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Séraphine Louis

geboren am 2. September 1864 in Arsy (Oise)
gestorben am 11. Dezember 1942 in Clermont-de-1’Oise

französische Malerin
145. Geburtstag am 2. September 2009


Es ist dem mäzenatischen Eifer eines Kunsthändlers zu verdanken, dass die Malerin Séraphine Louis entdeckt und bekannt wurde. Wilhelm Uhde (vgl. auch die FemBiographie zu Sonia Delaunay) bereiste 1912 Frankreich und verbrachte längere Zeit in dem kleinen Ort Senlis. Séraphine Louis war seine Zugehfrau. Dass sie auch malte, erfuhr Uhde durch andere Dorfbewohnerinnen. Ein Stillleben mit Äpfeln erregte seine Aufmerksamkeit: »Cezanne wäre glücklich gewesen, sie zu sehen.« Ein großes Lob für die Autodidaktin Séraphine, denn das war und blieb sie zeit ihres Lebens. Nie hatte sie maltechnische Unterweisung oder gar akademische Schulung bekommen – und sie wollte auch keine.

Ihre Bilder – üppige pflanzliche Formen und Figurationen in leuchtenden Farben – sollen in einer Art Trancezustand entstanden sein. Niemand durfte ihr beim Malen zusehen; die Tür zu ihrem bescheidenen Atelier blieb immer verschlossen. Séraphine lehnte alle Angebote Uhdes ab, ihre Bilder auszustellen oder zu verkaufen. Auch als er sie nach Kriegsende (1924) nochmals besuchte, sie mit Leinwand und Farben versorgte, ihr Kontakte nach Paris anbot, weigerte sie sich, Senlis zu verlassen.

Séraphine Louis ist niemals aus ihrer ärmlichen Existenz herausgekommen. Als Kind hütete sie das Vieh ihres Dorfes und verdiente sich später ihren Lebensunterhalt als Aufwartefrau. Einmal wurden ihre Bilder im Rathaus von Senlis ausgestellt; diese Öffentlichkeit reichte ihr.

Als Séraphine Louis ihrem Dorf den Weltuntergang verkündete, brachte man sie in die Irrenanstalt von Clermont, wo sie 1942 starb. Den Zeitgenossinnen blieb Séraphine Louis unverständlich und geheimnisvoll; nach ihrem Tode wurde sie vom Kunstpublikum gefeiert. Ihr Werk wurde erstmals umfassend als französischer Beitrag auf der zweiten Biennale in São Paulo (1951) gezeigt und einige Jahre später auf der ersten Documenta in Kassel (1955).

Werke von Séraphine Louis

Doris Krininger


Quellen
Greer 1980 – Das unterdrückte TalentGreer, Germaine (1980): Das unterdrückte Talent. Die Rolle der Frauen in der bildenden Kunst. Berlin. Ullstein. ISBN 3-550-07688-6.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Krichbaum, Jörg (1979): Künstlerinnen. Von der Antike bis zur Gegenwart. Unter Mitarbeit von Rein A. Zondergeld. Köln. DuMont. (DuMont-Taschenbücher, 82) ISBN 3-7701-1110-9.
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Meyers enzyklopädisches Lexikon. (1971-79) In 25 Bänden. Mit 100 signierten Sonderbeiträgen. Mannheim, Wien, Zürich. Bibliographisches Institut.
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Petersen, Wilson 1978 – Women artistsPetersen, Karen; Wilson, J. J. (1978): Women artists. Recognition and reappraisal from the early Middle Ages to the twentieth century. London. Women’s Press. ISBN 0-7043-3826-2.
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Uhde, Wilhelm (1947): Fünf primitive Meister. Rousseau, Vivin, Bombois, Bauchant, Seraphine. Zürich. Atlantis.
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Weiterführende Literatur
Hinweis: Dies sind keine Literaturempfehlungen, sondern die zum Thema erschienenen Titel – ohne Wertung unsererseits.

Cloarec 2008 – Séraphine

Desplechin 2005 – Séraphine

Duda, Pusch (Hg.) 1996 – Wahnsinns-Frauen

Cloarec, Françoise (2008): Séraphine. La vie rêvée de Séraphine de Senlis. Paris. Phébus. ISBN 2752903642.
(Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Desplechin, Marie (2005): Séraphine. Paris. l’École des loisirs. (Médium) ISBN 2211079342.
(Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Fondation Dina Vierny – Musée Maillol (Hg.) 2008 – Séraphine de Senlis

Karcher (Hg.) 1997 – Die Maler des heiligen Herzens

Körner, Wilkens 2009 – Séraphine Louis

Fondation Dina Vierny – Musée Maillol (Hg.) (2008): Séraphine de Senlis.
Ausstellungskatalog Paris. Editions Gallimard. ISBN 2070122379.
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Karcher, Eva (Hg.) (1997): Die Maler des heiligen Herzens. André Bauchant, 24.04.1873 - 12.08.1958 ; Camille Bombois, 03.02.1883 - 11.06.1970 ; Henri Rousseau, 01.05.1844 - 02.09.1910 ; Séraphine Louis, 03.09.1864 - 11.12.1942 ; Louis Vivin, 27.07.1861 - 28.05.1936. Bönnigheim. Wachter. (Edition Charlotte Zander) ISBN 3-926318-23-6.
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Körner, Hans; Wilkens, Manja (2009): Séraphine Louis. Biographie, Werkverzeichnis.
Übersetzt von Annette Gautherie-Kampka Berlin, Zürich. Reimer, Benteli. ISBN 978-3-496-01405-8 und ISBN 978-3-7165-1562-4.
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Provost 2008 – Séraphine

Romero – Belated declaration of love

Vircondelet 2008 – Séraphine

Provost, Martin (2008): Séraphine. Spielfilm mit Yolande Moreau und Ulrich Tukur.
DVD-Video (französisch!)
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Romero, Denzil: Belated declaration of love to Séraphine Louis. A bilingual, critical ed. of Denzil Romero’s short stories. (=Tardía declaración de amor a Séraphine Louis)
Edited and translated by Stephen J. Clark. Critical introduction by Antonio M. Isea Lanham, New York, Oxford. University Press of America. ISBN 0761817565.
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Schweers, Andrea (1996): Séraphine Louis (1864-1942). Malerin von Marias Gnaden. In: Duda, Sibylle; Pusch, Luise F. (Hg.): Wahnsinns-Frauen. Frankfurt am Main. Suhrkamp (Suhrkamp-Taschenbuch, 2493). ISBN 3-518-38993-9. S. 39–70.
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Vircondelet, Alain (2008): Séraphine. De la peinture à la folie. Paris. Michel. ISBN 978-2-226-18982-0.
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