FemBio-Special: Pionierinnen der Frauenbewegung

Antoinette Brown Blackwell

Amerikanische Frauenrechtlerin: Pastorin, Rednerin und Schriftstellerin

geboren am 20. Mai 1825 in Henrietta, New York
gestorben am 5. November 1921 in Elizabeth, New Jersey


Sie ist bekannt geworden als die erste ordinierte Pastorin in den Vereinigten Staaten, aber sie übte diesen Beruf nur kurze Zeit aus. Durch ihre philosophisch-wissenschaftlich-theologischen Schriften und besonders durch ihre Auftritte als Rednerin und Predigerin wurde Antoinette Brown Blackwell zu einer führenden Gestalt der ersten amerikanischen Frauenbewegung.

Als siebte von zehn Kindern wuchs Antoinette Brown im Staat New York auf. Schon als Kind zeigte sie Frömmigkeit und Wissensdurst. Der Vater ließ sie an der Monroe-Akademie in Henrietta ausbilden, wo sie mit sechzehn schon als Lehrerin angestellt wurde. Aber sie wollte Pastorin werden – ein unmöglicher Wunsch. Antoinette blieb trotzdem unbeirrt. 1846 zog sie allein nach Ohio und schrieb sich am Oberlin College für den “Kurs für junge Damen” ein. Dort lernte sie die sieben Jahre ältere Lucy Stone kennen, mit der sie bald eine enge Freundschaft verband. Die beiden kämpften zuerst gegen die Bestimmung, daß Frauen in den Kursen nur zuhören und nicht sprechen durften. Brown studierte dann Theologie, 1850 machte sie ihren Abschluß, aber erst 1908 verlieh ihr das Oberlin College nachträglich den theologischen Ehrendoktor.

Von einer kleinen Gemeinde in South Butler, New York, wurde Brown schließlich berufen und ordiniert. Ihr Lebensziel schien erreicht, aber nach einer Glaubenskrise legte sie ihr Amt nieder. Sie hatte schon auf dem ersten nationalen Kongress der FrauenrechtlerInnen im Jahre 1850 eine Rede gehalten, und ihr Rednerinnen–Talent wurde bald legendär. Sie setzte sich für die Abschaffung der Sklaverei ein und nahm aktiv an der Temperenzbewegung teil.

1856 wurden die FrauenrechtlerInnen Lucy Stone und Antoinette Brown zu Schwägerinnen, da sie innerhalb eines Jahres Henry und Samuel Blackwell heirateten, die beiden emanzipierten Brüder der bedeutenden Ärztinnen Elizabeth und Emily Blackwell. In beiden Fällen wurde die Ehe bewußt als neues Modell der Gleichheit geführt. Obwohl Antoinette Brown Blackwell zwischen 1856 und 1869 fünf Töchter gebar, ging sie mit voller Unterstützung ihres Mannes immer wieder auf lange Vortragsreisen. In ihren späteren Schriften betonte sie, daß es nicht genüge, den Frauen die Arbeitswelt zu öffnen. Männer mußten gleichzeitig lernen, sich am Haushalt und an der Kindererziehung zu beteiligen.

Brown Blackwell glaubte, daß Frauenerziehung und das Recht auf Arbeit genau so wichtig seien wie das Wahlrecht. Nicht nur die politische, sondern auch die ökonomischen und sozialen Rollen mußten geändert werden. Allerdings ignorierte sie in ihren Schriften die Klassenunterschiede. Nach 1870 trat Brown Blackwell zur Unitarischen Kirche über. Sie versuchte, Wissenschaft und Glauben miteinander zu versöhnen, zum Beispiel in Studies in General Science, 1869. 1875 veröffentlichte sie The Sexes Throughout Nature, worin sie neben den physiologischen Aspekten des Geschlechts auch die psychologischen untersuchte. Inzwischen war die Frauenbewegung in zwei Fraktionen zerfallen. Brown Blackwell blieb mit allen befreundet und versuchte, Stone und Stanton miteinander zu versöhnen. 1890 begrüßte sie dann die Gründung eines wiedervereinten Frauenvereins.

Bis ins höchste Alter blieb Antoinette Brown Blackwell noch vielseitig tätig. Sie baute eine kleine unitarische Gemeinde in Elizabeth (New Jersey) auf, wo sie regelmäßig predigte, bereiste Alaska, Europa und Mittel-Amerika und veröffentlichte bis 1915 philosophische Schriften 1920 übte Alice Brown Blackwell – mit 95 Jahren! – als einzige ihrer Generation von FrauenrechtlerInnen sogar ihr Stimmrecht bei der amerikanischen Präsidentenwahl aus.

Original der gekürzten Fassung aus Pusch/Gretter, Berühmte Frauen: 300 Portraits, Bd 2

Margaret E. Ward

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Hedwig Dohm