FemBio-Special: Berühmte Malerinnen
Paula Modersohn-Becker
geboren am 8. Februar 1876 in Dresden
gestorben am 21. November 1907 in Worpswede
deutsche Malerin
100. Todestag am 21. November 2007
Paula Modersohn Becker, deren Tod mit 31 Jahren ihrer künstlerischen Laufbahn ein tragisch frühes Ende setzte, war eine der kühnsten deutschen KünstlerInnen ihrer Epoche. Sie ging weit über die regionale Naturlyrik ihrer Worpsweder Künstlerkollegen hinaus und nahm die Entwicklungen der internationalen Kunst des 20. Jahrhunderts vorweg. Ihre unbedingte Hingabe an ihre Kunst widersprach völlig den weiblichen Verhaltensnormen ihrer Zeit; aber dieser “egoistische” Selbstbehauptungswille war der Schlüssel zu ihrem Charakter und zu ihrer schier unfaßbaren künstlerischen Leistung. Sie erkannte schon früh: “Falsche Nächstenliebe lenkt ab vom großen Ziel.” Für sie war ihre schöpferische Arbeit das Ziel: “… ich werde noch etwas. Wie groß oder wie klein, das kann ich selbst nicht sagen, aber es wird etwas in sich Geschlossenes. Dieses unentwegte Brausen dem Ziele zu, das ist das Schönste im Leben.”
Paula Becker war die dritte Tochter von sieben Kindern in einer Familie, die ihr Geborgenheit und Zuversicht gab. Schon mit 16 bekam sie Zeichenunterricht in Bremen und London. Nach dem Besuch eines Lehrerinnenseminars durfte sie ihre künstlerische Ausbildung in Berlin fortsetzen. Verwandte ermöglichten auch Paulas erste Zeit in Worpswede und 1900 einen ersten Aufenthalt in Paris.
In Worpswede nahm sie Unterricht bei Fritz Mackensen und freundete sich mit der Bildhauerin Clara Westhoff an. Der 11 Jahre ältere Maler Otto Modersohn erkannte und förderte Paulas Begabung. Sie heirateten im April 1901. Er finanzierte ihre weiteren Aufenthalte in Paris (1902, 1905 und 1906-07), wo Paula in den Werken von van Gogh, Cézanne und Matisse wesentliche Impulse für ihre künstlerische Entwicklung fand.
Ihre letzte Pariser Zeit war aber auch ein Versuch, sich aus der erstickend gewordenen Ehe zu befreien, und brachte eine äußerst produktive und ins Neuland der gewaltigen einfachen Selbstbildnisse und Mutter-Kind-Bilder weisende Arbeitsperiode: “Ich werde etwas — ich verlebe die intensiv glücklichste Zeit meines Lebens.” Aber schließlich gab sie doch dem Drängen ihres Ehemanns nach, denn sie wußte auch nicht, wie sie sich ihren Lebensunterhalt verdienen sollte. “Die Hauptsache ist: Stille für die Arbeit, und die habe ich auf die Dauer an der Seite Otto Modersohns am meisten” (Brief an Clara). Im Frühjahr 1907 kehrte sie mit ihrem Mann nach Worpswede zurück. Im November starb Paula Modersohn Becker nach der Geburt einer Tochter an einer Embolie.
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Zitat:
Es ist einmal wieder Abend, einmal wieder einer von meinen schönen Abenden. Dann ist mir’s, als ob die ganze Welt mir offen stünde. Dann setze ich mich in meinen gemütlichen Stuhl, den Du ja kennst, denke nicht viel, doch auch nicht zu wenig, dieses Wenige aber intensiv, empfinde intensiv und freue mich leise, leise, dass ich Paula Becker bin. (Brief an ihren Bruder Kurt, 1897, zit. nach Beuys, S. 119)
Es ist meine Erfahrung, daß die Ehe nicht glücklicher macht. Sie nimmt die Illusion, die vorher das ganze Wesen trug, daß es eine Schwesterseele gäbe.
Man fühlt in der Ehe doppelt das Unverstandensein, weil das ganze frühere Leben darauf hinausging, ein Wesen zu finden, das versteht. Und ist es vielleicht nicht doch besser ohne diese Illusion, Aug in Auge einer großen einsamen Wahrheit?
Dies schreibe ich in mein Küchenhaushaltebuch am Ostersonntag 1902, sitze in meiner Küche und koche Kalbsbraten. (Paula Modersohn-Becker)
Joey Horsley
Beuys, Barbara. 2007. Paula Modersohn-Becker oder Wenn die Kunst das Leben ist. München. Hanser.
Modersohn-Becker, Paula. 1979. Paula Modersohn-Becker in Briefen und Tagebüchern. Hg. Günter Busch & Liselotte von Reinken. Frankfurt/M. Fischer.
Murken-Altrogge, Christa. 1980. Paula Modersohn-Becker — Leben und Werk. Köln. DuMont.
Murken-Altrogge, Christa. 1991. Paula Modersohn-Becker. Köln. DuMont TB.
Perry, Gillian. 1979. Paula Modersohn-Becker: Her Life and Work. London. The Women’s Press.
Reinken, Liselotte von. 1983. Paula Modersohn-Becker in Selbstzeugnissen und Bilddkomenten. Reinbek bei Hamburg. rororo monographie 317.
Wendt, Gunna. 2002. Clara und Paula: Zwei Freundinnen und Künstlerinnen. Wien. Europa Verlag.









