09.08.2009

Rabatte, Rabatte

Rabatte für umweltfreundliches Konsumverhalten sind in. In Deutschland belebte die sogenannte Abwrackprämie das Geschäft, Monate später holen die USA nach mit “Cash for Clunkers” (natürlich viel flotter benannt als unsere Aktion, die niemand aussprechen kann).

Das Bordell “Maison d’Envie” (dt. Haus der Lust bzw. des Neids) in Berlin ist auch nicht von gestern und bietet seinen Kunden einen Ökorabatt. Er “gilt in Verbindung mit einem gültigen Fahrausweis/Umweltkarte (bitte vorzeigen) der öffentlichen Berliner Verkehrsmittel sowie für Gäste die uns mit dem Fahrrad besuchen.” 30 Minuten “Service” kosten bspw. 50 EUR, für den Öko-Freier hingegen nur 45 EUR. Prozentual noch günstiger kommt der Öko-Schnellficker weg, er spart bei 15 Minuten Service nicht nur ein Zehntel, sondern gleich ein Sechstel: 25 statt 30 EUR für “1 x Verkehr ohne Extras oder Handentspannung”.

Das mag uns alles sehr fragwürdig vorkommen, aber das Bordell will halt sein Image aufbessern und uns weismachen: “Wir sind keine x-beliebige Schmuddelbude, sondern eine Einrichtung, die sich aktiv für den Umweltschutz einsetzt.”

Über die seltsamen Prioritäten grüner Männer sagte Alice Schwarzer schon vor Jahrzehnten: “Was nützt uns ein ökologisch gesunder Wald, wenn wir darin vergewaltigt werden?”

Dass das Bordell durch die unanständige Verkoppelung eines “ehrenwerten Anliegens” mit der Ausbeutung armer Frauen mindestens die Hälfte der ökobewussten Menschen, die Frauen, verprellt, kann ihnen ja egal sein - Frauen gehören nicht zu ihrer Kundschaft.

Unerträglich aber wird es, wenn sich “ehrenwerte” Organisationen “dranhängen”. Die Tierschutzorganisation PETA fand die Idee so originell, dass sie dem Bordell nahelegte, auch Vegetariern einen Bonus einzuräumen. Sinngemäß: “Vegetarier zeigen ihr Herz für Tiere und schonen die Umwelt noch mehr als Radfahrer. Sie verdienen erst recht eine Belohnung.” Dass die Belohnung darin besteht, mehr arme Frauen benutzen und beschmutzen zu können - kein Thema!

Zu dieser Nachricht gab es viele Online-Kommentare. Die meisten gingen gegen den Vegetarismus, andere fanden es blöd, einen Bonus zu fordern für etwas, was sich sowieso nicht nachprüfen lasse. Nur eine Stimme entrüstete sich darüber, dass PETA die Tiere offenbar schützenswerter findet als die Frauen.

Auch Hitler war Vegetarier und Hundefreund.

Diese Männer mit ihren guten Taten. Sie erinnern an die Vergewaltigungsexzesse unserer “BeFreier” (Helke Sander) nach dem zweiten Weltkrieg und an die UN-“Friedens"soldaten im ehemaligen Jugoslawien, die den Frauenhandel dort gewaltig belebt haben.

Zum Trost eine Geschichte von einem Rabatt der anderen Art: Unsere italienischen Freundinnen besuchten uns in Boston und machten per Schiff einen Ausflug nach Provincetown auf Cape Cod, einer der drei Hochburgen der US-amerikanischen Lesben- und Schwulenbewegung. In einem winzigen Geschäft kauften sie bei einer alten Frau eine Kate-Clinton-DVD. Im Hinausgehen merkten sie, dass sie nicht den angegebenen Preis bezahlt hatten, sondern 3 Dollar weniger. Sie gingen zurück und wollten den Rest noch bezahlen. “No no”, sagte die Frau, “that’s the rebate for lesbians.”

(Dank an Anne Beck für die Hinweise auf die Bordellrabatte für Umwelt- und Tierschützer. Auf deren Seiten mag ich hier keine Links legen.)

Luise F. Pusch am 09.08.2009 um 12:41 AM