)
Meerbaum-Eisinger, Selma (2001): Ich bin in Sehnsucht eingehüllt. Gedichte eines jüdischen Mädchens an seinen Freund.
Herausgegeben und eingeleitet von Jürgen Serke. Frankfurt am Main. Fischer-Taschenbuch-Verlag. (Fischer, 5394) ISBN 3-596-25394-2.
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Seydel, Heinz (1968): Welch Wort in die Kälte gerufen. Die Judenverfolgung des Dritten Reiches im deutschen Gedicht. Berlin. Verlag der Nation.
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Wall, Renate (1989): Verbrannt, verboten, vergessen. Kleines Lexikon deutschsprachiger Schriftstellerinnen 1933 bis 1945. Köln. Pahl-Rugenstein. (Kleine Bibliothek, 510 : Frauen) ISBN 3-7609-1310-5.
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Tonträger
Meerbaum-Eisinger, Selma (Hg.) (2007): Selma. In Sehnsucht eingehüllt.
Audio-CD. World Quintet. Köln. Random House Audio. ISBN 3-86604-650-2.
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Meerbaum-Eisinger, Selma (2005): Ich bin in Sehnsucht eingehüllt. Gedichte. Auswahl. Lesung.
Audio-CD. Mit Iris Berben. Herausgegeben von Jürgen Serke. Hamburg. Hoffmann und Campe. ISBN 3-455-30429-X.
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Meerbaum-Eisinger, Selma (2008): Du, weißt du … Herman van Veen liest Gedichte von Selma Meerbaum-Eisinger.
Audio-CD. Regie: Edith Leerkes. Bergisch Gladbach. Lübbe. (Lübbe audio - Bücher zum Hören) ISBN 978-3-7857-3758-3.
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Vertonte Gedichte
Denhoff, Michael (2001): Wie eine Linie dunkelblauen Schweigens. Sieben Gesänge nach Gedichten von Selma Meerbaum-Eisinger für Mezzosopran (Alt) und Konzertakkordeon; op. 80 (1997). Bad Schwalbach. Ed. Gravis.
Dinescu, Violeta (1993): Der Kelch. Lieder für Singstimme und Cembalo nach Gedichten von Selma Meerbaum-Eisinger.
Beigefügt: Herbst und Kristall Baden-Baden. Selbstverlag der Komponistin.
Franke, Bernd (2000): Zerbrochene Nähe. Szene für Bariton und Orchester nach Texten von Giorgio Caproni, Selma Meerbaum-Eisinger und dem Hohelied Salomos.
Partitur in Handschrift des Komponisten Leipzig. Franke.
Kukuck, Felicitas (1998): Sieben Lieder zu Gedichten von Selma Meerbaum-Eisinger.
Partitur Kassel. Furore.
Medek, Tilo (c 1981): Schlaflieder. Drei Lieder für mittlere Singstimme und Orgel nach Texten von Selma Meerbaum-Eisinger. Unkel am Rhein. Medek.
Medek, Tilo (c 1982): Schlaflieder. Drei Lieder für hohe Singstimme und Orgel nach Texten von Selma Meerbaum-Eisinger. Unkel am Rhein. Medek.
Thoma, Xaver Paul (c 2000): Ich bin in Sehnsucht eingehüllt. Sieben Lieder; (1984 - 86); op. 37A; für Sopran und Klavier. Bühl/Baden. Antes-Edition.
Weiterführende Literatur
Lăzărescu, Mariana-Virginia (2009): »Schau, das Leben ist so bunt«. Selma Meerbaum-Eisinger, Karin Gündisch und Carmen Elisabeth Puchianu. Drei repräsentative deutsch schreibende Autorinnen aus Rumänien. Berlin. wvb Wissenschaftlicher Verlag. ISBN 978-3-86573-445-7.
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Niethammer, Ortrun (2004): Innere Differenzierung. Selma Meerbaum-Eisinger. Rezeption ihrer Gedichte nach 1980. . In: Hansen-Schaberg, Inge (Hg.): Als Kind verfolgt. Anne Frank und die anderen. Berlin. Weidler. ISBN 3-89693-244-6. S. 181–194
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Shchyhlevska, Natalia (2004): Deutschsprachige Autoren aus der Bukowina. Die kulturelle Herkunft als bleibendes Motiv in der Identitätssuche deutschsprachiger Autoren aus der Bukowina ; untersucht anhand der Lyrik von Paul Celan, Rose Ausländer, Alfred Kittner, Alfred Gong, Moses Rosenkranz, Immanuel Weißglas, Alfred Margul-Sperber, Selma Meerbaum-Eisinger, Klara Blum, Else Keren. Frankfurt am Main, Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Wien. Lang. 2009. (Studien zur deutschen und europäischen Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts, 55) ISBN 978-3-631-58654-9.
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Hinweis: Dies sind keine Literaturempfehlungen, sondern die zum Thema erschienenen Titel – ohne Wertung unsererseits.






