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Shirley MacLaine

geboren am 24. April 1934 in Richmond, Virginia
amerikanische Schauspielerin und Autorin
70. Geburtstag am 24. April 2004


“I deserve this – den habe ich mir verdient!” Mit diesen Worten nimmt eine strahlende Shirley MacLaine 1984 ihren Oscar entgegen. Hinter ihr liegen fast dreißig Jahre im Filmgeschäft und fünf Oscar-Nominierungen; mit ihrer Darstellung der Aurora Greenway in “Zeit der Zärtlichkeit (Terms of Endearment)” hat sie es nun endlich geschafft.

Daß ihr ausgerechnet die Rolle einer vom Leben enttäuschten Mutter den großen Triumph einbringt – angesichts von Shirley MacLaines Erfahrungen im eigenen Elternhaus liegt darin eine gewisse Ironie. Als Tochter eines Lehrers, der aus familiären Gründen auf eine Musikerlaufbahn verzichtet hatte, und einer Schauspielerin, die sich in die Rolle der traditionellen Hausfrau und Mutter fügte, um anschließend ein Leben lang verpaßten Chancen nachzutrauern, wurde sie täglich mit den ungelebten Träumen ihrer Eltern konfrontiert. Sie selbst hingegen und ihr Bruder Warren Beatty wollen, ja müssen beweisen, daß sie es aus eigener Kraft zu etwas bringen können. Shirley schwört sich, “mich nie von Sitten, Bräuchen, der Gesellschaft, Ehemännern, Kindern oder der Ehe ausbeuten zu lassen.”

Shirley geht 1952 als Revuetänzerin nach New York, wo sie ihren späteren Mann kennenlernt, den Regisseur und Produzenten Steve Parker. Als der weibliche Star einer Broadwayshow erkrankt, gerät sie als Zweitbesetzung ins Rampenlicht, wird von einem Hollywood-Produzenten entdeckt und landet prompt als Hauptdarstellerin in Alfred Hitchcocks Komödie “Immer Ärger mit Harry” (1955).

Mit ihrer natürlichen, schlagfertigen und unerschrockenen Art – Hitchcock bescheinigt ihr “die Nerven eines Bankräubers” – erobert Shirley MacLaine die Herzen des Publikums im Sturm. Doch der Erfolg bleibt nicht ohne Auswirkungen auf ihr Privatleben. Steve Parker befürchtet, in Amerika bald als “Mr. MacLaine” im Schatten seiner Frau zu stehen, und kehrt schon 1955 in seine Wahlheimat Japan zurück. Fast drei Jahrzehnte lang führen die beiden eine “offene Ehe” auf Distanz; ihre gemeinsame Tochter wächst zunächst bei Shirley, später beim Vater in Japan auf.

Ihr Ziel, etwas aus sich zu machen, hat Shirley MacLaine in Rekordgeschwindigkeit erreicht. Schon ihre überzeugende Verkörperung einer unglücklich verliebten Fahrstuhlführerin in “Das Appartement” (1960), der in ihre Kollegin verliebten Lehrerin in “Infam” (The Children’s Hour, 1961) oder der leicht naiven Prostituierten “Irma la Douce” (1963) läßt die Charakterdarstellerin erkennen, die in späteren Filmen wie “Madame Sousatzka” (1988) und “Magnolien aus Stahl” (1989) energische, widerspenstige Frauen spielt. Doch mit den Jahren erkennt sie, daß Erfolg als einziges Ziel ein Leben nicht ausfüllt: Seit Mitte der sechziger Jahre beschäftigt sie sich mit Spiritualität, einem Thema, zu dem sie bis heute zahlreiche Bücher veröffentlicht hat.

(Für FemBio aktualisiert von Luise F. Pusch
aus Pusch/Gretter, Berühmte Frauen: 300 Portraits, Bd 3 (in Vorbereitung))

Annette Lutz

Hanck, Frauke & Lothar Just. 1986. Shirley MacLaine: Ihre Filme – ihr Leben. München. Heyne-Filmbibliothek Nr. 32/86.<
MacLaine, Shirley. 1989. Die Reise nach innen: Mein Weg zu spirituellem Bewußtsein [Going within]. Aus dem Engl. von Hans Jürgen Baron von Koskull. München. Goldmann.
MacLaine, Shirley. 1974 (1970). Raupe mit Schmetterlingsflügeln: Eine Autobiographie. (= Don’t fall off the mountain). Übs. aus dem am. Englisch Eva Schönfeld. Frankfurt/M. Fischer TB 1471.
MacLaine, Shirley. 1992 [1991]. Tanze, solange du kannst: Mein Leben [Dance while you can]. Aus dem Engl. von Uschi Gnade. München. Goldmann.
Oehmann, Richard. 1999. „Glamour-Weib und Flinten-Girl: Der Shirley Mac-Laine-Effekt.