FemBio-Special: Berühmte Schwestern berühmter Frauen

Millicent Garrett Fawcett

geboren am 11. Juni 1847 in Aldeburgh, Suffolk
gestorben am 5. August 1929 in London

englische Frauenrechtlerin
85. Todestag am 5. August 2014


BiografieZitateWeblinksLiteratur & Quellen


Biografie

Die Frauen Englands, so die Feministin Ann Oakley, verdanken das Wahlrecht der “Liebenswürdigkeit und Vernunft” Millicent Fawcetts und den spektakulären Aktionen militanter Suffragetten wie der Pankhursts.

Millicent stammte aus einer begüterten, kinderreichen, politisch aktiven Familie. Ihre berühmte Schwester Elizabeth (Garrett Anderson) hatte schon mit ihrem Kampf um das Medizinstudium begonnen, als Millicent erst 12 war.

Mit 20 Jahren heiratete Millicent den 14 Jahre älteren blinden Abgeordneten Henry Fawcett, Professor für politische Ökonomie in Cambridge, der sich aktiv für das Frauenstimmrecht einsetzte und Millicent bei ihrer politischen und publizistischen Arbeit genau so unterstützte wie sie ihn. Ein Jahr nach der Hochzeit gebar Fawcett ihr einziges Kind, Philippa, die mathematisch hochbegabt war und sich später auf ihrem Führungsposten in der Londoner Schulverwaltung erfolgreich für Frauen einsetzte. Fawcett wurde schon mit 37 Jahren Witwe; ihr Mann starb 1884 mit 51 Jahren.

Fawcett war - obwohl öffentliche Auftritte sie extrem ängstigten, was man ihr aber nicht anmerkte - schon in den 70er Jahren eine führende Figur der Frauenstimmrechtsbewegung geworden. 1890 übernahm sie die Leitung der National Union of Women’s Suffrage Societies (NUWSS) und behielt sie bis 1919; im Jahr zuvor war der lange, zermürbende Kampf gewonnen worden. Fawcett begrüßte dies vor allem deshalb, weil sie nun keine Reden mehr halten mußte ...

Dem radikalen Flügel der Frauenstimmrechtsbewegung, der WSPU (Women’s Social and Political Union) die von den Pankhursts geleitet wurde, stand Fawcett kritisch gegenüber - sie grenzte die NUWSS ihnen gegenüber als die “gesetzestreuen Stimmrechtlerinnen” ab. Sie bestand auf Gewaltlosigkeit, weil sie meinte, zwischen Frauen und Männern gäbe es nicht notwendigerweise einen Interessenkonflikt, vielmehr könnten beide Geschlechter durch das Frauenstimmrecht nur gewinnen. Eine Pazifistin war sie allerdings keineswegs; im zweiten Weltkrieg stimmte sie sogar dafür, den Kampf für das Stimmrecht eine Weile auszusetzen - die Nation habe jetzt Vorrang.

Nach 1919 zog sich Fawcett von der Öffentlichkeit zurück, arbeitete aber weiter für die Gleichberechtigung, besonders im juristischen Beruf. Sie unternahm viele und weite Reisen und schrieb Bücher über die lange Geschichte des Kampfes für das Frauenstimmrecht. Ihr letztes Buch war eine Biographie der großen englischen Sozialreformerin Josephine Butler (1928-1906).

Fawcett (1847-1929) war übrigens eine fast “exakte Zeitgenossin” Helene Langes (1848-1930).

Luise F. Pusch

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Zitate

Millicent Fawcett war eine attraktive, sehr feminine Erscheinung und entwaffnete dadurch die Kritiker, denen das Frauenstimmrecht als höchst gefährlich und entschieden unfeminin galt. Ihre glückliche Ehe und tragische frühe Witwenschaft waren auch nützlich gegen die verbreitete Meinung, daß nur häßliche alte Jungfern das Stimmrecht wollten. (Olive Banks)

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Links

http://de.wikipedia.org/wiki/Millicent_Garrett_Fawcett

www.fawcettsociety.org.uk/

www.spartacus.schoolnet.co.uk/WfawcettM.htm

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Literatur & Quellen

Banks, Olive. 1985. The Biographical Dictionary of British Feminists. Vol. I: 1800-1930. New York. New York UP.

Fawcett, Millicent Garrett. 1912. Women’s Suffrage: A Short History of a Great Movement. London; Edinburgh. T. C. & E. C. Jack.

Fawcett, Millicent Garrett. 1924. What I Remember. London. T. Fisher Unwin.

Spender, Dale. Hg. 1983. Feminist Theorists: Three Centuries of Key Women Thinkers. New York. Pantheon Books.

Strachey, Ray. 1931. Millicent Garrett Fawcett. London. John Murray.

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Hedwig Dohm