01.03.2010
Nacktwanderer unter die Burka
img src=“http://vg02.met.vgwort.de/na/3b02e9fe69c849d2bd0d302aa74ae198” width=“1” height=“1” alt=”“>von Helke Sander
Es gibt schon genügend Schilderungen über Schreck und Scham angesichts in Burkas oder Tschadors eingesperrter Frauen.
Scham, das unmittelbar geschehen lassen zu müssen, denn die verhüllte Frau wird ja nicht vor unseren Augen zusammengeschlagen, so dass wir eingreifen könnten.
So wie sie hinter dem Mann hergeht, zeugt das von Routine.
Für mich und andere Beobachtende ist sie kaum Person, sondern Zeichen für Eingesperrtsein, nicht wegen eines besonderen Vergehens, sondern wegen ihres Geschlechts.
Ich kann ihr nicht zu Hilfe kommen, sie würde mich fürchten, mir ausweichen, ich würde ihre Lage verschlimmern.
Ihr Anblick macht mich nicht gegen sie aggressiv, sondern gegen die Menschen, die Macht über sie haben, gegen das System, auf das diese sich berufen und das in vielen Fällen schon eine so erfolgreiche Gehirnwäsche betreiben konnte, dass die Frauen mit dieser ihrer eingesperrten Lage einverstanden zu sein behaupten, weil sie nichts anderes kennen und Angst vor der Freiheit hätten, so wie viele Gefangene nach der Entlassung sich draußen fürchten und sich ins Gefängnis zurücksehnen, weil dort Klarheit über die eigene Position herrscht.
Die Ganzkörperverhüllung soll die Frauen vor den gierigen Blicken der Männer schützen, die so schwach sind, dass sie bei deren unverhülltem Anblick ihren Trieb nicht zügeln könnten.
Das Kontrastprogramm zu den Burkafrauen sind die deutschen Nacktwanderer und Nacktrodeler und Nacktbader. Sie rufen eine ganz andere Reaktion in mir hervor. Anders als bei der Burkafrau, die mein Mitgefühl hat, empfinde ich die Begegnung, ja schon die Schilderung von Nacktwanderern mit Rucksack, Wanderschuhen, Stock und Hut und sonst nichts als aggressiven Akt gegen mich. (Jetzt verlangen sie auch noch eigene, nur für sie reservierte Wanderpfade). Ich bin als Deutsche geradezu froh, dass die Kopftuch- Burka- und Tschadorfrauen die deutsche Wanderlust nicht teilen und vielleicht nicht mal was davon gehört haben, denn sie wären vermutlich noch mehr geschockt und verletzt, wenn sie mit der geballten und aggressiven Intimität fremder Körper in der Öffentlichkeit konfrontiert wären.
Diese Nackten berufen sich auf eine Art Naturrecht. Weil wir nackt zur Welt kommen, sagen sie, brauchen wir auch später keine Kleider, das sei sowieso denaturiert. Allerdings haben sich unsere behaarten Vorfahren schnellsten bekleidet, als sie in kältere Gegenden kamen und im Lauf der Jahrhunderttausende daraus ein Gefühl für Anstand und Geschmack entwickelt. Jugendliche wissen das offenbar noch. Die wandern nicht nackt, baden in der Öffentlichkeit normalerweise auch nicht nackt - obwohl sie ihren Mitmenschen wenigstens noch einen netten Anblick böten - und werden deshalb auch nicht für verklemmt gehalten. Die Nacktwanderer bestehen darauf, niemanden mit ihrer Nacktheit zu nahe treten zu wollen, sondern von einem Menschenrecht Gebrauch zu machen. Der Großteil ihrer Mitmenschen aber bestreitet genau das, und deshalb haben sich die Nackten auch noch nicht als Bankbeamte, Verkäuferinnen, Schaffner und Lehrerinnen durchsetzen können. Dieses „Menschenrecht“ versuchen sie nur in ihrer Freizeit zu etablieren. Sie sagen auch, keineswegs erotisch wirken zu wollen. Damit haben sie allerdings nur zu recht. Die normalen mittelalterlichen Zivilisationskörper sind bei Tageslicht und in großen Massen noch weniger anziehend als nachts bei Kerzenschein. Als ob es nicht schon reichen würde, im Sommer beleibte Fünzigjährige nur mit Trägerhemdchen und Leggins durch die Straßen watscheln zu sehen oder am Strand nackten Schmerbäuchen begegnen zu müssen, die sich nicht scheuen, auch in dieser Aufmachung die Cafés und Restaurants zu bevölkern und keinerlei Kleidercode gehorchen, der auch das ästhetische Empfinden ihrer Mitmenschen ins Kalkül einbezieht oder wenigstens einen Gedanken an die hier lebenden MigrantInnen verschwendet, denen bei dieser zur Schau gestellten Nacktheit wirklich kaum etwas anderes übrig bleibt, als diese Leute für die primitiven Barbaren zu halten, die sie tatsächlich sind. Angesichts der 14.000 Nacktrodeler vor kurzem im Harz kann man geradezu Sympathie mit den Mullahs bekommen. Selbst die brunftigen Patres wären bei diesem Anblick vermutlich vor Missetaten gefeit. Aber das hieße wirklich, den Teufel mit Beelzebub auszutreiben.
28.2.2010
Luise F. Pusch am 01.03.2010 um 12:52 PM
