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Freya Stark

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geboren am 31. Januar 1893 in Paris
gestorben am 9. Mai in 1993 in Asolo, Norditalien

Englische Orient- und Forschungsreisende, Reiseschriftstellerin
20. Todestag am 9 Mai 2013


BiografieLiteratur & Quellen


Biografie

Sie wuchs in einem weltoffenen Haus auf, wurde in Italien und England erzogen und beherrschte schon als Kind mehrere Sprachen. Reiten und Bergsteigen gehörten zu ihrer Ausbildung. Freya Stark entwickelte sich zu einer unkonventionellen Frau; ihre Mutter und Großmutter waren entsprechende Vorbilder. Sie konnte sich sowohl in eleganten Salons bewegen als auch mit Armut und körperlicher Anstrengung umgehen.

Obwohl von zarter und kränklicher Konstitution, war Freya Stark zäh und ausdauernd. 1912 begann sie ein Geschichtsstudium am Bedford College in London, das sie jedoch nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges abbrach, um als Krankenschwester in Bologna zu arbeiten. Sie hatte Probleme mit ihrem Selbstwertgefül, sie kam sich linkisch und unattraktiv vor, weil sie von ihrer Mutter selbstgeschneiderte Kleider tragen musste. Später, als sie eigenes Geld hatte, fiel sie wegen ihrer eleganten und extravaganten Kleidung auf.

Eine mit einem Arzt in Bologna geschlossene Verlobung löste sich bald wieder auf. Geschockt ging Freya nach London, wo sie eine Zeitlang als Zensorin von Auslandsbriefen arbeitete – eine gute Vorbereitung für ihre spätere Zusammenarbeit mit dem Informationsministerium in London als Expertin für den Nahen Osten während des Zweiten Weltkriegs.

Von 1917 bis Kriegsende war sie wieder in Italien als Krankenschwester tätig. Nach dem Krieg schenkte ihr der Vater, er war Bildhauer von Beruf, ein kleines Landgut bei Mortola an der Riviera, wo sie Wein, Gemüse und Blumen anbaute. Von dort fuhr sie regelmäßig nach London, um an der School of Oriental Studies arabische Sprachkurse zu besuchen. Inzwischen wuchs der Wunsch in ihr, in den Orient zu fahren, um dort die Sprachen zu lernen. Sie bewarb sich – ohne Erfolg – um die Stelle einer Gouvernante für die irakischen Prinzessinnen am Hofe von Bagdad.

1927 schließlich landete sie im Libanon. Sie war inzwischen Mitte dreißig, unverheiratet und sah für sich keine sinnvolle Perspektive für ein weiteres Leben zu Hause. Vom Libanon reiste sie nach Damaskus, nahm weiterhin Arabischunterricht und verkehrte, zum Befremden der Kolonialgesellschaft, mit der einheimischen Bevölkerung. Eine erste gefährliche Tour brachte sie in das unter Kriegsrecht stehende Gebiet der Drusen. Sie hätte ermordet werden können.

Nach sieben Monaten Reisen im Orient kehrte sie nach London zurück, um Zeichenkurse zu besuchen. Sie wollte sich auf künftigen Reisen selbst Landkarten anfertigen. 1929 begann Freya Starks nächste Reise in den Orient. Sie fuhr über Damaskus nach Bagdad, verkehrte dort sowohl im Kreise der englischen Diplomaten und Offiziere als auch bei den Einheimischen und unternahm in ausschließlich irakischer Begleitung - ein damaliger Verstoß gegen den kolonialen Sittenkodex – Ausflüge zu Beduinen in die Wüste.

1930 brach Freya Stark – inzwischen hatte sie auch Persisch gelernt – nach Persien auf. Das Ziel ihrer Reise war, die von Europäern noch unerforschten Täler der Assassinen zu besuchen, um geographische und archäologische Studien durchzuführen. Die Assassinen waren fanatisierte Anhänger einer Sekte des schiitischen Islam, die den Mord an ihren Feinden religiös begründete. Ihnen wird der Genuß von Haschisch nachgesagt, der sich in der Bezeichnung "Haschschaschun" = Haschischraucher ausdrückt. Die französischen Kreuzritter bildeten aus "Haschschaschun" das Wort "Assassin", das als Bezeichnung für Mörder in die romanischen Sprachen einging. Die Herrschaft der Assassinen entstand im 11. Jahrhundert und endete im 13. Jahrhundert durch die Eroberung der Mongolen.

Auf dem Rücken eines Maulesels, mit Feldbett und Moskitonetz ausgerüstet, ritt Freya Stark mit einem einheimischen Führer zu den auf ihrer Landkarte noch nicht eingezeichneten Tälern bei Alamut. Malaria, Herzschwäche, Denguefieber und Ruhr plagten sie, doch sie setzte ihre Reise und ihre Studien fort. Wieder in Bagdad, erhielt sie in Kolonialkreisen große Anerkennung; mit einem Schlag galt sie als ernstzunehmende Forscherin.

Freya ging zurück nach England, nahm Kontakt auf zur Royal Geographical Society, vertiefte ihre geographischen und kartographischen Kenntnisse und rüstete sich für ihre nächsten Reisen. Sie bereiste Kurdistan, Persien, den Jemen, Ägypten, den Irak und Indien, studierte Land, Leute und deren Kultur, fertigte Landkarten an und entwickelte sich zu einer bald berühmten und vielfach ausgezeichneten Expertin dieser Länder. Sie hielt Vorträge in der Royal Central Asian Society und im BBC.

Die Kriegsjahre verbrachte Freya Stark wieder im Orient, diesmal allerdings als Beraterin der britischen Kolonialverwaltung. Ihre Kenntnisse arabischer Sitten und Mentalität wurden eingesetzt, um die Bevölkerung in pro-britischem Sinne zu beeinflussen. In Aden produzierte sie entsprechende Radiosendungen auf Arabisch. Sie war fest davon überzeugt, daß britische Politik nicht nur den britischen Interessen, sondern auch denen der einheimischen Bevölkerung entspräche. Das Verhältnis zwischen Kolonialverwaltung und einheimischer Bevölkerung verglich sie mit dem zwischen Eltern und Kindern.

Freya StarkDie letzte Zeit des Krieges verbrachte sie in Indien am Hof des britischen Vizekönigs. Bei politischen Unterredungen lernte sie Gandhi und Nehru kennen. Auf Parties, Ausflügen und Tanzveranstaltungen war sie ein gern gesehener Gast. Sie war eine begehrte Tanzpartnerin, und ihre extravagante Kleidung war immer wieder Gesprächsthema. Nach dem Krieg fuhr Stark zurück nach Asolo, dem Ort ihrer Kindheit. Sie wurde vom britischen Informationsministerium als politische Beraterin zur Verbesserung der Beziehungen zu Italien engagiert.

Die im September 1947 mit dem englischen Diplomaten Stewart Perowne geschlossene Ehe – sie war 54 Jahre alt, er 46 – währte nur vier Jahre. Nach der Trennung plante sie Reisen nach Kleinasien, betrieb zur Vorbereitung Geschichtsstudien und lernte mit beinahe 60 Jahren die türkische Sprache. Ein Ehrendoktorat der Universität Glasgow fiel in diese Zeit. Sie verfaßte Bücher über die Türkei und über Mesopotamien zur Römerzeit und ein Buch über Alexander den Großen.

Trotz körperlicher Gebrechen und Krankheiten gab sie das Reisen nicht auf. Mit 76 war sie wieder in Persien, davor in Afghanistan und im Irak, mit 86 Jahren reiste sie ins Gebirgsmassiv des Annapurna im Himalaya. 1972 wurde sie geadelt und konnte sich "Dame Freya Stark" nennen.

Freya Stark verarbeitete ihre vielfältigen Erfahrungen in zahlreichen, vielbeachteten Reiseberichten und in politischen und philosophischen Schriften, die zum Teil auch ins Deutsche übersetzt wurden. Ihre Bücher werden auf der ganzen Welt gelesen.

Die letzten Jahre ihres langen Lebens (sie wurde über hundert) verbrachte sie in Asolo.

Sibylle Duda

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Literatur & Quellen

Geniesse, Jane Fletcher. 2001. Passionate Nomad: The Life of Freya Stark. Modern Library.

Potts, Lydia. Hg. 1988. Aufbruch und Abenteuer: Frauen-Reisen um die Welt ab 1785. Berlin. Orlanda.

Robinson, Jane. 1991. Wayward Women: A Guide to Women Travellers. Oxford; New York. Oxford University Press,

Russell, Mary. 1981. FrauenReisen: Vom Segen eines guten festen Rocks. Die Lebensgeschichten weiblicher Abenteurer und Entdecker. München. Goldmann TB 9808.

Stark, Freya. 1948 [1936]. Die Südtore Arabiens. Eine Reise in den Hadramaut. Hamburg; Stuttgart.

Stark, Freya. 2001 [1936]. Durch das Tal der Mörder: Reisen in Persien zu Beginn der 1930er Jahre. Hg. Gabriele Habinger. Promedia.

Stark, Freya. 2002. Pässe, Schluchten und Ruinen. Sierra Taschenbuch.

Stark, Freya. 1961. Dust in the Lion’s Paw. Autobiography 1939-1946. London. John Murray.

Stark, Freya. 1995. Freya Stark in Southern Arabia (Freya Stark Archives). Hg. Malise Ruthven. Garnet Publishing.

Stark, Freya. 1996. Baghdad Sketches. Einleitung Barbara Kreiger. Northwestern University Press.

Stark, Freya. 2001. The Southern Gates of Arabia: A Journey in the Hadhramaut. Modern Library.

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Hedwig Dohm
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