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Ulrike Meinhof
geboren am 7. Oktober 1934 in Oldenburg
gestorben am 8. Mai 1976 in Stammheim
deutsche Journalistin und Politikerin
70. Geburtstag am 7. Oktober 2004
Mit sechs Jahren verliert Ulrike Meinhof ihren Vater, neun Jahre später stirbt ihre Mutter, und sie wächst unter der Vormundschaft der Historikerin Renate Riemeck (1920-2003) auf. Diese, nur vierzehn Jahre älter als Ulrike, setzt die christliche und antifaschistische Erziehung fort. Zunächst in der evangelischen Jugendarbeit aktiv, engagiert sich die Studentin ab 1958 im SDS, 1959 tritt sie der illegalen KPD bei.
Ulrike Meinhof kämpft gegen die atomare Aufrüstung, gegen Springer, gegen das militärische Engagement der USA in Vietnam. Ihre Kolumnen von 1959 bis 1969 in der konkret, deren Chefredakteurin sie seit 1960 ist, sind ein Beispiel von entschiedenem Journalismus und in der stickigen Luft der Regierungen Adenauer, Erhard und später der Großen Koalition meinungsbildend für Linke und Liberale.
Je radikaler sie wird, desto unerträglicher scheint ihr der Widerspruch zwischen politischem Kampf und ihrem privaten Leben. Sie verläßt Klaus Rainer Röhl, den sie 1961 geheiratet hatte, und zieht mit ihren Zwillingen 1968 nach Berlin.
1970 ist Meinhof an der Befreiung von Andreas Baader beteiligt. Einen Tag später ist sie die meistgesuchte Frau der Bundesrepublik. Sie geht in den Untergrund, wo sie den bewaffneten Kampf propagiert und die Rote Armee Fraktion gründet. Es gibt die ersten Sprengstoffanschläge. Verletzte und Tote sind zunächst nicht beabsichtigt, später kalkuliert. Die Solidarität der Linken, “der Schwätzer, für die sich der antiimperialistische Kampf beim Kaffeekränzchen abspielt” (U.M.), bröckelt.
Im Juni 1972 sind alle Gründungsmitglieder verhaftet. Eine qualvolle Zeit im Gefängnis beginnt für Ulrike Meinhof. Den Kontakt zu ihren Töchtern bricht sie plötzlich ab. Das Verhältnis zu den anderen Gruppenmitgliedern verschlechtert sich. Noch in der Isolationshaft ist sie isoliert. 1975 sagt sie vor dem Stammheimer Gericht: “Es gibt in der Isolation exakt zwei Möglichkeiten: Entweder Sie bringen einen Gefangenen zum Schweigen, das heißt er stirbt daran, oder Sie bringen ihn zum Reden.” In der Nacht vom 7. auf den 8. Mai 1976 setzt sie ihrem Leben in Stammheim ein Ende.
Katrin Grothe
Aust, Stefan. 1997. Der Baader-Meinhof-Komplex. Stark erweiterte uund aktualisierte Ausgabe Hamburg. Hoffmann u. Campe.
Ditfurth, Jutta. 2004. Ulrike Meinhof. Düsseldorf. Econ.
Krebs, Mario. 1988. Ulrike Meinhof: Ein Leben im Widerspruch. Reinbek bei Hamburg. Rowohlt.
Meinhof, Ulrike. 1987. Bambule: Fürsorge - Für wen? Berlin. Wagenbach.
Meinhof, Ulrike. 1992 [1980]. Die Würde des Menschen ist antastbar: Aufsätze und Polemiken. Nachwort Klaus Wagenbach. Berlin. Wagenbach.
Traitler, Reinhild. 1988. Briefe an die Unglücklichen. Zürich. Pendo.



