FemBio-Special: Berühmte Italienerinnen

Giulietta Masina

(Giulia Anna Masina)

geboren am 22. Februar 1921 in San Giorgio di Piano (nahe Bologna)
gestorben am 23. März 1994 in Rom

italienische Schauspielerin; Frau von Federico Fellini
20. Todestag am 23. März 2014


BiografieZitateLiteratur & Quellen


Biografie

Die Filmfiguren der tragikomischen Gelsomina (La Strada, 1954), der Prostituierten Cabiria (Die Nächte der Cabiria, 1957) und der betrogenen Ehefrau Giulietta (Julia und die Geister, 1965) begründen Masinas Weltruhm und verknüpfen sie unauflöslich mit dem Regisseur dieser Filme - ihrem Ehemann Federico Fellini. Ihre schauspielerische Leistung und prägende Rolle in Fellinis Filmen ist jedoch komplexer als es das eindimensionale Bild der loyalen Ehefrau, der filmischen Verkörperung männlicher Frauenphantasien und des naiv-verletzlichen Clowns andeutet.

Ihre Eltern, eine Lehrerin und ein ehemaliger Berufsviolinist und späterer Kassierer in einer Kunstdüngerfabrik, unterstützen die künstlerische Begabung ihrer Ältesten.

Während ihres Literaturstudiums an der Universiät Rom steht sie als zierlicher, androgyner Typ in erstaunlicher Rollenvielfalt auf studentischen Theaterbühnen. Sie wirkt auch im Ensemble des Teatro comico-musicale am Rundfunksender EIAR mit, wo sie im Herbst 1942 Fellini kennenlernt. Kaum ein Jahr später heiraten beide mitten im Kriegschaos. An einer Fehlgeburt einige Monate darauf und dem Tod eines wenige Wochen alten Sohnes im Frühling 1945 tragen sie schwer.

Ihr Filmdebut hat Masina in Rossellinis Paisà (1946); zwei Jahre später erhält sie den italienischen Kritikerpreis für die beste Nebenrolle in Lattuadas Ohne Gnade. Nach weiteren Theaterengagements gewinnt sie 1951 den Donatello-Preis für ihre Rolle in Fellinis Regiedebut (mit Lattuada), Lichter des Varietés; 1958 in Cannes den Preis für die Hauptrolle in Die Nächte der Cabiria.

Masina gilt als der weibliche Chaplin, als Charakterschauspielerin in der Tradition der großen Stummfilmdiven, die mit ausdrucksstarker Mimik und Gestik alle emotionalen Schattierungen wortlos vermitteln kann. Das selbstreflektierende und selbstbewusste Element der sichtbar gemachten Verwundbarkeit und Lebendigkeit ist dabei leicht zu übersehen. Aber es ist genau dies, was Fellini fasziniert. Masina ist nicht nur Vehikel seiner Inspiration oder Verkörperung des Enigmas Frau, sondern auch eine schauspielerisch eigendynamische Kraft, die über Film und Regisseur hinausweist. Wenn Masina von ihrer Ehe zu Fellini sagt, dass sie sich gegenseitig erzogen hätten, so gilt das ebenso für die gegenseitig ermöglichten künstlerischen Ausdrucks(frei)räume, wie es ihre letzte Zusammenarbeit in Ginger und Fred (1985) noch einmal verdeutlicht.

 

 

Imke Lode

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Zitate

Sie ist eine große, für das Kino geborene Schauspielerin wie die Garbo, wie die Davis, wie (einmal das Geschlecht beiseite gelassen) Gary Cooper. Ein Gesicht und ein Können, die nicht im Filmgeschäft erworben, sondern mit dem Kino natürlich verwandt sind. (1953, Filmkritiker Giuseppe Marotta)

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Literatur & Quellen

Fellini, Federico. 1974. Julia und die Geister: Idee und Drehbuch. Aus dem Ital. von Margaret Carroux, Toni und Bettina Kienlechner. Zürich. Diogenes.

Fellini, Federico. 1997. Meine Vision umfaßt 360 Grad: Ein Gespräch mit Toni Maraini. Aus dem Ital. von Agnes Dünneisen. Frankfurt/M. Axel Dielmann.

Kezich, Tullio. 1989. Fellini: Eine Biographie. Aus dem Ital. von Sylvia Höfer. Zürich. Diogenes.

Masina, Giulietta. 1975. Il diario degli altri. Torino. Società editrice internazionale.

Masina, Giulietta. 1991. Giulietta Masina / [Interview mit] Tullio Kezich. Bologna. Cappelli.

Schaake, Marlet. “Sie mag nur starke Stücke. Interview mit Giulietta Masina.” Cosmopolitan 1986, Heft 8, S. 33.

 

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Hedwig Dohm