FemBio-Special: Berühmte Malerinnen

Maria Elena Vieira da Silva

geboren am 18. Juni 1908 in Lissabon
gestorben am 6. März 1992 in Paris

portugiesisch-französische Malerin und Grafikerin
105. Geburtstag am 18. Juni 2013


BiografieLiteratur & Quellen


Biografie

Ohne Vorzeichnung baut Vieira da Silva ihre Gemälde aus vielen mosaikartigen Farbflächen und einem Gitternetz von Linien auf. Dicke Farbschichten lassen den kreativen Entstehungsprozess erkennen. Für ihre Raumkonstruktionen bevorzugt sie große Formate und benutzt eine gedeckte Farbpalette, aus der sie sich für das jeweilige Bild ähnliche Farbtöne heraussucht. Ihre Themen sind von den fallenden Linien einer Stadtlandschaft, von Eisenkonstruktionen, Brücken oder Schienen inspiriert. Besonders in den 40er und 50er Jahren haben ihre Bilder eine enorme Raumtiefe, wie beim 3-D-Effekt nehmen aus dem Gewirr von Linien und Farbflecken Gegenstände Gestalt an, und die Betrachterin wird förmlich in das Bild hineingezogen. Durch die Auflösung und teilweise Überlagerung des realen Raumes entsteht der Eindruck einer Traumwelt. Die späteren Gemälde zeigen nicht mehr diese Raumspannung, die Architektur erscheint “in poetische Farb- und Strukturgebilde umgewandelt”. Ihr umfangreiches Oeuvre umfasst auch Druckgrafik, Tapisserien, Keramikkacheln und Glasfenster.

Vieira ist die einzige Tochter einer portugiesischen Diplomatenfamilie. Mit fünf Jahren fängt sie an, Klavier zu spielen; die Musik ist zeitweise eine ernste Konkurrentin der Malerei. Vieira wird später im Atelier immer wieder spielen oder zumindest beim Arbeiten Musik hören. Mit elf beginnt sie zu zeichnen, zu malen und wenig später plastisch zu arbeiten. 1928 geht sie mit ihrer Mutter nach Paris und studiert zuerst bei Bourdelle Bildhauerei, bevor sie endgültig zur Malerei wechselt.

1930 heiratet sie den ungarischen Maler Arpad Szenes, mit dem sie lebenslang eine tiefe Liebe und Übereinstimmung verbindet. In dieser Zeit lernt sie die Galeristin Jeanne Bucher kennen, die 1933 die erste von vielen weiteren Einzelausstellungen organisiert. 1939 fliehen Vieira und Szenes vor dem 2. Weltkrieg nach Portugal, dann nach Brasilien, wo sie öffentliche Aufträge erhalten und das kulturelle Leben stark beeinflussen. Ihr Atelier in Rio de Janeiro wird binnen kurzem ein Treffpunkt junger KünstlerInnen.

1947 kehren beide nach Paris zurück. Vieira arbeitet auch mit anderen KünstlerInnen zusammen, so z.B. In den 50er Jahren mit Germaine Richier, für deren Bronzeskulpturen sie Hintergründe gestaltet. Der wachsende internationale Erfolg bringt ihr zahlreiche Ausstellungen und Preise, doch ihre wirkliche Heimat bleiben die Malerei und das Atelier, das sie am liebsten gar nicht verläßt.

Zitate:
Es muß so sein, daß sich die Betrachterin vor einem Wesen wiederfindet, das ihr Gesellschaft leistet, ihr Geschichten erzählt, ihr Sicherheit gibt.

Mit meiner Leinwand und Palette muß ich beständig eine bestimmte Arbeit tun: ein wenig mehr Weiß, ein wenig mehr Grün, zu kalt, zu heiß, steigende Linien, fallende, sich verbindende, dies bedeutet viel in der Malerei und nichts in Worten. Ich glaube, daß durch das Hinzufügen kleiner Flecken, fleißig wie eine Biene, das Bild entsteht. Ein Bild muß ein Herz haben. (Vieira da Silva, 1955)

Adriane von Hoop

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Literatur & Quellen

Fine, Elsa Honig. 1978. Women and Art: A History of Women Painters and Sculptors from the Renaissance to the 20th Century. London. Prior.

Lassaigne, Jacques & Guy Weelen. 1979. Vieira da Silva. New York. Rizzoli.

National Museum of Women in the Arts. New York, NY. Abrams. 1987.

Petzinger, Renate & Volker Rattemeyer. Hg. 1990. Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Ausstellungskatalog Museum Wiesbaden 1.9.-25.11.1990. Kassel. Weber & Weidemeyer.

Philipe, Anne. 1978. L’éclat de la lumière: Entretiens avec Marie-Hélène Vieira da Silva et Arpad Szenes. Paris. Gallimard.

Vallier, Dora. 1971. Vieira da Silva. Paris. Editions Weber.

Vergine, Lea. 1982. L’autre moitié de l’avantgarde 1910/1940. Paris. Des femmes.

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Hedwig Dohm