11.07.2009

Frauen satt und platt

Meine Freundin Brigitta Huhnke, promovierte Medienwissenschaftlerin, lebt am Puls der Zeit und beschickt mich regelmäßig mit den gröbsten Klöpsen aus dem Reich der fortschreitenden Patriarchose, so dass mir bisweilen schon vor dem Frühstück übel wird (wegen des Zeitunterschieds zwischen Hamburg und Boston).

Heute früh informierte sie mich über die “Flatrate im Bordell” und schickte Links zu Artikeln in der Frankfurter Rundschau. Ich habe keine Lust, diese Links hier einzubauen. Informieren Sie sich selbst bei Google oder Bing; Sie werden mehr finden, als Sie jemals wissen wollten.

Erfunden wurde das Flatrate-Bordell im März in Berlin; eine Bordellbesitzerin wollte mit diesem Schnäppchen-Angebot in der Wirtschaftskrise ihr Geschäft ankurbeln. Berlin nahm es anscheinend gelassen, als sie aber im Juni eine Filiale ihres “Pussy-Clubs” in Fellbach bei Stuttgart aufmachte, reagierte das Ländle mit heftigen Protesten.

Die Frage ist: Warum? Auch mir kam sofort die Galle hoch, als ich von der Flatrate im Bordell las, während ich mich mit “normalen” Bordellen und “normaler” Prostitution anscheinend irgendwie abgefunden habe, wie mit einem unausrottbaren Übel. Aber die Flatrate als weitere Drehung der Schraube überschritt bei mir und vielen anderen klar die Schmerzgrenze.

Die Flatrate im Bordell schreckt uns “Solide” hoch, weil sie die Verramschung der Frau nicht mehr als “Arbeit wie jede andere auch” beschönigt. Heißt es sonst “Kaffee und Kuchen satt” und “Telefonieren/Surfen so viel Sie wollen”, so bekommt nun eben der Freier für einen Festpreis (tagsüber 70 EUR, nachts 100) Sex bis zum Gehtnichtmehr, d.h. Frauen satt. “Sex mit allen Frauen! Solange, so oft und wie du willst” verspricht der Pussy-Club. Der Kuchen kann nur einmal vernascht werden, dann hat er es überstanden. Nicht so die Frau als Leibeigene des Plattrate-Freiers. Lea Ackermann von Solwodi, die es wissen muss, spricht von “Entfesselter Frauenerniedrigung”.

Das bißchen Wert, dass die “Sexarbeit” hat, wenn sie selbstbestimmt und als “Einzelleistung” erbracht wird, verflacht buchstäblich in der Flatrate. Der Freier will für sein Geld das Letzte aus dem Angebot rausholen, so wie er sich auch bei “Kaffee und Kuchen satt” regelmäßig überfrisst. Für zehnfaches Geficktwerden, Blasen oder sonstwas bekommt die Frau dasselbe wie für einmal. Sie wird nicht nur flachgelegt, sondern plattgemacht - symbolisch, psychisch und körperlich: Was macht der Pussy-Club mit einem Sexberserker, der auf sein “gutes Recht” pocht und immer noch “kann”, wenn alle “Pussys” schon total platt sind? Oder mit einer Horde Jungbullen auf Betriebsausflug, die es den Kollegen mal zeigen wollen?

Protestschreiben sollten vor allem an die SPD (und die Grünen) gehen, die die Prostitution zur “Arbeit wie jede andere auch” erklärten und die schließlich den Slogan erfanden “Leistung muss sich wieder lohnen”.

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Nachtrag am 15. Juli 2009:
Bigitta Huhnke und andere schickten Informationen, dass die Flatrate-Bordelle in Fellbach und Heidelberg geschlossen werden sollen bzw. schon geschlossen wurden:

SWR-Nachrichten

Nun wird es Zeit, das nur scheinbar “unausrottbare” Übel Prostitution überhaupt abzuschaffen, wie in Schweden:

“Glückliche Huren gibt es nicht” (Spiegel online Nov. 2007)

 

Luise F. Pusch am 11.07.2009 um 02:40 PM