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Sonia Delaunay

geboren am 14. November 1885 in Odessa
gestorben am 5. Dezember 1979 in Paris

französisch-ukrainische Malerin und Designerin
125. Geburtstag am 14. November 2010


Stoffe, Vorhänge, Möbel, Theateraufführungen, Bücher, Kirchenfenster, Kartenspiele, Teller, Autos – während der ersten 75 Jahre des vorigen Jahrhunderts war praktisch nichts davor sicher, von Sonia Delaunay auf eine einmalige und aufregend neue Weise gestaltet, zu einem Kunstwerk zu werden. Bis in das hohe Alter von 94 Jahren gelang es ihr dabei, zeitlos modern und »Avantgarde« zu sein – aktiv bis zu ihrem friedlichen Tod im Atelier.

Sonia Delaunay

Die Beschäftigung mit den »angewandten Künsten« darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass Delaunay in der modernen Malerei seit 1910 richtungsweisend war und viele der Strömungen vorweggenommen hatte sowohl in der Form als auch in der Wahl ihrer Materialien. Als sie nach einem Studium an der Kunstakademie von Karlsruhe 1905 nach Paris kam, ließ sie sich zuerst von Matisse und den Fauves, von Gauguin und van Gogh inspirieren: klare, großangelegte Farbflächen mit starken Konturen.

Als sie während ihrer Konvenienzehe mit dem deutschen Galeristen Wilhelm Uhde (dem Entdecker von Séraphine Louis) Robert Delaunay kennenlernt (und nach ihrer Scheidung heiratet), treffen zwei geniale Menschen aufeinander – der Beginn einer großen Liebe und einmaligen künstlerischen Partnerschaft. Aufbauend auf dem Text des Physikers Chevreul über den Simultankontrast von Farben, experimentieren die Delaunays mit Farbflächen und untersuchen die Veränderungen der Farb- und Tonwerte, die bei bestimmten Farbkonstellationen auftreten, um mit der gezielten Verwendung der Farbreaktionen die »lichterfüllte Natur« einzufangen.

Sonia malt mehrere Fassungen von dem Tanzlokal Bal Bullier, in dem allwöchentlich die KünstlerInnen die Nacht durchtanzen und in dem Sonias ›Simultankleider‹ Furore machen. Sie fängt die Atmosphäre von Licht und Bewegung mit durcheinanderwirbelnden Farbflächen ein – tanzende Paare tauchen höchstens schemenhaft auf. Noch abstrakter sind in Prismes électriques die Menschen auf dem Boulevard St. Michel unter den neuen elektrischen Straßenlaternen dargestellt: aufgelöst in Farbflächen konzentrischer Kreise.

Werke von Sonia Delaynay

Vom 1. Weltkrieg in Spanien überrascht, bleibt Delaunay mit ihrer Familie bis Anfang der 20er Jahre auf der iberischen Halbinsel. Die schöne unbeschwerte Zeit geht schlagartig zu Ende, denn mit der russischen Revolution entfällt die Unterstützung durch Sonias reiche Verwandten aus St. Petersburg. Es ist Sonia, die für viele Jahre auf ihren Lebensinhalt, das Malen, verzichtet und mit ihrer »Design-Boutique« den Unterhalt bestreitet – ihre außergewöhnlichen Kreationen sind erst in Spanien, dann in Paris ein ungeheurer Erfolg.

Mit der Weltwirtschaftskrise gehen auch Sonias Geschäfte nicht mehr so gut, 1930 gibt sie die Produktion auf und malt wieder. Als 1941 Robert Delaunay an Krebs stirbt, arbeitet Sonia unermüdlich daran, das Werk ihres
Mannes bekanntzumachen und seine herausragende Stellung in der modernen Kunstgeschichte zu manifestieren. Ihr eigener, ebenso großer Verdienst um die Moderne ist heute wohl unumstritten.

Dieser Text stammt aus dem Kalender Berühmte Frauen 2000

Werke von Sonia Delaynay

Adriane von Hoop

Baron 1995 – Sonia Delaunay

Damase c 1991 – Sonia Delaunay

Düchting c 1993 – Robert und Sonia Delaunay

Baron, Stanley (1995): Sonia Delaunay. Ihre Kunst – ihr Leben. (=Sonia Delaunay. The Life of an artist)
Ins Deutsche übersetzt von Thomas Plaichinger Unter Mitarbeit von Jacques Damase. München. Heyne. (Collection Rolf Heyne) ISBN 3-453-08709-7.
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Damase, Jacques (1972): Sonia Delaunay. Rhythms and colours.
Preface by Michel Hoog London. Thames and Hudson. ISBN 0-500-09087-4.
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Damase, Jacques (c 1991): Sonia Delaunay - Mode und Design.
Aus dem Französischen und Englischen von Andrea Spingler. Fotos: André Morain Zürich. Arche. ISBN 3-7160-2134-2.
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Delaunay, Jean-Louis, Gmurzynska, Krystyna und Rastorfer, Mathias (Hg.) (1997): Robert & Sonia Delaunay. International Esposition Paris 1937.
Text and introduction by Jean-Louis Delaunay Köln. Galerie Gmurzynska.
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Desanti, Dominique (1988): Sonia Delaunay, magique magicienne. Paris. Ramsay. ISBN 2-85956-667-8.
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Dorival, Bernard (1985): Sonia Delaunay. Leben und Werk.
Aus dem Französischen von Gabriele Ricke und Thomas Plaichinger München. Raben-Verlag. ISBN 3-922696-51-1.
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Düchting, Hajo (c 1993): Robert und Sonia Delaunay. Triumph der Farbe. Köln. Taschen. (Kleine Kunstreihe, 34) ISBN 3-8228-9629-2.
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Gagel, Hanna (2008): So viel Energie. Künstlerinnen in der dritten Lebensphase. Berlin , Grambin. AvivA. ISBN 978-3-932338-24-3.
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Gagel 2008 – So viel Energie

Hille 2002 – Fünf Malerinnen der frühen Moderne

Kuthy, Satonobu (Hg.) 1991 – Sonia & Robert Delaunay

Hille, Karoline (2002): Fünf Malerinnen der frühen Moderne. Leipzig. Reclam. ISBN 3-379-00797-8.
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Hülsewig-Johnen, Jutta (Hg.) (2008): Sonia Delaunays Welt der Kunst.
Übersetzung: David Riede Bielefeld , Leipzig. Kerber. (Kerber art) ISBN 978-3-86678-232-7.
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Kuthy, Sandor und Satonobu, Kuniko (Hg.) (1991): Sonia & Robert Delaunay.
Aus dem Französischen von Hubertus von Gemmingen. Kunstmuseum Stuttgart. Hatje. (Künstlerpaare – Künstlerfreunde) ISBN 3-7757-0359-4.
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Madsen, Axel (1989): Sonia Delaunay. Artist of the lost generation. New York. McGraw-Hill. ISBN 0-07-039457-1.
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Meyer-Büser, Susanne (Hg.) (2009): Marc, Macke und Delaunay. Die Schönheit einer zerbrechenden Welt (1910 - 1914). Hannover. Sprengel-Museum. ISBN 978-3-89169-207-3.
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Rennolds, Margaret B. (1987): National Museum of Women in the Arts. New York. Abrams. 1995. (Times mirror books) ISBN 0-8109-1373-9.
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Rubinger, Krystyna (1975): Sonia Delaunay. Retrospektivausstellung zum 90. Geburtstag. Köln. Galerie Gmurzynska.
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Schneede, Uwe M. und Schick, Karin (Hg.) (1999): Robert Delaunay, Sonia Delaunay - das Centre Pompidou zu Gast in Hamburg.
Ausstellungskatalog. Aus dem Französischen von Stefan Barmann und Catherine Henry Köln. DuMont. ISBN 3-7701-5216-6.
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Sello, Gottfried (1988): Malerinnen aus fünf Jahrhunderten. Hamburg. Ellert & Richter. ISBN 3-89234-077-3.
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Turner, Jane (Hg.) (1996): The dictionary of art. In thirty-four volumes.
Consulting ed. Hugh Brigstocke London. Macmillan; New York Grove’s Dictionaries Inc. ISBN 1-884446-00-0.
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Hinweis: Dies sind keine Literaturempfehlungen, sondern die zum Thema erschienenen Titel – ohne Wertung unsererseits.