FemBio-Special: Berühmte Frauen berühmter Männer

Louisa Catherine Adams

geboren am 12. Februar 1775 in London
gestorben am 15. Mai 1852 in Washington, DC

amerikanische First Lady
160. Todestag am 15. Mai 2012


BiografieZitateLiteratur & Quellen


Biografie

Die sechste First Lady der Vereinigten Staaten faßte ihr ereignisreiches Leben lakonisch so zusammen: “The stream of my life has not run smooth.” Einer ihrer autobiographischen Schriften gab sie den Titel The Adventures of a Nobody, aber eine Niemandin war sie nicht. Die Frau des Botschafters, Senators, Außenministers und schließlich Präsidenten der USA war geistreich und schön, eine talentierte Musikerin, die Klavier und Harfe spielte, gut singen konnte und sogar komponierte. Der preußische König und der russische Zar, an deren Hof ihr Mann als Diplomat wirkte, schätzten sie wegen ihrer französischen Sprachkenntnisse und ihrer Liebenswürdigkeit. Sie war eine Briefschreiberin ersten Ranges, übersetzte literarische und philosophische Texte und verfaßte Prosaschriften, Gedichte und Dramen. Louisa Adams war eine Intellektuelle, eine scharfe Beobachterin der politischen Landschaft und eine Gesellschaftskritikerin, die sich gegen die Männerwelt auflehnte. Sie vertrat die Ansicht, daß eine Frau genauso “klar” und “rigoros in ihrer Aufassungskraft” sei und “genauso fähig wie der Mann, etwas Solides zu leisten.”

  Die lebhafte, etwas verwöhnte Louisa Catherine Johnson, Tochter einer Engländerin und eines amerikanischen Geschäftsmannes, träumte von einer echten, zärtlichen Partnerschaft. Impulsiv heiratete sie 1797 in London den dreißigjährigen amerikanischen Diplomaten John Quincy Adams. Trotz (oder wegen?) der aufgeklärten Ideen seiner berühmten Mutter Abigail Adams über die Gleichberechtigung war ihr Sohn ein Frauenfeind - kalt, streng, ehrgeizig und geltungssüchtig. Louisa behauptete, sie könne nicht mit ihm, aber auch nicht ohne ihn leben. Sie hat es immerhin 51 Jahre an seiner Seite ausgehalten. Obwohl J.Q. sie als junge Frau einengte, fand sie Wege, sich zu entfalten. Aufgerieben von fünfzehn Schwangerschaften und zehn Fehlgeburten, von tragischen Todesfällen (ein Sohn wurde tot geboren; die einzige Tochter, knapp ein Jahr alt, mußte sie 1812 in Rußland begraben), Geldsorgen und chronischen Depressionen, raffte sie sich doch nach jedem Schlag wieder auf. Manchmal rebellierte sie offen gegen ihren Mann oder den ganzen Adams-Clan – nicht immer mit Erfolg. Die Familie bestand z.B. darauf, die zwei ältesten Söhne in Massachusetts zu behalten, als J.Q. 1809 als Botschafter nach St. Petersburg ging. Louisa durfte nur den zweijährigen Charles mitnehmen. Als ihre Ältesten als Erwachsene beide dem Alkoholismus erlagen, wurde die Mutter ihre Schuldgefühle nicht mehr los.
  Die zwei Jahre, die die wiedervereinte Familie 1815-17 in England verbrachte, waren Louisas glücklichste Zeit. Dagegen empfand sie die vier im Weißen Haus 1825-29 als grauenhaft. Der gehässige Parteikampf, der vorausgegangen war, ließ während der Amtszeit nicht nach. Die First Lady fühlte sich wie im Gefängnis in diesem “großen, ungemütlichen Haus.” Es war trotzdem eine Demütigung, als ihr Mann - wie zuvor sein Vater - nicht wiedergewählt wurde. Nach dem mysteriösen Tod des ältesten Sohnes - höchstwahrscheinlich ertränkte er sich 1829 - ging das Paar nach Quincy, Massachusetts zurück. Aber J.Q. konnte dem politischen Leben nicht entsagen. Gegen Louisas erklärten Wunsch wurde er nun als alter Mann Abgeordneter im Repräsentantenhaus, wo er bei einer Rede 1848 einen Schlaganfall erlitt. Louisa überlebte ihn nur um drei Jahre.

Margaret Ward

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Zitate

Unternehmen, die den Frauen sehr schwierig und kühn vorkommen, sind keineswegs so anstrengend wie die Vorstellungskraft sie uns immer ausmalt. (über ihre Reise im Februar 1815, mit dem achtjährigen Sohn in vierzig Tagen von St. Petersburg nach Paris!)

Wenn Herr A[dams], statt mich zurückzuhalten, mich als junge Frau in der Öffentlichkeit gefördert hätte, wäre ich manövrierfähiger geworden und hätte meine jetzige Situation [als Frau eines Präsidentschaftskandidaten] besser verstanden.

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Literatur & Quellen

Adams, Louisa. Briefe & Schriften. The Adams Papers. Adams Manuscript Trust. Massachusetts Historical Society. Boston, MA.
   Corbett, Katherine T., 1979. “Louisa Catherine Adams: The Anguished ‘Adventures of a Nobody,’” in Woman’s Being, Woman’s Place: Female Identity and Vocation in American History. Hg. Mary Kelley. Boston. G.K. Hall.    Nagel, Paul C. 1987. The Adams Women: Abigail and Louisa Adams, their sisters and daughters. New York. Oxford UP.
   Notable American Women: A Biographical Dictionary. 1971. Hg. Edward T. James, Janet Wilson James & Paul S. Boyer. 3 Bde. Cambridge, MA. The Belknap Press of Harvard UP.
   Sheperd, Jack. 1980. Cannibals of the Heart: A Personal Biography of Louisa Catherine and John Quincy Adams. New York. McGraw Hill.
   Women in World History: A Biographical Encylopedia. 1999. Hg. Anne Commire & Deborah Klezmer. 4 Bde. Detroit, MI. Yorkin.

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Hedwig Dohm