FemBio-Special: Berühmte Malerinnen

Gwen John

geboren am 22. Juni 1876 in Haverfordwest, Wales
gestorben am 13. September 1939 in Dieppe, Frankreich

englische Malerin
135. Geburtstag am 22. Juni 2011


BiografieLiteratur & Quellen


Biografie

Ausgerechnet Gwens jüngerer und zunächst berühmterer Bruder Augustus hat immer behauptet, sie sei die viel bessere Malerin. Aber die öffentliche Anerkennung ihrer Arbeiten ließ lange auf sich warten - was sicher nicht an deren Qualität lag, sondern an der besonderen Arbeits- und Lebensweise von Gwen John.

Ihre künstlerisch begabte Mutter stirbt früh, und Gwen und Augustus streifen, nie ohne ihre Skizzenblöcke, frei umher. 1895 folgt Gwen dem Bruder für drei Jahre an die Londoner Slade School, vier Monate Malstudien bei Whistler in Paris entwickeln ihren von ihm gerühmten und lebenslang sich verfeinernden Sinn für Farbtönungen.

1904 steht Gwen dem alten Rodin in Paris Modell, und es entsteht eine Liebesbeziehung, deren Intensität Gwens ganzes Wesen ergreift. Bald aber wird Gwens Leidenschaft ihm lästig. Immer seltener darf sie ihn sehen, bis 1917 schreibt sie ihm 2000 Briefe - als “your obedient little model” - Marie oder Maria, niemals als Gwen.

Ab 1927 entwickelt sie noch einmal eine enge, diesmal religiös getönte Bindung: Auch Véra Oumançoff, die Schwägerin des katholischen Philosophen Jacques Maritain, soll sie, ein verletztes, liebebedürftiges kleines Tier, Marie nennen. Wieder wird ihre Zuneigung zu bedrängend, so daß sie schließlich Véra nur noch montags, nach der Messe, heimbegleiten darf; jedesmal schenkt sie ihr ein kleines Bild. Diese dessins de lundi werden unbeachtet in einen Schrank gestopft und erst nach 1960 zufällig gefunden.

Die letzten Jahre ihres Lebens gleitet Gwen in immer tiefere Isolation. Immer konzentrierter wird ihr einsames Arbeiten, ihre Gouachen werden monochromer, die gleichen Sujets werden immer wieder, bis auf 5 x 5 cm, verkleinert. Sie vernachlässigt ihre Gesundheit noch mehr als früher und wohnt ab 1936 in einer verfallenden Gartenhütte. Das Bewußtsein ihres Wertes als Künstlerin bleibt dabei ungebrochen. Schließlich nehmen die Depressionen überhand; todkrank reist sie nach Dieppe, bricht dort auf der Straße zusammen. Ihr Grab ist unbekannt.

aus Pusch/Gretter, Berühmte Frauen: 300 Portraits, Bd. 1

Swantje Koch-Kanz

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Literatur & Quellen

Chitty, Susan. 1981. Gwen John. London. Hodder & Stoughton.

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Hedwig Dohm