FemBio-Special: Frauen aus Hannover
Luise von Preußen
Königin Luise von Preußen
geboren am 10. März 1776 in Hannover
gestorben am 19. Juli 1810 auf Schloß Hohenzieritz bei Neustrelitz
Viele europäische Länder erlebten ihre Blütezeit unter weiblicher Herrschaft: Spanien unter Isabella, England unter Elizabeth I., Österreich unter Maria Theresia, Rußland unter Katharina der Großen.
Deutschland und Frankreich hatten keine Herrscherinnen dieser Statur aufzuweisen; ihre “große Zeit” war die des “Sonnenkönigs” Ludwig XIV. bzw. Friedrichs des Großen, letzterer ein erklärter Frauenfeind. Aus diesen männlich gedrillten Ländern kamen auch die fürchterlichsten Despoten über Europa, Napoleon und Hitler.
Die bis heute bei weitem beliebteste deutsche Königin war Luise – schön, anmutig, sanft, heiter, natürlich, charmant, ohne Allüren und Dünkel und ihrem überforderten und oft verstimmten Gatten, dem preußischen König Friedrich Wilhelm III., bedingungslos ergeben – nach einer kurzen Phase jugendlichen Aufbegehrens, das ihr bald restlos ausgetrieben wurde. Sie war das genaue Gegenbild der selbstbewußten Machthaberinnen Isabella, Elizabeth, Maria Theresia oder Katharina und eignete sich daher besonders gut zum geliebten, bald mythisch verklärten Vorbild deutscher Frauen.
Luise Auguste Wilhelmine Amalie, Prinzessin von Mecklenburg-Strelitz, wurde 1776 im Alten Palais an der Leinstraße geboren; sie verbrachte ihre ersten zehn Lebensjahre in Hannover. Ihr Vater, Prinz Karl von Mecklenburg-Strelitz, war von seinem Schwager, dem englischen König Georg III. (zugleich Kurfürst von Hannover) zum Gouverneur von Hannover ernannt worden. Als Luise sechs Jahre alt war, starb ihre Mutter, Friederike von Hessen-Darmstadt, nach zehn Geburten mit nicht einmal dreißig Jahren im Kindbett. Der Vater heiratete daraufhin eine Schwester seiner Frau, die aber schon nach der Geburt ihres ersten Kindes starb. Karl brachte seine überlebenden Kinder bei ihrer Großmutter in Darmstadt unter und begab sich auf Reisen.
Auf die geistige Ausbildung von Prinzessinnen wurde damals kein Wert gelegt. Wichtig waren Schönheit und Liebreiz – um einen standesgemäßen Verehrer einzufangen. Nach der Heirat bestand ihre Hauptaufgabe im Gebären von – möglichst männlichem – Nachwuchs zur Sicherung der Dynastie. Viele Prinzessinnen starben an dieser mörderischen Prozedur in jungen Jahren – wie Luises Mutter. Auch Luise war, nachdem sie Ende 1793 mit siebzehn Jahren geheiratet hatte, bis zu ihrem Tod siebzehn Jahre später fast ununterbrochen schwanger. Sie hinterließ einen gebrochenen Mann, der sie, auf seine patriarchalisch-verklemmte Weise, wirklich treu und innig geliebt hatte, und sieben überlebende Kinder, unter ihnen der spätere König Friedrich Wilhelm IV. und der spätere Kaiser Wilhelm I.
Luises jüngere Schwester Friederike (1778-1841) hatte den jüngeren Bruder des Kronprinzen geheiratet, Prinz Louis von Preußen. 1793 gab es in Berlin eine glanzvolle Doppelhochzeit: Zwei Schwestern heirateten zwei Brüder. Louis starb jedoch schon 1796. 1815 heiratete Friederike in dritter Ehe den späteren König von Hannover, Ernst August II.
Luises letzte Lebensjahre waren überschattet von den Folgen der Niederlage Preußens gegen Napoleon in der Schlacht bei Jena und Auerstedt 1806. Das Königspaar mußte fliehen und blieb bis Ende 1809 im Exil in Ostpreußen, oft unter entwürdigenden Bedingungen.
Den Untergang Napoleons und die glanzvolle “Wiedergeburt” Preußens erlebte Königin Luise nicht mehr.
Zitate:
… er gefällt mir in allen Stücken und ich gefalle ihm und uns ist am wohlsten, wenn wir zusammen sind. (Königin Luise über ihre Ehe, 1808)
… Wilhelm wird, wenn mich nicht alles trügt, wie sein Vater, einfach, bieder und verständig; nur wird er, glaube ich, nicht so schön. Sie sehen, lieber Vater, ich bin noch in meinen Mann verliebt. ... Charlotte [die spätere Zarin Alexandra von Rußland] macht mir immer mehr Freude; sie ist zwar verschlossen und in sich gekehrt, verbirgt aber, wie ihr Vater, hinter einer scheinbar kalten Hülle ein warmes, teilnehmendes Herz… (Königin Luise, April 1808)
Sie bestimmte mir den Tag für ihre erste Sitzung. Ich kann sie Ihnen, sagte sie, nicht am Vormittag festsetzen, denn der König, der alle Morgen um zehn Uhr Revue passieren läßt, liebt es, wenn ich zugegen bin. ... Der Aufenthalt in Potsdam war ein wahrer Genuß für mich, denn je mehr ich die reizende Königin kennenlernte, desto mehr empfand ich das Glück, ihr nahe sein zu dürfen. ... Während einer unserer Sitzungen ließ die Königin ihre Kinder hereinbringen; sie zeigte sie mir und sagte: “Schön sind sie nicht.” Ich gestehe, daß ich nicht die Stirn hatte, es in Abrede zu stellen und begnügte mich damit zu antworten, daß sie ausdrucksvolle Gesichtszüge hätten. (Die Malerin Elisabeth Vigée-Lebrun in ihren Memoiren)
Gestern hat die Königin von Preußen mit mir diniert. Ich mußte mich tüchtig wehren, da sie mich zwingen wollte, ihrem Mann noch einige Zugeständnisse zu machen. Aber ich war nur höflich und habe mich an meine Politik gehalten. Sie ist sehr reizvoll ... (Napoleon an seine Frau Josephine)
Zärtlich, Schutz suchend und kokett halten die Schwestern sich zueinander und blicken doch voller Erwartung in das Leben hinaus, das vor ihnen liegt. Ihr Miteinander macht sie doppelt attraktiv. (Christian Graf von Krockow über Gustav von Schadows Doppelstandbild der Prinzessinnen Luise und Friederike (1795-97). Das Original ist auf der Berliner Museumsinsel zu bewundern, die Kopie – das sog. Königinnen-Denkmal, ein Geschenk Wilhelms II. an die Stadt Hannover aus dem Jahr 1910 – in der Hohenzollernstraße in Hannover).
Luise F. Pusch
de Bruyn, Günter. 2001. Preussens Luise: Vom Entstehen und Vergehen einer Legende. Berlin. Siedler.
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Gersdorff, Dagmar von. 1996. Königin Luise und Friedrich Wilhelm III.: Eine Liebe in Preußen. Berlin. Rowohlt Berlin.
Krockow, Christian Graf von. 2001. Porträts berühmter deutscher Frauen: Von Königin Luise bis zur Gegenwart. München. List.
Mander, Gertrud. 1998. Königin Luise. Berlin. Stapp.
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Taack, Merete von. 1981 [1978]. Königin Luise: Die unbesiegbare Liebe. München. Heyne TB 83.






