03.02.2012
Verstopfung im Urinalmuseum Lüchow
Kaum hatte ich am 16. Januar meine Glosse „Über das Urinieren auf Leichen und Frauen“ veröffentlicht, da machten Männer mit ihrem Urin schon wieder Schlagzeilen. Die Urinale im Männerklo des neuen Rolling-Stones-Museums in Lüchow sehen aus wie weit geöffnete, grell geschminkte Frauenmünder – gierig, den „Urinsekt“ zu empfangen. Als Frauen sich über diese sexistische Entgleisung beschwerten, wie zuvor schon in New York und in Wien, wurde ihnen wie üblich „Humorlosigkeit“ vorgeworfen. Zudem betonte der Museumsbesitzer, die Urinale - sie heißen übrigens „Kisses“ - seien von einer Künstlerin gestaltet worden und wären schweineteuer gewesen.
Mich wundert vor allem, dass MÄNNER sich nicht über die Zumutung beschweren, in Frauenmünder pinkeln zu sollen. Da m.W. aber von männlicher Seite keine Proteste eingegangen sind, müssen wir schließen, dass Männer im Durchschnitt tatsächlich so frauenfeindlich sind, wie wir es schon immer befürchtet haben.
Hätte das Museum „im Scherz“ das Klopapier mit Bibelsprüchen oder Koransuren bedrucken lassen, hätte es einen Riesenaufstand gegeben. Die Papierrollen, ob künstlerisch gestaltet, schweineteuer oder was auch immer, wären umgehend verschwunden, und der Museumsbesitzer hätte eine Strafanzeige wegen Religionsbeschimpfung bekommen.
Es wäre auch mal interessant zu erfahren, wie das Publikum, insbesondere die Nutzer der künstlerischen Pissoirs, reagieren würden, wenn die Urinale als Männermünder stilisiert würden, sagen wir mit einem feschen Schnurrbart. Die Klobrillen und -schüsseln in den Damentoiletten könnten auf dieselbe Weise zu hoher Kunst werden.
Sicher hätten die Männer Humor und Kunstverstand genug, das alles witzig und künstlerisch wertvoll zu finden. Nur die Frauen, schätze ich mal, würden diese abartigen Klos meiden und sich beschweren.
Aber wer sagt denn, dass wir ALLES ohne Gegenwehr „schlucken“ müssen?! Ein kleiner Vorschlag an die Besucherinnen der Damentoiletten im Stones-Museum Lüchow: Tampons, Hygienebinden und dergleichen wandern ab sofort direkt ins Klo, nicht in das Eimerchen daneben! Dessen Inhalt wandert vielmehr auch ins Klo. Heillose Verstopfung wird nicht lange auf sich warten lassen. Wenn die Damentoiletten verstopft sind, wird die Aktion in den Herrentoiletten fortgesetzt. Dazu künstlerisch gestaltete Haftzettel auf den Klodeckel kleben: „Die Verstopfung wird aufhören, wenn die sexistischen Urinale verschwunden sind.“
Die Rolling Stones hätten sicher ihre Freude an dieser anarchischen Frauen-Kunst-Aktion.
Dieses einfache Rezept für ebenso kunstsinnigen wie durchschlagenden weiblichen Widerstand lässt sich vielfach variieren. Den Freier, der zur „Gesichtsbesamung“ ansetzt, könnte z.B. eine oral applizierte „bluttriefende Tamponade“ gehörig aus dem Konzept bringen ...
Luise F. Pusch am 03.02.2012 um 10:48 PM
