Puccini: Tosca (Gesamtaufnahme / Mailand 1953)
Puccini: Tosca
(Gesamtaufnahme / Mailand 1953)
von Giacomo Puccini
Dirigent: Victor de Sabata
mit Maria Callas (Sopran), Giuseppe di Stefano (Tenor), Tito Gobbi (Bariton), Franco Calabrese (Baß), Angelo Mercuriali (Tenor), Melchiorre Luise (Baß), Dario Caselli (Baß), Alvaro Cordova (Tenor), Chor der Mailänder Scala, Orchester der Mailänder Scala
2 Audio-CDs EUR 19,99
Erscheinungsdatum: 1. Dezember 2001
Label: EMI Classi (EMI Vertrieb)
Mein Kommentar:
Alle Callas-KennerInnen sind sich einig, daß ihre Tosca unter de Sabata mit di Stefano und Gobbi nicht nur die ultimative Callas-Aufnahme, sondern überhaupt eine Sternstunde der Schallplattengeschichte ist, weil alle Beteiligten auf höchstem Niveau agieren.
Was soll ich noch mehr dazu sagen? Vor dreißig Jahren mußte ich aus beruflichen Gründen ganz plötzlich und eilig Italienisch lernen. Ich lernte es mit Hilfe dieser berühmten Tosca-Aufnahme, indem ich mir die deutsche neben die italienische Textfassung legte, außerdem ein Vokabelheft anlegte. Wie frau weiß, ist beim Vokabellernen Wiederholung ratsam – und zu endloser Wiederholung neigte ich bei dieser Musik sowieso!
Meine italienischen Kollegen im Forschungsprojekt fanden mein Italienisch zwar etwas opernhaft, aber charmant.
Luise F. Pusch am 30.04.2006
Antonio Vivaldi: Juditha Triumphans
Antonio Vivaldi: Juditha Triumphans
mit Magdalena Kozena, Maria Jose Trullu, Marina Comparato, Anke Herrmann, Tiziana Carraro, Coro dell’Accademia di Santa Cecilia, Academia Montis Regalis
Dirigent Alessandro de Marchi
Preis: EUR 35,99
Erscheinungsdatum: 23. Juli 2001
Label: Opus 111; Vertrieb: Helicon
Mein Kommentar:
Im letzten Sommer habe ich “die ultimative feministische Oper” Juditha Triumphans von Vivaldi schon einmal angepriesen. Ich schrieb damals u.a.:
“Judith, die Heldin des alten Testaments, schlägt dem feindlichen General Holofernes den Kopf ab und rettet dadurch ihr Land. Die Handlung ist also schon mal schwer in Ordnung. Hinzu kommt, daß alle Rollen von Frauen gesungen werden und daß Juditha und ihre Dienerin Abra einander innigst zugetan sind, die Heldinnentat gemeinsam planen und durchziehen und ihren tiefen Gefühlen füreinander in langen überirdisch schönen Arien Ausdruck verleihen – dagegen wirkt Don Josés Blumenarie geradezu blaß. Es gibt inzwischen mehrere Aufnahmen, aber die mit Dominguez und Cundari aus den sechziger Jahren bleibt unübertroffen.”
Dem ist nun jubelnd hinzuzufügen: Es gibt eine neue Aufnahme, die an den stimmlichen Glanz der alten heranreicht und die sich darüberhinaus im Glanz der neusten Aufnahmetechnik präsentiert. Und klangtechnisch haperte es bei der alten doch leider sehr!
Die KritikerInnen – einschließlich Stimmen-Experte Jürgen Kesting - sind sich einig, daß dies eine in jeder Hinsicht (bis hin zur sorgfältigen Ausstattung) herausragende Edition ist. Besonders hervorzuheben ist die Leistung der jungen tschechischen Mezzosopranistin Magdalena Kozena in der Titelpartie. “If you are not totally transported by her aria Veni, me sequere fida with its glorious melody and seductive soprano chalumeau (an early cousin to the clarinet) accompaniment, you should have a doctor check your pulse”, meint Frank Cadenhead. Dem kann ich nur zustimmen. Übrigens: Diese Arie singt Juditha für Abra.
Luise F. Pusch am 30.04.2006
Franz Schubert Streichquintett C-Dur, D.956
Franz Schubert
Streichquintett C-Dur, D.956
Nomos Quartett (Martin Dehning, 1. Violine, Sonja-Maria Marks, 2. Violine, Friederike Koch, Viola und Sabine Pfeiffer) mit Klaus Kämper, Violoncello
Amphion, Juli 2000
Audio-CD.
Mein Kommentar:
Schuberts C-Dur-Quintett, komponiert in seinem Todesjahr, 1828, ganz ungewöhnlich besetzt nicht mit zwei Bratschen, sondern zwei Celli, ist für mich das kühnste und bewegendste Werk der Kammermusik.
“Vor dem C-Dur-Quintett verneigen sich alle Menschen, denen Musik etwas bedeutet, glücklich bewundernd - oder sie schwärmen”, schreibt Joachim Kaiser.
Schubert ist besonders für ausdrucksgehemmte Menschen eine große Hilfe, die selbst im schneidendsten Schmerz noch zwanghaft Haltung bewahren. Solche Menschen können Schubert an ihrer Stelle sprechen lassen.
Von den vielen Einspielungen, die es gibt, liebe ich besonders die mit Rostropowitsch und dem Emerson Streichquartett und die neue mit dem Nomos-Quartett. Aber Rostropowitsch & Emerson sind alles Männer, während das Nomos-Quartett zu drei Vierteln weiblich besetzt ist.
Luise F. Pusch am 30.04.2006
Gebrauchte Lieder: Maren Kroymann
Gebrauchte Lieder
Maren Kroymann
begleitet von Jo Roloff & Band
Live-Mitschnitt aus der Bar jeder Vernunft, Berlin.
Label: Hörkunst 2001.
Audio-CD.
Mein Kommentar:
Maren Kroymann singt keine neuen, sondern gebrauchte Lieder, second-mouth songs sozusagen. Es sind auch eigentlich keine Lieder, sondern Schlager, Hits, aus den 50er und 60er Jahren. Das war die Zeit ihrer (und auch meiner) Kindheit & Jugend. Als inzwischen herangereifte Fanin serviert sie, gekonnt und artig begleitet von Jo Roloff und seinen Go-Go-Boys, die Oldies mit einer unwiderstehlich charmanten Mischung aus Verehrung und sanfter bis bissiger Ironie. Musikalisch kann sie es mit den Originalen von Elvis über Caterina Valente bis Udo Jürgens und Dusty Springfield ohne weiteres aufnehmen. Aber während z.B. Elvis nur den Elvis-Stil beherrschte, verfügt diese virtuose Stimmen-Imitatorin und Parodistin über eine reiche Palette an Gesangsstilen.
Maren Kroymann behauptet in ihren witzigen und intelligenten Zwischentexten, sie habe diese Lieder gebraucht, um erwachsen zu werden und das Erwachsenwerden auszuhalten. Ich nehme es ihr nicht ab - diese Frau ist so stark und begabt, die brauchte wohl auch damals keinen Elvis, um durch die präfeministischen 50er und 60er Jahre zu kommen. Aber es ist ein hübscher Trick, um ein breites, retrogewandtes Publikum zu erreichen, glänzend zu unterhalten und auch noch mit leichter Hand feministisch anzureichern. Sehr brauchbare Lieder.
Luise F. Pusch am 30.04.2006
1200 Curfews: Indigo Girls
1200 Curfews
Indigo Girls
Label: Sony.
2 CDs.
Mein Kommentar:
Die Indigo Girls mit ihrem Live-Doppelalbum 1200 Curfews von 1995 halte ich in Sachen Rock/Pop/Folk für unübertreffbar. Der Musikkritiker Steve Morse vom Boston Globe urteilt: “They open their hearts more fully, more nakedly, more intensely than just about any other act on the road today”. Ich kenne mich nicht so aus, aber es scheint mir mehr als plausibel. Phantastische Stimmen, mitreißende Songs, hinreißend vorgetragen. Morse schreibt auch, daß sich ihre Songs wie Gebete lesen, “but in execution, they come across as high-energy, acoustic-driven rock’n’roll”. Stimmt genau - und diese Mischung ist unwiderstehlich. Die Texte sind dem Album nicht beigefügt, finden sich aber hier im Internet.
Luise F. Pusch am 30.04.2006
Joseph Haydn
Joseph Haydn
Die kompletten Klaviersonaten
Ursula Dütschler, Riko Fukuda, Stanley Hoogland, Yoshiko Kojima, Bart van Oort / Klavier
Label: Brilliant Classics. DDD.
Zweitausendeins. Bestell-Nr. 51420.
Mein Kommentar:
Neben den Klaviersonaten ihres Bruders, die wir hier bereits in der Aufnahme von Klára Würtz besprochen haben, dürfte Nannerl Mozart auch viele der Klaviersonaten Haydns gekannt und gespielt haben. Von diesen mag es ebenbürtige Aufnahmen geben, aber schwerlich bessere und sicher nichts preislich auch nur annähernd Günstiges wie die Gesamtaufnahme von Brilliant Classics, gerade frisch herausgekommen bei Zweitausendeins: Pro Sonate werden hier nicht mehr als 50 Pfennig verlangt.
Drei Pianistinnen und zwei Pianisten - jedeR bestreitet 2 CDs, alle aufgenommen im Herbst 2000 - spielen auf Originalinstrumenten vom Ende des 18. Jahrhunderts oder auf originalgetreu nachgebauten Hammerklavieren (Fortepianos) von heute diese lange unterschätzten Werke Haydns, die erst seit dem Einsatz Alfred Brendels wieder häufiger erklingen. Aber selbst Brendel spielte sie nur in Auswahl, meist die späten Sonaten. Nun können wir sie dank des enzyklopädischen Zugriffs des CD-Zeitalters alle genauer kennenlernen.
Luise F. Pusch am 30.04.2006
Georg Friedrich Händel
Georg Friedrich Händel
Die großen Oratorien - Judas Maccabäus, Solomon, Semele, Theodora
Maureen Forrester, Mark Deller, Helen Watts, Robert Tear, Felicity Palmer, Heather Harper, John Shirley Quirk, u.a.
English Chamber Orchestra / Johannes Somary
Label: Brilliant Classics. Aufnahmen von Vanguard. ADD.
Mein Kommentar:
Die Box mit den 4 großen Oratorien ist so überwältigend, daß ich noch einige Zeit brauchen werde, mich hindurchzuhören. Verschenkt habe ich sie schon des öfteren, und zwar wg. der CD Nr. 2 von Theodora (Schluß des 2. Aktes und 3. Akt). Von einem Oratorium Theodora hatte ich zuvor nichts gehört. Es ist ein wunderbares Spätwerk Händels, das er im Juli 1749 komponierte. Heather Harper, Maureen Lehane und Maureen Forrester singen zum Dahinschmelzen.
Bei Zweitausendeins gibt es diese erstaunliche Box sogar für 30 DM. Bei anderen Labels kostet Theodora allein, ohne die drei anderen Oratorien, 39, 70, oder 117 DM. Zu diesen vermutlich nicht musikalisch, sondern allenfalls aufnahmetechnisch besseren, weil voll digitalen Versionen wird die kostenbewußte Hausfrau nur im Notfall greifen.
Luise F. Pusch am 30.04.2006
Antonio Vivaldi
Antonio Vivaldi
Juditha triumphans. Oratorium
Oralia Dominguez, Mezzosopran
Emilia Cundari, Sopran, u.a.
Orchestra da camera dell’Angelicum di Milano
Leitung: Alberto Zedda
Label: SARX ANGELICUM 1998
Mein Kommentar:
Die ultimative feministische Oper ist Juditha Triumphans von Vivaldi, komponiert für das Waisenhaus für Mädchen in Venedig, an dem er fast vierzig Jahre unterrichtete. Daß sie wegen der lateinischen Sprache als Oratorium eingestuft wird, tut ihrem Operncharakter keinen Abbruch. Judith, die Heldin des alten Testaments, schlägt dem feindlichen General Holofernes den Kopf ab und rettet dadurch ihr Land. Die Handlung ist also schon mal schwer in Ordnung. Hinzu kommt, daß alle Rollen von Frauen gesungen werden und daß Juditha und ihre Dienerin Abra einander innigst zugetan sind, die Heldinnentat gemeinsam planen und durchziehen und ihren tiefen Gefühlen füreinander in langen überirdisch schönen Arien Ausdruck verleihen—dagegen wirkt Don Josés Blumenarie geradezu blaß. Neben Händels Alcina (mit Joan Sutherland in der Titelrolle) war dies schon immer meine Lieblingsoper. Es gibt inzwischen mehrere Aufnahmen, aber die mit Dominguez und Cundari aus den sechziger Jahren bleibt unübertroffen.
Luise F. Pusch am 30.04.2006
Luise Pusch Buch Empfehlung
Lesbisch makes the world go round
Satirische Lesbengesänge
Carolina Brauckmann
Audio-CD. 1994.
Mein Kommentar:
Carolina Brauckmann hat eine phantastische, sehr erotische Stimme, sie erfindet wunderbare Melodien und Arrangements Marke Ohrwurm, sie begleitet sich selbst auf Klavier oder Gitarre und schreibt ihre Texte selbst, sehr intelligente, witzig-melancholische Texte. Wieso also verkauft dieses Super-Multitalent ihre CDs über einen kleinen Vertrieb, wieso ist sie nicht so bekannt wie die Knef oder Marlene in ihren Spitzenzeiten? Hilde und Marlene konnten beide nicht singen, Hilde komponierte ihre Songs nicht selbst, und Marlene dichtete weder noch komponierte sie. Warum also ist die so viel bessere Brauckmann nur Insiderinnen bekannt? Weil es in der Musikbranche wie überall nicht nur um Talent geht, sondern auch um (Selbst)vermarktung. Dem Massenappeal steht bei Brauckmann ihre Kompromisslosigkeit als politische Künstlerin im Weg. Carolina ist Lesbe, und sie ist sich zu schade, diese Tatsache zugunsten einer besseren Vermarktung zu verbergen, im Gegenteil: Der Lesbenalltag ist ihr Thema und ihre Inspiration. Ähnlich wie bei Marlene und Knef der Heteroalltag. Die Frauen-Lesben-Szene dankt es Carolina mit rauschenden Erfolgen bei ihren Veranstaltungen. Wir sind hingerissen von ihren Songs. Wir freuen uns, daß wir in unseren Reihen sowas Tolles haben. Was aber die KonsumentInnen der Mainstreamkultur betrifft, so sind sie zu bedauern. Sie können sich aber jederzeit aus ihrer Misere befreien und bald auch Carolina hören, wenn sie hier klicken (Bestell-Link leider inzwischen veraltet).
Luise F. Pusch am 30.04.2006
Johann Sebastian Bach
Johann Sebastian Bach
Kantaten Vol. II
Ruth Holton, Sopran; Sytse Buwalda, Altus; Nico van der Meel, Tenor; Knut Schoch, Tenor; Bas Ramselaar, Bass.
Pieter Jan Leusink, Holland Boys Choir und das niederländische Bach Collegium
BWV 92-54 & 44
BWV 111, 159, 165 & 22
BWV 114-57 & 155
BWV 98-188 & 23
BWV 135-86-85 & 167
5 Audio-CDs. 2001.
Label: Brilliant Classics.
Mein Kommentar:
Passend zum Bachmann-Jubiläum die Bachkantaten ; )
Letztes Jahr tauchten in meiner Drogerie (Rossmann) die dicken CD-Pakete der Bach-Gesamtausgabe von Brilliant Classics auf, im Grabbelkasten zwischen Haarspray und Toilettenpapier. Der unwahrscheinliche Fundort paßte zu den unwahrscheinlichen Preisen: Pro CD etwa drei Mark, macht pro Kantate eine Mark. Die meisten meiner FreundInnen kaufen an so ungediegenem Ort und zu solchen Schleuderpreisen keine Klassik-CDs, aber diese Plattenfirma (im Internet zu finden unter dem schönen Namen Joan Records) hatte mich schon des öfteren positiv überrascht, und so “wagte” ich den Kauf des zweiten Volumes ihrer 12teiligen Gesamtausgabe der Bachkantaten (für 16,50 DM kann frau ja nicht allzuviel falsch machen). Inzwischen habe ich die restlichen 11 Volumes hinzugekauft und außerdem zahllose Freundinnen etc. mit den Kantaten beglückt. Obwohl ich dem alten Patriarchen die Behandlung des weiblichen Teils seiner Familie bis heute nicht verzeihe, bin ich doch nach wie vor eine überzeugte Anhängerin seiner Musik. Tja.
Die Gesamtausgabe ist DIE Gelegenheit, sich auch mit den ca. 180 unbekannteren der 198 Bachkantaten allmählich vertraut zu machen. Aufnahmetechnik und Interpretation sind erstklassig, Besetzung streng werkgetreu, alles auf Originalinstrumenten. Persönlich mag ich lieber etwas “altmodischere” Besetzungen mit einem gemischten statt einem reinen Knabenchor, mit einem echten Alt statt einem Altus - aber, wie gesagt, bei DIESEN Preisen ... Und die wunderbare Sopranistin Ruth Holton behauptet sich sehr eindrucksvoll gegen die männliche Übermacht.
Luise F. Pusch am 30.04.2006
Mozart: Sämtliche Klaviersonaten
W. A. Mozart
Sämtliche Klaviersonaten
Klára Würtz, Klavier
5 Audio-CDs. 2001.
Label: Brilliant Classics.
Mein Kommentar:
Fünf herrliche CDs zu dem lächerlichen Preis von 20 DM (manchmal bei Zweitausendeins noch billiger). Die junge Pianistin Klára Würtz spielt so, wie Mozart es sich vorgestellt haben mag. Ich höre die - im besten Sinne “unaufdringliche” - Musik auch gern im Hintergrund bei konzentrierter, aber geistloser Arbeit, wie etwa Korrekturlesen. Als “generisches” Geschenk/Mitbringsel für fast jeden Geschmack so gut geeignet, daß ich immer einen Vorrat für überraschende Anlässe parat habe.
Luise F. Pusch am 30.04.2006
Giovanni Battista Pergolesi
Giovanni Battista Pergolesi:
Stabat Mater
Margaret Marshall, Sopran
Lucia Valentini Terrani, Alt
Claudio Abbado und das London Symphony Orchestra
Audio-CD. 1985.
Label: Deutsche G. DM 39,99
Mein Kommentar:
Das Stabat Mater des mit 26 Jahren verstorbenen Pergolesi (1710-36) gehört zu den beliebtesten Werken der Sakralmusik - es gibt unzählige Aufnahmen davon. Auch ich kann von dem süßen, schwermütigen Dialog der beiden Frauenstimmen nicht genug bekommen. Von allen Aufnahmen, die ich bisher gehört habe, gefällt mir diese am besten, vor allem wegen Lucia Valentini Terrani (1946-98), die vor drei Jahren mit 51 Jahren an Leukämie starb. Ein entsetzlicher Verlust, über den auch Cecilia Bartoli nicht hinwegtrösten kann, deren Repertoire sich mit dem der Terrani teilweise deckt (bes. Rossini). Der Medienrummel um Bartoli hat Terrani in den letzten Jahren ihres Lebens völlig zu Unrecht in den Hintergrund gedrängt, finde ich.
Luise F. Pusch am 30.04.2006
Robert Schumann
Robert Schumann
Klavierkonzert/Violinkonzert
Martha Argerich, Klavier
Gidon Kremer, Geige
Nicolaus Harnoncourt und das Chamber Orchestra of Europe
Audio-CD. 1994.
Label: TELDEC DM 39,99
Mein Kommentar:
Kaum zu glauben, daß Martha Argerich diese Woche, am 5. Juni 2001, sechzig wird. Möge sie uns noch lange erhalten bleiben!
Das 1994 aufgenommene Schumann-Klavierkonzert ist - neben seiner g-moll-Sonate - meine Lieblingsaufnahme mit ihr. Dieses immer wieder abgenudelte Hauptstück der musikalischen Romantik, bei dem ich kaum noch hinhören mochte, wirkte auf mich in ihrer Live-Aufnahme elektrisierend neu (ich empfehle Lauschen unter dem Kopfhörer). Argerich spielt mit unglaublicher Rasanz und Attacke, Wildheit und Präzision. Wie heißt es doch manchmal bei Schumann: “So schnell wie möglich” und dann “noch schneller”. Diese Art Wahnsinn schafft nur Argerich.
Und die lyrischen Passagen? Auch sie werden wieder lebendig, wozu natürlich auch Harnoncourt und das Chamber Orchestra of Europe gehörig beitragen. Daß Kremer das schöne, oft als Werk eines zerstörten Geistes mißachtete Violinkonzert wunderbar interpretiert, ist ja selbstverständlich.
Luise F. Pusch am 30.04.2006
Sweet Honey in the Rock: Sacred Ground
Sweet Honey in the Rock: Sacred Ground
Audio-CD. 1996..
Label: Earth Beat DM 35,99
Mein Kommentar:
“Sweet Honey in the Rock” - das sind sechs phantastische afroamerikanische Sängerinnen. A cappella, d.h. ohne Instrumentalbegleitung, entfalten sie in der Gruppe und solistisch eine unglaubliche Intensität und stimmliche wie rhythmische Virtuosität (die beiden Bässe bilden ein mal samtiges, mal stählernes Fundament), die nie Selbstzweck ist. Die Frauen sind den
Traditionen des schwarzen und des feministischen Widerstands verpflichtet. Die Gruppe besteht in wenig wechselnder Besetzung seit 1973. In den USA sind sie Kult und füllen mühelos die größten Konzertsäle; in Deutschland sind sie noch viel zu wenig bekannt.
Luise F. Pusch am 30.04.2006
W. A. Mozart: Violinsonaten KV 378, 304, 376, 301
W. A. Mozart: Violinsonaten KV 378, 304, 376, 301
Clara Haskil (Klavier)
Arthur Grumiaux (Violine)
Audio-CD. Oktober 1984.
Label: Philips (Universal Vertrieb)
Mein Kommentar:
Diese wunderbare Aufnahme begleitet mich nun seit über 40 Jahren (zuerst als LP); sie ist so frisch wie am ersten Tag. Mitreißendes Zusammenspiel zwischen der einzigartigen Haskil und dem kongenialen Grumiaux.
Luise F. Pusch am 30.04.2006










