29.08.2010

Der iPod und das iPad

Nachdem viele (ernstzunehmende!) Freundinnen mir versichert haben, sie könnten ohne ihr iPhone nicht mehr leben, erwäge ich nun, mir auch eins zuzulegen; schließlich möchte ich ja das Leben nicht verpassen.

Mit den Schwierigkeiten, nun das richtige iPhone und vor allem den richtigen Tarif zu finden, möchte ich die geneigte Leserin nicht langweilen. Wie üblich beschäftigt mich eher eine Sprachfrage, und zwar:

Warum heißt es der iPod, aber das iPad?

Warum es das iPhone heißt, ist ja klar, das kommt von das Telefon, wie der Lift von der Fahrstuhl, die Gangway von die Treppe undsoweiter. Der iPod kommt wahrscheinlich von seinem erfolgreichen Vorgänger, dem Walkman. Wir haben das Gerät natürlich Walkwoman genannt, aber auf uns hört ja keiner.

Das englische “iPad” ist wiederum von “iPod” abgeleitet - das erfolgreichste Musikabspielgerät der Welt sollte auf das neue Gerät abfärben, also wurde Familienähnlichkeit durch Namensähnlichkeit nahegelegt.

Alle i-Geräte (iPhone, iBook, iPod und iPad) sollen wohl der Konkurrenz und ihrem teuflisch erfolgreichen Benennungstrick PC (von “Personal Computer”) die Stirn bieten. Etwas spät ist es Apple eingefallen. Was ist “persönlicher” als “I” = ich?

Und siehe da - was Apple auf dem Computermarkt nicht gelungen ist, gelang ihnen auf dem Gebiet der MP3-Player und der Smartphones: Die Konkurrenz ist weit abgeschlagen.

Das Ipad tut sich allerdings noch ein bißchen schwer im Vergleich zu iPod und iPhone, und das mag an seinem Namen liegen. Die bekannte feministische Kolumnistin Ellen Goodman erklärte kürzlich in ihrer fabelhaften Kolumne “Mama Grizzly (and other setbacks)”:

Now to the Prize for Marketing Ms.-haps. What day of the month did the men at Apple come up with the name iPad? What more proof that they need more women employees?
Zu Deutsch: Und nun der Preis für Marketing-Miss-Griffe: An welchem Tag des Monats fiel den Apple-Mannen der Name iPad ein? Gibt es einen besseren Beweis dafür, dass sie mehr Frauen in ihrer Firma brauchen?

Um diese Kritik zu verstehen, muss frau wissen, dass “pad” nicht nur “Block” bedeutet wie in “Schreibblock” (writing pad), sondern auch “Monatsbinde” und “Slipeinlage” wie in “sanitary pad”.

Ich denke ja, dass die Apple-Jungs nicht so doof sind wie Ellen Goodman annimmt und sich bei iPad durchaus was gedacht haben. Der Anklang an writing pad und mouse pad gab natürlich den Ausschlag, aber die Assoziation an sanitary pad war sicher auch nicht unwillkommen, denn welcher Mann ist nicht von Menstruations- und Gebärneid geplagt, wie uneingestanden auch immer? Da bietet Apple mit seinem neuen High-Tech-Spielzeug “iPad” einen kleinen Trost an. Zwar kann der Mann (in aller Regel ;-)) nicht menstruieren, aber er hat nun auch seinen Pad!

Von daher müsste das iPad eigentlich die iPad heißen, von “die Monatsbinde”. Aber das deutschsprachige Apple-Marketing hatte wohl kein Sensorium für subtile Appelle an das männliche Unbewusste, sie dachten bei der Eindeutschung vermutlich an das Tablett (writing tablet). Und so müssen deutsche iPad-Benutzer und solche, die es werden wollen, sich mit einem Neutrum anfreunden. Es scheint ihnen schwer zu fallen.

Wir Frauen aber, die wir überhaupt an der Feminisierung der Welt arbeiten und schon unseren Nano in Nana umgetauft haben, greifen wie üblich zur Selbsthilfe und nennen das Gerät die Ipad. Von der Benutzung als Damenbinde oder Slipeinlage würde ich allerdings abraten, ist wahrscheinlich zu groß, zu schwer und auch nicht besonders saugfähig.

(Dank an Joey Horsley für den Hinweis auf Ellen Goodmans Kolumne zum 90. Jahrestag des Frauenstimmrechts in den USA)

Luise F. Pusch am 29.08.2010 um 02:01 PM