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Wera Iwanowna Sassulitsch

geboren am 29. Juli (8. August) 1849 in Michailowka, Russland
gestorben am 8. Mai 1919 in Petrograd, UdSSR

russische Revolutionärin


»Noch vor allen ›revolutionären Träumereien‹ […] machte ich dumme Pläne, wie ich wohl am besten einem Gouvernantendasein entgehen könnte: Ein Junge hätte es an meiner Stelle natürlich viel leichter gehabt, […] aber das ferne Trugbild einer Revolution machte mich einem Jungen gleich: Ich konnte über ›die Sache‹, ›Heldentaten‹ und ›den Kampf‹ träumen ...«

Wera Iwanowna SassulitschTräumereien, die Wera Sassulitsch schon früh in die Realität umsetzt: für ihre volksaufklärerischen Ambitionen, Teilnahme an politischen Zirkeln und vermeintlichen linksextremistischen Aktivitäten steht sie 1869 zwanzigjährig erstmals vor Gericht und wird zu zwei Jahren Haft verurteilt, denen vier Jahre Verbannung im Norden Russlands folgen.

1875 schließt sich die ausgebildete Lehrerin der Bewegung Gang ins Volk an. Der u. a. von ihr geleitete Kreis der Aufständischen wird jedoch 1877 zerschlagen. Von ZeitgenossInnen als enthusiastische und unermüdliche Kämpferin beschrieben, verharrt Sassulitsch nicht lange in der erzwungenen Untätigkeit.
Wera Iwanowna SassulitschAm 24. Januar 1878 geht sie durch das Attentat auf den Moskauer Stadtkommandanten Trepow, der widerrechtlich einen politischen Häftling hatte auspeitschen lassen, in die revolutionäre Geschichte ein. Die Tat polarisiert die Öffentlichkeit. Sensationellerweise wird Sassulitsch, die später jeden politischen Terrorismus ablehnt, freigesprochen, muss jedoch trotzdem emigrieren, da der Zar interveniert.

Im Genfer Exil entwickelt sie eine rege journalistische und politische Tätigkeit u. a. als Mitbegründerin der ersten russischen marxistischen Gruppierung Befreiung der Arbeit. Den Anstoß dazu gibt eine intensive Auseinandersetzung mit den Schriften von Marx und Engels, die durch einen Briefwechsel ergänzt wird. Sassulitsch übersetzt Werke der beiden ins Russische und unterstützt deren Rezeption durch eigene Artikel.

Wera Iwanowna Sassulitsch1899 lernt sie Lenin kennen, mit dem sie im folgenden in der Zeitschrift Der Funke zusammenarbeitet. Spätestens auf der II. Internationale dividieren sich die Positionen jedoch so weit auseinander, dass eine Zusammenarbeit unmöglich wird. Die überzeugte Sozialdemokratin Sassulitsch findet nach ihrer endgültigen Rückkehr nach Russland 1905 keinen Anschluss mehr an die dominierenden radikal-revolutionären Bolschewiki und steht auch – unbestechliche Zweiflerin und Idealistin in einer Person – der Oktoberrevolution 1917 skeptisch gegenüber. Nur anderthalb Jahre nach dieser politischen und persönlichen Niederlage stirbt Wera Sassulitsch, die zeit ihres Lebens der früh erträumten ›Sache‹  absoluten Vorrang vor ihrem von Entbehrungen und Einsamkeit geprägten Privatleben gab.

Text aus dem Kalender »Berühmte Frauen 1999«

Susanne Strätling


Quellen

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Weiterführende Literatur
Hinweis: Dies sind keine Literaturempfehlungen, sondern die zum Thema erschienenen Titel – ohne Wertung unsererseits.

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