FemBio-Special: Berühmte Frauen berühmter Männer

Constance Wilde

(Constance Mary Lloyd Wilde)

geboren am 2. Januar 1858
gestorben am 7. April 1898 in Genua

englische Kinderbuchautorin; Ehefrau von Oscar Wilde
115. Todestag am 7. April 2013


BiografieLiteratur & Quellen


Biografie

Constance Lloyd hatte immer unter einem Joch gelebt: Zuerst unter dem ihrer grausamen Mutter, dann unter dem einer mäkligen Tante. Oscar Wilde wurde für sie “zum Perseus, dem sie sich in Liebe und Dankbarkeit verpflichtet fühlte” (Ellman).

“Die meisten Männer und Frauen werden gezwungen, Rollen zu spielen, für die sie nicht geschaffen sind”, heißt es in Lord Arthur Saviles Verbrechen von Oscar Wilde. Damit umreißt der Autor sein eigenes Dilemma. Warum und seit wann er für die Ehe nicht geschaffen war - darüber streiten sich die BiographInnen bis heute.

Dabei war der Beginn der Beziehung von beiden Seiten euphorisch: Im November 1883 schreibt Constance ihrem Bruder Otho: “Mach dich auf eine große Überraschung gefaßt! Ich habe mich mit Oscar Wilde verlobt und bin wahnsinnig glücklich.” Auch Oscars wenige erhaltenen Briefe (nach der Katastrophe, der öffentlichen Demütigung und Verurteilung Wildes wegen Homosexualität 1895, wurden viele Briefe des Paares zerstört) zeugen von einem starken Gefühl. Es steht außer Frage, daß Constance und Oscar bei ihrer Eheschließung am 29. Mai 1884 und bis nach der Geburt ihres zweiten Kindes (die Söhne Cyril und Vyvyan kamen in ziemlich rascher Folge) im November 1886 sehr ineinander verliebt waren.

Constance Lloyd, Tochter aus einer angesehenen Juristenfamilie, war hochbegabt (und nicht etwa dumm, wie manche Wilde–Biographen unterstellen). Sie fesselt Wilde zuerst durch ihre Intelligenz; sie ist (im Gegensatz zu ihm) musikalisch und spielt con spirito Klavier; “ihre Neigungen verteilten sich auf Musik, Malerei und Stickkunst, sie konnte Dante im Original lesen (was sie auch tat), verfügte über einen logisch–mathematischen Verstand und plauderte gern, obwohl sie eigentlich schüchtern war” (Ellman). Auch literarisch tat sie sich hervor: Sie lieferte Beiträge für die von Oscar herausgegebene Frauenzeitschrift The Woman’s World, veröffentlichte zwei Bücher mit Geschichten für Kinder und stellte 1895 eine Auswahl von Oscars Epigrammen unter dem Titel Oscariana zusammen.

Sie trat auch öffentlich auf und hielt Reden; zeitweise war sie aktives Mitglied der Frauenbewegung. Zwei Jahre lang edierte sie außerdem die Rational Dress Society’s Gazette, die dafür eintrat, daß Frauen sich nicht unbedingt modisch, sondern in erster Linie bequem und vernünftig kleiden.

Zu dieser Zeit, um 1889, führte Oscar Wilde wohl längst ein Doppelleben; vorgeblich wurde das Wiederausbrechen einer alten Syphiliserkrankung zum Anlaß für seine homosexuellen Praktiken. Andere Biographen sagen, daß nach dem zweiten Kind der Ekel Wildes vor seiner Frau zunahm. Zu keiner Zeit scheint Constance geahnt zu haben, daß ihr geschwollener Leib ihm zunehmend widriger wurde. Frank Harris gegenüber soll Wilde sich beklagt haben: “Als ich damals geheiratet habe, war meine Frau noch ein schönes Mädchen, blaß und schlank wie eine Lilie, mit springlebendigen Augen und einem fröhlichen perlenden Lachen, das wie Musik klang. Doch nach ungefähr einem Jahr war der blumengleiche Zauber völlig dahin. Sie wurde füllig, unförmig, häßlich. Unsagbar elend, mit verzerrtem, fleckigem Gesicht und schrecklich entstelltem Körper, schleppte sie sich durchs Haus, eine Kranke dank unserer Liebe. Es war furchtbar. Ich habe versucht, nett zu ihr zu sein, mich gezwungen, sie zu küssen, aber sie war ständig unwohl, und ach! - ich darf gar nicht daran denken, es ist alles so ekelerregend…” In einem Brief an seinen Freund Ross bekennt Wilde, im Gefängnis: “Ich war von dem Eheleben zu Tode gelangweilt.”

Immerhin war Wilde daran mitbeteiligt, und dies scheinen die Biographen, angefangen bei Ransome, dem Hyde folgt, und ähnlich Funke, gern zu übersehen. Nur die Biographie Ellmans unterscheidet sich wohltuend von diesem Unisono.

Zweifellos waren Constance und Oscar grundverschieden. Doch Constance hielt auch nach der Verurteilung zu ihm; in eine Scheidung willigte sie trotz Anratens ihrer Verwandten nicht ein. Sie wandte sich erst von ihm ab, als er sein Versprechen brach und sich nach der Freilassung doch wieder mit seinem Geliebten Lord Alfred Douglas traf. Nur wenige Monate darauf starb Constance, erst vierzig Jahre alt, am 7. April 1898.

 

Sulamith Sparre

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Literatur & Quellen

Amor, Anne Clark. 1983. Mrs Oscar Wilde, A Woman of some Importance. London. Sidgwick & Jackson.

Bentley, Joyce. 1983. The Importance of Being Constance. New York. Beaufort Books.

Ellman, Richard. 1991 [1987]. Oscar Wilde. Aus d. Engl. von Hans Wolf. München. Piper.

Funke, Peter. 1969. Oscar Wilde in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Neubearb. 1990; Erg. 1995. Reinbek b. Hamburg. rororo monographie 148.

Holland, Vyvyan. 1965. Oscar Wilde: Eine Bildbiographie. München. Kindler.

Hyde, Montgomery. 1982 [1975]. Oscar Wilde: Triumph und Verzweiflung. [= Oscar Wilde]. Aus dem Engl. von Angela Djuren. München. Heyne TB 88.

Kohl, Norbert. Hg. 1976. Oscar Wilde: Leben und Werk in Daten und Bildern. Frankfurt/M. Insel TB 158.

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Hedwig Dohm