FemBio-Special: Berühmte Malerinnen
Gabriele Münter
geboren am 19. Februar 1877 in Berlin
gestorben am 19. Mai 1962 in Murnau
deutsche Malerin
130. Geburtstag am 19. Februar 2007
Ihre Erziehung war geprägt vom Pioniergeist und Freiheitswillen ihrer wohlhabenden deutsch-amerikanischen Eltern, die ihre Ausbildung zur Malerin unterstützten. Nach dem frühen Tod der Eltern, erstem, privatem Zeichenunterricht in Düsseldorf und einem zweijährigen Amerikaaufenthalt zog Gabriele Münter 1901 nach München. Weil Frauen zu dieser Zeit keine Aussicht auf einen Studienplatz an einer Kunstakademie hatten, trat die emanzipierte junge Frau in die “Phalanx"-Schule von Kandinsky ein, der bald nicht nur ihr Lehrer, sondern auch ihr Geliebter war. “Es hängt sehr viel ab von Dir. Du kannst nicht alles, aber nur durch Dich kann ich zu wirklich Großem kommen”, schrieb ihr der anderweitig Verheiratete im Oktober 1905. Da hatte er ihr längst die Ehe versprochen.
Das Künstler-Paar unternahm zwischen 1904 und 1908 lange Reisen, nach Tunis, an die Riviera, nach Paris, wo Münter unter dem Eindruck von Matisse und den anderen Fauves zu einer ganz neuen Malweise klarer Formen fand. 1909 kaufte Münter in Murnau ein Haus, in dem sie die Sommermonate mit Kandinsky verbrachte. Es entwickelte sich rasch zum Treffpunkt der Münchner Avantgarde: Marianne Werefkin, Alexej Jawlensky und die späteren “Blauen Reiter” Franz Marc und August Macke gehörten zu den regelmäßigen BewohnerInnen der “Russen-Villa.” 1911 stellte sie zusammen mit Kandinsky und Franz Marc aus: ihr künstlerischer Durchbruch.
Zwischen 1915 und 1920 lebte Münter in Skandinavien, um Kandinsky näher zu sein, der vor Kriegsbeginn nach Rußland gezogen war. 1917 verschwindet Kandinsky kommentarlos aus ihrem Leben. Daß er 1917 zum zweiten Mal geheiratet hat, erfährt Münter erst Jahre später. “Bei mir ist es, als wenn Sand gestreut worden wäre – Asche – und eine dicke Schicht auf meinem Leben und meinen Gefühlen läge ... Jemand muß kommen und aufkratzen und wegschaufeln ...”
Seit 1929 lebte Münter mit dem Kunsthistoriker Johannes Eichner zusammen. Während der Zeit des Nationalsozialismus hatte sie Ausstellungsverbot. Die einstige Avantgardistin und Pionierin der neuen Kunst konnte sich erst 1949 – als 72jährige – mit der Gedächtnisausstellung “Der Blaue Reiter in München” wieder der Öffentlichkeit präsentieren und mit darauffolgenden Ausstellungen aus dem Schatten Kandinskys lösen. 1926 noch hatte sie enttäuscht festgestellt: “Ich war in vieler Augen doch nur eine unnötige Beigabe zu Kandinsky. Daß eine Frau ein ursprüngliches, echtes Talent haben und ein schöpferischer Mensch sein kann, das wird gern vergessen.”
Susanne Gretter
Gabriele Münter 1877-1962. Retrospektive, Städtische Galerie im Lenbachhaus, München 29.7.-1.11.1992 und Schirn Kunsthalle Frankfurt 29.11.1992-10.2.1993. Hg. v. Annegret Hoberg & Helmut Friedel. München. Prestel.
Gabriele Münter 2007. Art Kunstkalender. Korsch Verlag.
Gabriele Münter 2007. Kunstkarten-Einsteckkalender. Fink Verlag.
Kleine, Gisela. 1998. Gabriele Münter und Wassily Kandinsky. Frankfurt/M. Suhrkamp TB 2807.
Hoberg, Annegret. Hg. 2000. Wassily Kandinsky und Gabriele Münter in Murnau und Kochel 1902-1914: Briefe und Erinnerungen. München. Prestel.









