FemBio-Special: Berühmte Italienerinnen

Isabella d’Este Gonzaga

(Isabella d’Este Gonzaga, Markgräfin von Mantua)

geboren am 29. Juni 1474 in Ferrara
gestorben am 13. Februar 1539 in Mantua

italienische Mäzenin, Politikerin und Regentin
475. Todestag am 13. Februar 2009

 


BiografieLiteratur & Quellen


Biografie

Als Isabella d’Este mit 16 Jahren durch Heirat Markgräfin von Mantua wurde,  setzte sie bald die Tradition ihres Elternhauses fort und machte ihren Hof zu einem glänzenden Zentrum des literarischen und künstlerischen Lebens ihrer Zeit. Sie war begabt mit Vitalität und Klugheit, Geschmack, Bildung, vielen Interessen und einem besonderen Talent für Diplomatie. Es gelang ihr, nicht nur über lange Zeiten klug zu regieren, sondern auch zu vermitteln und ihren Staat im Gewirr der oft wechselnden verwandtschaftlichen und/oder politischen Loyalitäten, zwischen Auseinandersetzungen und Kriegen hindurchzulavieren und gegen die Begehrlichkeiten von Papst, Fürsten und z.B. dem Schwager Cesare Borgia zusammenzuhalten.

Ihrem Mann war sie trotz seiner verletzenden Affairen und späteren Syphilis eine treue Gattin, Pflegerin und Sachwalterin. Sie pflegte ausgedehnte, auch internationale Freundschaften und Briefwechsel mit Gelehrten, Politikern, Dichtern und Malern, von denen viele an ihrem Hofe lebten oder sie aus der Ferne über alle Neuigkeiten auf künstlerischem oder geistigem Gebiet und vor allem über das so komplizierte Gewebe der Politik orientierten. Berühmte Dichter und Musiker waren in ihren Diensten und Erzieher ihrer Kinder. Der Autor des Corteggiano arbeitete als ihr Botschafter bei Leo X., Ariost las ihr seinen Orlando Furioso vor, der Novellist Bandello nannte sie die “erhabenste aller Frauen”, für Niccolò da Correggio war sie gar “la prima donna del mondo”! 

Hinzu kam Isabellas Liebe zur Musik. Natürlich spielte sie Laute, aber auch Clavichord, ließ sich vom berühmten Lorenzo di Pavia ein kostbares Cembalo bauen, beschäftigte führende Lautenspieler und z.B. den beliebten Madrigalisten Tromboncino. Und Musik war auch eines der Hauptthemen für die erlesene architektonische und vor allem malerische Ausgestaltung ihrer Wohnsitze und besonders der studioli  im Kastell von Mantua. Wichtige Maler wie Mantegna arbeiteten für sie; Tizian, Leonardo u. a. schufen Portraits von ihr. Überhaupt: das Sammeln von Kunstwerken war eine Leidenschaft Isabellas, die sie mit “dem Urteil eines Gelehrten und dem Geschmacke eines Kenners “ betrieb, was häufig zur Überlastung der UntertanInnen bzw. des kleinen Staatsbudgets und entsprechenden Schulden führte, die oft mit der Verpfändung von kostbaren Gewändern und Schmuck beglichen werden mußten.

Ihre Eleganz und ihr reicher Schmuck waren Vorbild bei Päpsten und Königen. Auch ihr Interesse für Antiken und kostbare Bücher, Neuausgaben der Klassiker, für sie angefertigte Übersetzungen z.B. von Plutarch prägten das geistige Leben in Mantua. Aber Sammelleidenschaft und Diplomatie ließen sie auch, für unsere Begriffe,  gelegentlich die Grenzen des Taktes überschreiten: Nach der Einnahme von Urbino, dem Hofe ihrer Freundin und Schwägerin Elisabetta, durch den Borgia, erbittet sie von ihm den dort erbeuteten Amor Michelangelos; und nach dem Sturz des Schwagers Sforza “Il Moro” besucht sie im feindlichen Mailand einen Ball seines Besiegers Ludwig XII. von Frankreich.

Menschlich bewegend ist aber die intensive Freundschaft und der Briefwechsel zwischen den drei Frauen Isabella, ihrer Schwester Beatrice (Sforza) und der Schwägerin Elisabetta in Urbino. Auch die Aufnahme von politisch Verfolgten und “Emigrantinnen” wirft ein schönes Licht auf Isabella; Zuflucht fanden bei ihr u.a. die Frau des Bruders, Lucrezia Borgia, sowie die zwei Hauptmätressen Sforzas (und Konkurrrentinnen ihrer Schwester).

Swantje Koch–Kanz

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Literatur & Quellen

Bongiovanni, Gianetto. 1941. Isabella d’Este, Markgräfin von Mantua: Ein Frauenleben in der Renaissance. Aus d. Ital. von Werner Johann Guggenheim. Zürich. Rascher.

Durant, Will. 1985. Kulturgeschichte der Menschheit 8: Glanz und Zerfall der italienischen Reanissance. Köln. Naumann & Göbel.

Wilson, Katharina M. 1991. An Encyclopedia of Continental Women Writers. 2 Bde. New York: London. Garland.

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Hedwig Dohm