23.02.2008

Papst sind wir nicht - wir sind Impressionistin

Gestern wurde die Impressionistinnen-Ausstellung der Schirn-Kunsthalle in Frankfurt eröffnet. Ihr braucht jetzt nicht gleich alle hinzurennen, sie läuft noch bis Anfang Juni.

Wenn frau nach “Impressionistinnen” googelt, fragt Google vorsichtshalber: “Did you mean: Impressionisten” - zeigt dann aber doch das Gewünschte.

In der Hannoverschen Zeitung (HAZ) von heute berichtet Johanna di Blasi in dem Artikel “Der Impressionismus ist feminin” über die “große und großartige Ausstellung”. “Ohne feministisches Eiferertum” werde da das gängige Impressionismusbild “anhand von rund 150 hochkarätigen Ölbildern und Pastellen aus bedeutenden Museen” korrigiert und ergänzt.

Ich frage mich, während ich den Artikel lese, was die Autorin wohl mit dem “feministischen Eiferertum” meint. Vielleicht Äußerungen wie diese: »Ich glaube nicht, dass es jemals einen Mann gegeben hat, der eine Frau als absolut gleichgestellt behandelt hat und das war alles, was ich je verlangt habe – denn ich weiß, ich bin genauso gut wie die Männer.«

1890, als die Impressionistin Berthe Morisot sich dergestalt erdreistete und ereiferte, gab es den Feminismus noch gar nicht richtig. Und wenn doch - Feministin war sie bestimmt keine, und Eiferertum kommt ja auch in der Ausstellung nicht vor.

Dergleichen kann also nicht gemeint sein.

Auf die Frage, wieso Morisot “später derart in Vergessenheit” geriet, antwortet die Kuratorin Ingrid Pfeiffer, “die nachfolgende Kritikergeneration sei schuld daran… Gestalten wie der ‘Kunsthistorikerpapst’ Julius Meier-Graefe hätten einen von Frauen bereinigten Kanon aufgestellt, der das Bild des Impressionismus bis heute bestimme.” Und di Blasi fährt fort: “Die in den USA heute als Star angesehene Mary Cassatt (1844–1926), eine von etwa tausend damals in Paris malenden Amerikanerinnen, hat Meier-Graefe in seinen Überblicksdarstellungen ebenfalls unterschlagen.”

Auch diese für das männliche Kultur-Establishment doch peinlichen Enthüllungen über fiese Unterschlagungen und bedenkliche “Bereinigungen” sind wohl kein “feministisches Eiferertum”, denn die Impressionistinnen-Ausstellung und di Blasi sind ja lobenswerterweise frei davon.

Über Marie Bracquemond, eine der vier ausgestellten Impressionistinnen, erfahre ich auf der Webseite der Ausstellung: “Marie hört auf Drängen ihres Ehemannes Felix Bracquemond nach und nach auf, zu malen. 1916 stirbt Marie zurückgezogen am 17. Januar in Sèvres.” Mit anderen Worten: Das letzte Drittel ihres Lebens durfte die einst so erfolgreiche Malerin nicht mehr malen, weil ihr Mann es so wollte.

Also das ist doch wohl das Allerletzte, so möchte frau sich echauffieren angesichts all dieser Zumutungen, mit denen die Impressionistinnen zu kämpfen hatten und mit denen die Ausstellung uns konfrontiert. Und angesichts der Zumutung für uns Kunstfreundinnen, denen ein Verdikt von Papst Julius (Meier-Graefe) eine frohgemute Identifikation mit den großen Impressionistinnen bis heute versaut, pardon: verebert hat.

Hat sich da in den letzten Absatz vielleicht feministischen Eiferertum eingeschlichen? Kann nicht sein, ich bin doch kein Eiferer. Eiferin? - schon eher. Was bleibt uns auch übrig angesichts all der päpstlichen Unfehlbarkeit.

(Dank an Anne Beck und Cornelia Heuer für die Infos über die Impressionistinnen-Ausstellung)
Nachtrag: Marianne Krüll schickte den Hinweis auf einen erfreulichen Artikel von Julia Voss zu der Impressionistinnen-Ausstellung, im FAZ.Net.

Luise F. Pusch am 23.02.2008 um 06:53 PM