FemBio-Special: Berühmte Frauen berühmter Männer

Marion Gräfin Yorck von Wartenburg

geboren am 14. Juni 1904 in Berlin
gestorben am 13. April 2007 in Berlin

deutsche Juristin; Widerstandskämpferin (20. Juli)


Weniger bekannt als Marion Yorcks Beteiligung am Widerstand gegen Hitler ist die Tatsache, daß die promovierte Juristin 1952 zur ersten weiblichen Vorsitzenden eines Schwurgerichts und später zur Landgerichtsdirektorin wurde. Beim Jurastudium in den zwanziger Jahren saß sie als einzige Frau unter 22 StudentInnen im Berliner Seminar des später emigrierten jüdischen Professors Martin Wolff. Ihr Vater Franz Winter, Generalverwaltungsdirektor der Königlichen Bühnen in Berlin, war eher erleichtert als Marion 1927 an der Berliner Juristischen Fakultät promovierte, denn er hatte befürchtet, seine Tochter würde im diffizilenTerrain des Theaters landen. Vierzig Jahre später stellt Yorck mit charakteristischer Ironie fest, sie hätte heute wohl eher Biologie studiert.

Seit 1930 war Marion mit dem Juristen und späteren Widerstandskämpfer Peter Graf Yorck von Wartenburg verheiratet. 1933-36 lebten sie in Breslau und waren oft auf dem Familiengut Kauern in Schlesien (heute Polen), das sie nach dem Tod ihres Schwagers 1942 verwaltete. Dies ersparte ihr als kinderloser Frau den Einsatz in einer Munitionsfabrik.

Ab Januar 1940 nahm Marion mit ihrem Mann teil an den Gesprächen der “Kreisauer” Freunde in ihrer Wohnung in Berlin-Lichterfelde. Die Freunde entwarfen Pläne für ein demokratisches Nachkriegseuropa und beteiligten sich schließlich unter Gewissenskonflikten an dem Umsturzversuch vom 20. Juli 1944. Die Charakterstärke der Männer dieser Gruppe, die von der NS-Justiz als “Grafenclique” verspottet wurden, führt Marion auf ihre “guten Ehen mit bürgerlichen Frauen” zurück (Meding). Nach dem gescheiterten Attentat und der Verhaftung ihres Mannes saß Marion Yorck fast drei Monate im Moabiter Gefängnis. Bald nach der Entlassung wurde sie auf der Fahrt zwischen Berlin und Schlesien von Polen und Russen verhaftet und drei Wochen gefangengehalten.

In der Nachkriegszeit entwickelte sich eine enge solidarische Freundschaft unter den Frauen des Widerstands. Über diese Zeit schreibt Yorck, sie habe sich durch die Zerstörung ihres früheren Lebens gar nicht bedroht gefühlt, im Gegenteil, manchmal meine sie, “erst mit vierzig Jahren gehen gelernt” zu haben. 1946 wurde sie Referendarin im Berliner Magistrat (Ost-Berlin). Ein Angebot, in Potsdam zu arbeiten, schlug sie aus und wurde stattdessen Richterin am Amtsgericht Lichterfelde (West-Berlin). Bis 1969 leitete sie als Landgerichtsdirektorin die 9. Große Jugendstrafkammer in Berlin (West), wo sie bis zu ihrem Tod mit fast 103 Jahren lebte.

(Für FemBio aktualisiert von Luise F. Pusch)

Nancy Lukens

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Meding, Dorothee von. 1993 [1992]. Mit dem Mut des Herzens: Die Frauen des 20. Juli. München. Siedler Buch bei Goldmann, TB 12849.

Wickert, Christl. Hg. 1994. Frauen gegen die Diktatur: Widerstand und Verfolgung im nationalsozialistischen Deutschland. Berlin. Hentrich.
Yorck
von Wartenburg, Marion. 1982. “Es ist eine gute Erfahrung für einen
Strafrichter, das Gefängnis von innen zu kennen”; in: Fabricius-Brand,
Margarete, Sabine Berghahn & Kristine Sudhölter. 1982. Juristinnen: Berichte, Fakten, Interviews. , Berlin. Elefanten Press. S. 131-141.

Yorck von Wartenburg, Marion. 1987. Die Stärke der Stille: Erinnerungen an ein Leben im deutschen Widerstand. München. dtv.

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Hedwig Dohm