12.04.2008

Schluß mit der Duldungsstarre

Berit, Angelika, Juanita und ich saßen kürzlich mal wieder gemütlich im Restaurant bei Flammkuchen und Bier; diesmal feierten wir das Erscheinen von Die Eier des Staatsoberhaupts. Berit hatte mir Stoff für die nächste Glosse mitgebracht - ein verrücktes Wort, das sie eben erst kennengelernt hätte: Duldungsstarre.

Uns schwante nichts Gutes, wir konnten uns schon allerlei Unschönes denken. Frau ist ja nicht weltfremd. Wir alle kennen den Rat “Augen zu und an England denken”, den viktorianische Mütter ihren Töchtern für die Hochzeitsnacht mitgaben.

Berit zog einen Zettel aus der Tasche und las vor: “Die Duldungsstarre bezeichnet einen Zustand vor allem weiblicher Säugetiere ... während der Begattung durch das Männchen. Dabei verharrt das Weibchen in einer für die Penetration günstigen Stellung, bis der Geschlechtsakt vollzogen ist. Beim Schwein wird die völlige Apathie durch ein Duftdrüsen-Sekret des Ebers ausgelöst.” (aus Wikipedia)

Das erinnerte uns fatal an sogenannte “Date Rape Drugs” - “Drogen, mit denen die Opfer hilflos bzw. willenlos gemacht werden, sodass sie nicht imstande sind, sich einem Geschlechtsverkehr zu widersetzen. Oftmals können sie sich nicht mehr erinnern, was geschah. Die Drogen sind normalerweise farblos, ohne Geruch oder Geschmack und können somit leicht ohne das Wissen des Opfers in Getränke gemischt werden.“ (zitiert nach www.drogen-wissen.de)

Also von den Ebern haben die Unholde sich das abgeschaut.

Ich hatte auch ein neu gelerntes Wort beizusteuern, Gattenekel, geprägt von Thomas Mann und quasi das Pendant zur Duldungsstarre. Manns Schwester Julia war morphiumsüchtig, und sie brauchte die Droge anscheinend, um ihren Gattenekel zu überwinden und ihre Duldungsstarre selbst herbeizuführen. Als auch das nicht mehr half, brachte sie sich um. Dazu Thomas Manns Sohn Golo in seinen Erinnerungen: “Wenn [in dem Roman ‘Lotte in Weimar’] ... im inneren Monolog Goethes die Schwester Cornelia an ‘Gattenekel’ leidet, so litt Julia auch daran, und wer den Hofrat Löhr kannte, mag es begreifen. Ihre Neigung zum Morphium ... kam von daher; was der Bankier nur zu oft von ihr wollte, konnte sie ohne das erlösende Gift nicht prästieren.”

Deutliche Worte, wie wir Frauen sie aus Männermund höchst selten vernehmen. Wahrscheinlich waren Mann Vater & Sohn nur deshalb dazu fähig, weil sie als Schwule die „ehelichen Pflichten/Freuden“ selber skeptisch sahen.

Arme Julia. Armes Schwein. Aber Julia noch mehr - anders als die arme Sau nahm sie dem Ekelgatten sogar noch die Arbeit der Narkotisierung ab.

Also Mädels: Schluß mit der Duldungsstarre. Augen auf, und an uns selber denken! Und gegen Gattenekel hilft zuverlässig eine Scheidung.

Luise F. Pusch am 12.04.2008 um 07:36 PM